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Roland Kuffler und das Oktoberfest

Autor: LenaKoch | Erstellt am: 23.09.2010 | Gelesen: 894
Kategorie: Freizeit - Hobby & Unterhaltung | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Und wieder heißt es: O’zapft is.Das größte Volksfest der Welt das seinen 200. Geburtstag feiert, beginnt am Samstag.

Oktoberfest
Oktoberfest
Und wieder heißt es: O'zapft is. Das größte Volksfest der Welt das seinen 200. Geburtstag feiert, begann am Samstag. Das Weinzelt von Familie Kuffler ist einer großen Promitempel auf dem größten Volksfest der Welt und ein Teil eines Gastronomieimperiums quer durch Deutschland. Roland Kuffler erkennt man schon von weitem in seinem grünen Trachtenblazer mit nicht korrekt umgebundener Krawatte und offenen Hemdsärmel.

Er isst einen Leberknödel aus der Brühe. Laut ihm hat man hier 1,5 Millionen Euro in die Erneuerung investiert. Er sitzt an seinem Lieblingstisch im ersten Stock  des Spatenhauses. Das Traditionslokal im Zentrum der bayrischen Hauptstadt, das der Bayerischen Staatsoper gegenüber liegt, ist ebenfalls in seinem Besitz und nicht nur das.

Der 72 Jahre alte Herr unterhält in München auch das Fünf-Sterne-Hotel „Der Haxnbauer" Im Scholastikahaus, das Asia-Restaurant Mangostin und das bekannte Seehaus im Englischen Garten. Außerhalb von München unterhält er die Spielbank im Wiesbadener Kurhaus und das dort befindliche Restaurant, die Gaststätte „Opéra" und das Café Rosso in der alten Oper zu Frankfurt und die Gutsschänke im Schloss Johannisberg, das im Rheingau liegt.

Das Gastronomieimperium von Kuffler beinhaltet mehr als 40 Betriebe mit 1.400 Angestellten und einem Gewinn von rund 100 Millionen Euro. Der ältere Herr hat nun wieder genug Grund und Muße, sich in seinem Erfolg zu sonnen. Die ist dann der Fall, wenn das 200. Oktoberfest in München stattfindet.

Denn dann wird Roland Kuffler 17 Tage lange im Mittelpunkt stehen und nicht nur in München für Aufmerksamkeit sorgen, mit seinem Weinzelt auf dem Oktoberfest. Denn die Weinschänke, die sich mitten Biergelage befindet, ist einer Promitempel überhaupt. Sein Freund Christian Ude, der Bürgermeister von München, die Unternehmerin Schörghuber (Paulaner) oder der Schauspieler Fritz Wepper werden zu Gast sein.

Und Glamour von außerhalb ist auch gewährleistet. Sei es Schlagerstar Udo Jürgens, der ehemalige Fußballer Lothar Matthäus, Altkanzler Gerhard Schröder oder  der ehemalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping.
Sie alle essen und trinken mit Vorliebe hier. Ihnen ist nicht bewusst, was für ein Typ von Unternehmer hinter der ganzen Sache steckt. In Hemdsärmeln, neugierig, direkt, liebenswert, patriarchalisch veranlagt, so ist Roland Kuffler, der greise kleine Gastronomietycoon aus München.

Wo immer aufkreuzt, stürzt er sich gleich in den Trubel. Er fordert eine Kellnerin im Spatenhaus auf, herzukommen, als sie einen Teil des Gastraumes zumachen will. Er will wissen, warum sie die Tür schließt und sie antwortet, dass man dort eine Besprechung wegen einer Familienfeier habe.

Nachdem Kuffler davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass einer seiner Gäste seinen 75. Geburtstag feiert, ist er zufrieden und weist seiner Untergebenen an, die Tür zu schließen. Kuffler gehört zu den seltsamsten, meistens nur in der Region bekannten Werklern und Wurstlern unter den deutschen Unternehmern.

Als Spross eines Bauunternehmers aus Frankenthal in der Pfalz entdeckte er das gewinnbringende Geschäft des Kneipenbesitzers, als er zu Beginn der 60er Jahre ein Sprachstudium in Heidelberg begann, das ihm aber nicht reicht. Dann ruft er zusammen mit seinem späteren Schwager eine Kneipe als Zentrum der Kommunikation für Studenten aus dem Ausland, die Tangente, ins Leben.
Aus dem ursprünglichen Lokal in der Altstadt von Heidelberg entwickeln sich in den folgenden Jahren beinahe 40 Kopien in fast allen deutschen Städten mit einer Uni. Er bricht sein Studium ab, verlegt seinen Firmensitz von Heidelberg nach München und bemüht sich, in der Speisegastronomie Fuß zu fassen.

Der ihm wurde bewusst, dass man zu alt geworden sei, um Studentenlokale zu unterhalten. Auch im Restaurantgeschäft backt Kuffler erst einmal kleine Brötchen. Er gibt seinem neuen Lokal, das kaum mehr als eine Würstchenbude ist, den Namen Wurstkuchl und macht Filialen in München, Regensburg, Gießen und Berlin auf.

