Trotz der Affären und Skandale aus Richtung der bei deutschen Anlegern so beliebten Finanzplätze Schweiz und Liechtenstein erfreuen sich Geldanlagen in diesen Ländern weiterhin großer Beliebtheit. Laut einem Interview der Wirtschaftswoche mit dem Geschäftsführer des Liechtensteiner Bankenverbandes, Michael Lauber, verzeichnete alleine die LGT, die vom Diebstahl ihrer Kundendaten betroffene Investmentbank, seit Anfang 2007 einen Mittelzufluss von rund einer Milliarde Schweizer Franken.
Dabei ist es nicht unbedingt der Steuervorteil, der Anleger zu einer solchen Geldanlage im Ausland greifen lässt. Wer alle Gewinne legal versteuert, für den ergeben sich nur geringe Vorteile gegenüber einer Anlage auf einem inländischen Depot. Und selbst die Quellensteuer, die von den Banken im Ausland immer dann direkt abgeführt wird, wenn der Anleger sich nicht für das so genannte Meldeverfahren entscheidet, beträgt seit dem 1. Juli 2008 20 Prozent und wird ab dem 1. Juli 2011 auf ihren Endstand von 35 Prozent ansteigen. Eine Übersicht über die Besteuerung ausländischer Geldanlagen finden interessierte Leser auf www.geldanlage-im-ausland.de/steueroptimierung.html.
Nein, es ist vielmehr die Expertise der schweizerischen und Liechtensteiner Bankiers, die Anleger trotz aller Affären ins Ausland treibt. Schaut der Fiskus hierzulande ungefragt auf alle Konten und Depots des Anlegers, kann er sich im Normalfall bei schweizerischen und Liechtensteiner Banken sicher sein, dass Diskretion und Anonymität gewahrt bleiben. Selbst ein Fall des bislang als unumstößlich geltenden Schweizer Bankgeheimnisses dürfte von daher keine gravierenden Auswirkungen auf den Finanzplatz haben. Anleger, die ihr Geld an der Steuer vorbei zu erwirtschaften versuchen, werden sich dann zwar nach anderen Regionen und Ländern umsehen müssen, der ehrliche Anleger ist davon aber nicht betroffen. Und so steht es auch in Zukunft zu erwarten, dass deutsches Vermögen ins Ausland fließt, um sich dort zu vermehren.
Daniel Franke