Neue Wege beim Material, neue Wege beim Sargdesign: Das Wellpappe-Modell Flamea gibt es nicht nur mi
Regensburg (obx) - Geht es nach dem Regensburger Unternehmer Matthias Röder, dann werden künftig jedes Jahr 50.000 Deutsche ihre letzte Reise in einem schlichten Pappkarton antreten. Als Billig-Alternative zum traditionellen Eichensarg soll ein Sarg aus Wellpappe der neue Renner im Produktportfolio des ostbayerischen Mittelständlers werden - neben Versandtaschen, Umzugskartons und Aufbewahrungsboxen. Der Unternehmer träumt bereits vom Export in die halbe Welt, aus Italien und Mexiko liegen bereits offizielle Anfragen vor. In Deutschland und Österreich sind Feuerbestattungen mit dem Papp-Modell bereits erlaubt. Andere Länder sollen folgen.
Ein Sarg aus Pappe? Dieser Gedanke war selbst Geschäftsführer Röder ziemlich fremd, als sein österreichischer Produktentwickler mit der Idee auf ihn zukam. Im Kopf habe man immer, dass ein Sarg aus Holz sein muss, sagt Röder. Schließlich ließ er sich doch überzeugen, und ist heute nach mehr als einem Jahrzehnt Entwicklungszeit begeistert von der Neuentwicklung, die ab April offiziell in die Serienproduktion geht und inzwischen ein Patent für ganz Europa besitzt.
Seit seiner Ankündigung, den Pappsarg auf den Markt zu bringen, steht das Telefon in der Regensburger Produktionshalle nicht mehr still. Jeden Tag, sagt der umtriebige Unternehmer, würden Menschen aus ganz Deutschland anrufen und sich erkundigen, wie man in München, Hamburg, Berlin oder Stuttgart an den Papp-Sarg für rund 350 Euro komme.
Logistisch ist die Lieferung für Matthias Röder kein Problem, noch aber weigern sich viele Bestatter in der Bundesrepublik, den Sarg in ihr Angebot aufzunehmen. Pappe und Würde würden nicht zusammenpassen, ließ der Bundesverband deutscher Bestatter mitteilen. Ob es aber tatsächlich um moralische und ethische Bedenken geht oder vielleicht nicht doch um den schnöden Mammon geht, ist allerdings zumindest fraglich. Denn an einem um ein Vielfaches billigeren Sarg lässt sich einfach weniger verdienen, vermutet der Regensburger Hersteller. Ein klassischer Eichensarg schlägt leicht mit 2.000 Euro zu Buche - sieben Mal mehr als das Modell aus reiner Zellulose.
Asche zu Asche und Staub zu Staub: Mit dem Sarg aus schlichter Wellpappe könnte dieses Bibelzitat in Zukunft ganz neue Bedeutung gewinnen. Denn die Pappsärge aus Regensburg sind nicht nur im Preis unschlagbar, sondern auch im Umweltschutz. „75 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß" verspricht der Hersteller. Außerdem würde die wertvolle Ressource Holz geschont.
Auch beim Sargdesign will der Regensburger Unternehmer neue Wege gehen. Anfänglich wird das Modell in insgesamt fünf Ausführungen erhältlich sein: von klassischem Schwarz über ein Ikonenmotiv bis hin zu Mohnblumen, Feldblumen und Rosen reicht die Palette. Richtig Mutige aber gestalten ihren Sarg selbst: mit eigenem Motiv.
Der Markt für seinen Sarg mit dem Namen „Flamea" sei enorm, glaubt Röder. Mehr als 250.000 Tote werden in Deutschland zurzeit jährlich verbrannt und anschließend eingeäschert. „Wir glauben, dass etwa zehn Prozent der Hinterbliebenen sich für unser Modell entscheiden", sagt der Geschäftsführer. Für Erdbestattungen sind die Zellulose-Särge übrigens verboten. Das Friedhofsgesetzt sieht vor, dass die Toten nur in Holzsärgen liegen dürfen.