Dann kommen in den 80ern die großen Eröffnungen, wie der Haxnbauer am Platz, das Spatenhaus an der Oper, das Seehause und das Mangostin. Glamour auf gesellschaftliche Art brachte Kufler sein Wiesn-Zelt ein. Als dieses noch den Namen Weinburg trug und noch Lothar Buckel gehörte, war es dort traurig.

Die Weininsel im Biermeer war oft nicht voll besetzt, die Stimmung passte eher zu einer Prozession zu Fronleichnam. Dies wurde anders, als Kuffler das Zelt vor 11 Jahren erwarb. Spätestens seit dem Oktoberfest von 2006, als er den Feierwütigen eine komplett neues Zelt vorstellte, ist immer voll und die Stimmung famos.

Seine Trink- und Speiselokalitäten heben sich von der Konkurrenz ab. Die Gäste bekommen hier auf feinere Art einen Schwips wie im Hippodrom, im Hackerzelt oder in der Löwenbräu-Festhalle. Routinierte Stemmer von Maßkrügen haben hier nichts davon. Wenn es Bier sein soll, dann Paulaner frisch vom Fass im typischen 0.5 Liter Weißbierglas und spätestens bis 21 Uhr.

Ungeachtet dessen bringt auch Kuffler große Massen durch sein Zelt. Etwa 2.000 Gäste, darunter so mutmaßt man, die höchste Anzahl an wohlhabenden Singlefrauen auf dem Fest tanzen bei im in Haferlschuhen und Trachtenpumps zweieinhalb Wochen zu der Musik der „Sumpfkröten" oder der „Blechblosn".

Dazu findet man einen gourmetreichen Streifzug durch sein Restaurant-Reich. Die Köche des Mangostin haben eine kleine Auswahl ihrer Küche genau wie ihre Kollegen aus dem Seehaus, dem Haxnbauer oder dem Spatenhaus. Dies gibt es neben 12.000 halben Hähnchen, 4.300 Brotzeiten zu je 21,50 Euro und 8.000 Litern Veltiner Weißwein, der Viertelliter zu 9,20 Euro. Dies ist das Fazit von 2009.

Kuffler mag die Herausforderung, er ist auf der Suche nach schwierigen Plätzen, an denen andere sich die Zähne ausbeißen. Ein solcher Platz in das Spatenhaus, was früher die Sorge der Spatenbrauerei war. Die Bilanzen befanden sich in den roten Zahlen und trotzdem oder gerade deswegen wollte er das Traditionshaus an der Residenzstraße besitzen, dies geschah vor knapp 3 Jahrzehnten.

Inzwischen stehen Kufflers Kinder zur Weiterführung des Unternehmens in den Startlöchern. Sohn Stephan war schon als Jugendlicher mit dem Vater in dessen Büro und den Betrieben. Später arbeitet er als Kellner und als Aushilfe an der Schänke. Schnell war dem heute 43 Jahre alten Mann klar, dass er das Geschäft seines Vaters weiterführen möchte.

Er machte eine Hotelfachlehre im Hilton und ist bei Seminaren an der Cornell-Hotelschule in Ithaca (Bundesstaat New York). Beim Steuerberater seines Vaters lernt der Tricks und Kniffe in der Bilanzierung und der Rechnungslegung. Seit 18 Jahren ist er in der Geschäftsleitung tätig und nimmt sich des Marketings, des Personals und den Betrieben in München an. Sebastian Kuffler fand nicht den direkten Weg in das Unternehmen des Vaters.

Er wurde erst Rettungssanitäter, studierte Medizin bis zum Physikum und dann Landwirtschaft. Er arbeitete auf einem Gestüt. Seit etwa zwei Jahren ist er Betriebsleiter im Wirtshaus „Grüntal" in München. Nur Catharine Kuffler hat mit der Gastronomie nichts am Hut.

Sie scheut die Öffentlichkeit und ist verheiratet und Mutter dreier Kinder. Alle in der Familie Kuffler haben Anteile an der Firma. Der Seniorchef und seine Gattin haben zusammen die Hälfte der Anteile, der Sohn Stephan hat 20 Prozent und Sebastian und Tochter Catharine halten je 15 Prozent.

Der alte Kuffler besitzt auch noch ein großes Aktienpaket an der Dinkelacker-Schwaben Bräu Brauerei in Stuttgart. Seinen Wunsch, ein schönes großes Hotel in der Münchner City zu besitzen, wird wohl nicht mehr in Erfüllung gehen, doch dabei ist ihm das fast gelungen. Gegenüber vom Spatenhaus wird er 2012 ein Restaurant in der ehemaligen Residenzpost aufmachen, dies ist eine Immobilie der Deutschen Post.

Daraus hätte auch ein Hotel entstehen können. Der Plan hätte aber nicht funktioniert, die Investitionen hätten sich wohl nicht gelohnt. Man habe in der Bundesrepublik einfach zu billige Hotelpreise, empört er sich. Der Wahlbayer möchte noch nicht aufhören, das hätte er vor 10 Jahren machen müssen, nun sei es zu spät.

Lena Koch
 
 
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