Rollenspielerin Sam
Für den Mode- und Werbefotografen Alf Maron ist Fotografie schon immer untrennbar mit seiner künstlerischen Arbeit verbunden gewesen. Erst Anfang 2011 beendete er sein Projekt "Spontanzauber", den ersten Abschnitt einer fotografischen Dokumentation über Rollenspieler. Die bisher entstandene Arbeit zeigt Fotografien von 7 Rollenspielern aus zum Teil unterschiedlichen Rollenspielgattungen: LARP (Live Action Role Playing), Cosplay und Trading Card Game.
Das Spielen des Menschen ist ein Ausdruck seines Bedürfnisses, sich spielerisch mit anderen zu messen und dabei Demonstration von Lebensfreude und Fantasie. Seit Beginn der Menschheit spielt der Mensch. Durch die weltweite Verbreitung und der Form als Kommunikation zwischen Menschen jeglichen Alters, stellt das Spielen eine universelle Sprache dar. Es kann als Elementarbedürfnis des Menschen angesehen werden. Im Spiel erkennt der Mensch sich selbst, stellt Beziehungen her und tritt in kommunikativen Austausch mit anderen.
Die Gründe für das Spielen von Rollenspielen sind so vielfältig wie die Menschen, die es spielen. Dennoch lassen sich Besonderheiten des fantastischen Rollenspiels herausarbeiten und Gemeinsamkeiten aufzeigen. Gratifikationen von Rollenspiele gibt es einige, der bedeutendste ist jedoch wohl: Dem Wunsch des Spielers, in andere Rollen zu schlüpfen und andere, selbst geschaffene Identitäten anzunehmen. Weitere Dimensionen der Gratifikation sind die Unterhaltung, Entdecker- und Machtwünsche der Spieler sowie das Zusammenspiel und Pflegen von sozialen Kontakten.
Für die Spieler bietet das Rollenspiel nicht nur die Möglichkeit der Ablenkung und Ausblendung des Alltags. Vielmehr ist es ein Medium, welches dem Spieler durch das Zulegen einer Charakterrolle die Möglichkeit gibt, einen virtuellen Raum zu betreten. Diesen kann er auf seinem spezifisch zugewiesenen Ort in der virtuellen Sozialwelt durch eigenständiges Handeln und Bewegen im Spiel-Raum mitgestalten. Um den Mitspielern das eigene Handeln glaubhaft vermitteln zu können, versuchen viele Rollenspieler durch das Studien geeigneter Lektüren, ein so vollständig wie mögliches Hintergrundwissen zu erlangen. Spielhandlungen sollten nicht mehr dem Spieler als Person zugeordnet werden, sondern der charakterspezifischen Rolle. Gutes Rollenspiel wird daher nicht nur durch glaubhaftes Theaterspielvermögen hervorgebracht, sondern zuallererst durch einen ständigen Prozess der Arbeit an sich selbst.
Geeignet für ein „realitätsnahes" Erlebnis ist hierbei das Genre der Fantasy. Lange Zeit und von wenigen Ausnahmen abgesehen, galt es nur als Randerscheinung. Verfilmungen wie Herr der Ringe und Harry Potter verhalfen diesem Genre aus dem Schattendasein hervorzutreten und in den Fokus der Wahrnehmung zu rücken. Das Fantasy-Genre erlaubt, im Gegensatz zu anderen Bereichen der phantastischen Genres wie der Science Fiction, sein Handeln nicht physikalischen oder geschichtlichen korrekten Fakten unterordnen zu müssen.
Überschlägt man grob das Angebot an Fantasy-Literatur, so findet man diese häufig in mittelalter-ähnlichen Epochen verortet. Bieten doch die aus dem Mittelalter überlieferten Mythen und Sagen –meist aufgebaut aus einem Plot von Gut gegen Böse – hervorragendes Grundmaterial zum Aufbau einer eigenen Spielwelt. Damit ergibt sich die Möglichkeit, im Alltag nicht realisierbare Handlungen und Wünsche im virtuellen Raum experimentell auszuprobieren und zu erleben.
Das Thema Rollenspiel ist auch das Thema der Photoarbeit "Spontanzauber". Die Fotoarbeit von Modefotograf Alf Maron ist nun in ein Fotobuch mit einer limitierten Auflage von 6 Stück eingeflossen. Einsicht in die Arbeit kann man unter der Webadresse
www.am-photographs.com erhalten, unter der auch ein Auszug des Buches in digitaler Form zu finden ist.
Alf Maron / 2012