Rund ein Viertel aller weltweit bekannten 5487 Säugetierarten gelten als vom Aussterben bedroht. Dies ist die erschreckende Bilanz der der neuesten "Roten Liste", die die Weltnaturschutzunion (IUCN) auf ihrem Jahreskongress, dem 4. World Conservation Congress, Anfang Oktober 2008 in Barcelona vorstellte.
Rund 8.000 Teilnehmer debattierten über Nachhaltigkeit, Biodiversität, Artenschutz und Artentod. Darunter Regierungsmitglieder, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler und Geschäftsleute. Die auf dem Kongress vorgestellte aktualisierte "Rote Liste" der bedrohten Arten liefert ernüchternde Zahlen, besonders für Wale und Delfine, von denen weltweit mittlerweile rund ein Drittel vom Aussterben bedroht ist.
Hinter der neuen Fokussierung auf Säugetiere der "Roten Liste" verbirgt sich indes ein Naturschutz-Dilemma: Gefährdungsgrad und Artenschwund sind bei Insekten und anderen Kleinlebewesen - die oftmals wichtige Funktionen für das Funktionieren eines Ökosystems inne haben – zahlenmäßig erheblich größer als bei Säugetieren; die Öffentlichkeit ist aber vor allem dann zu sensibilisieren, wenn es um bekannte Arten wie Delfine, Wale oder Menschenaffen geht.
So ist denn wohl auch der Hinweis der IUCN zu verstehen, seit dem Jahr 1500 seien 76 Säugetierarten ausgestorben. Fast alle davon fielen Entdeckern und Eroberern oder der Gier nach Rohstoffen und nicht Lebensraumzerstörung oder Umweltverschmutzung zum Opfer. Wie die Stellersche Seekuh, von der das letzte Exemplar 1768 von Pelztierjägern bei der Beringinsel erschlagen worden sein soll oder der Atlantische Grauwal, der im 17. Jahrhundert erstes Artenopfer der Walfänger wurde.
Nicht so der Chinesische Flussdelfin oder Baiji, der es immerhin bis ins Jahr 2007 schaffte, und erst dann der massiven Verschmutzung seines Lebensraumes nicht mehr standhalten konnte. Bezeichnenderweise gilt der Baiji ausgerechtent seit dem mit großem Mediengewitter eingeläuteten "UN-Jahr des Delfins 2007" als ausgestorben. Weitere Meeressäuger-Kandidaten mit düsterer Zukunftsperspektive sind der heimische Ostsee-Schweinswal, die Mönchsrobbe, der Vaquita aus Mexiko, die etwa 100 vor Neuseeland lebenden nördlichen Hector-Delfine, die Nördlichen Glattwale oder das größte Lebewesen der Erde, der Blauwal.
Ulrich Karlowskiwww.naturenews.de