Rheuma kann uns alle treffen
Immer noch schreibt der Volksmund das Krankheitsbild „
Rheuma" gern alten Menschen zu. Tatsächlich aber sind auch Jüngere und sogar Kinder betroffen. Etwa 15 Prozent der deutschen Bevölkerung sucht wegen rheumatischer Beschwerden mindestens einmal jährlich eine Arztpraxis auf. Bei den Erkrankten sind Frauen ungefähr zwei bis drei Mal häufiger betroffen als Männer.
Das griechische Wort „Rheuma" bedeutet „fließender ziehender Schmerz" und steht als Oberbegriff für circa 400 einzelne Krankheiten. In den meisten Fällen ist der Bewegungsapparat mit seinen Gelenken, Muskeln und Sehnen betroffen. Aber auch Organe wie Nieren, Herz, Darm und Gefäße können an den rheumatischen Entzündungen beteiligt sein ebenso wie das Rippenfell, die Nerven und das Gehirn. Besonders hier ist eine frühzeitige Diagnose wichtig mit sofort anschließender Behandlung durch Medikamente und weiteren Therapieformen.
In der Regel wird als Rheuma die rheumatoide Arthritis (Entzündung der Gelenke) bezeichnet. Sie zeigt sich meistens zuerst in den kleinen Gelenken wie Fingern und Zehen. Besonders beim Aufstehen nachts oder morgens lassen sich die Finger schlecht bewegen, was als "Morgensteifigkeit" bekannt ist. Die Hände fühlen sich kraftlos an und die Greiffähigkeit ist eingeschränkt. Einige Zeit nach dem Aufstehen können sich diese Bewegungsstörungen wieder bessern und verlieren.
Später werden das morgendliche Ankleiden und die Körperpflege häufig zur Qual. Feinmotorische Tätigkeiten (Zuknöpfen von Hemd oder Bluse) und das Fassen und Halten von schwereren Dingen (Konservendosen) machen Probleme. Rötung, Schwellungen und Schmerzen treten an den Gelenken auf (meist Finger- und Handgelenke), die sich kaum noch – und unter Schmerzen – beugen lassen. Einem Händedruck wird wegen der Schmerzhaftigkeit skeptisch entgegengesehen oder er wird gänzlich vermieden. Krankheitsgefühle wie dauernde Müdigkeit, Erschöpfung sowie auch Frösteln und Fiebern lassen sich nicht (beispielsweise einem grippalen Infekt) zuordnen.
Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf zeigen sich Gelenkdeformationen. Die Finger verlassen ihre mittige Position und weisen nach außen, das äußerste Fingerglied zieht sich wie der Kopf des Schwanes nach unten (daher: „Schwanenhalsdeformation"), ein Fingerknöchel schiebt sich nach oben und die sogenannten Rheumaknötchen bilden sich an der Streckseite der Gelenke. Gehprobleme und Unfähigkeit zur Verrichtung der alltäglichen Tätigkeiten machen die Patienten von Hilfe abhängig.
Bis heute konnten die Ursachen der Krankheit noch nicht entschlüsselt werden, Vermutungen zielen in Richtung Gen- und Umweltfaktoren. Je früher die Beschwerden dem „rheumatischen Formenkreis" zugeordnet und als solches behandelt werden, desto eher können entzündungshemmende Medikamente sowie auch physiotherapeutische Bewegungsübungen ihre Wirkung erzielen. Zumindest Linderung und Verzögerung des Krankheitsverlaufes sind dadurch möglich, wobei das eigene Engagement der Patienten eine wesentliche Rolle spielt. Auch alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur bewähren sich oft als günstige Maßnahmen. Regionale Selbsthilfegruppen, wie die „Rheumaliga", sind für Betroffene geeignete Anlaufstellen.
Wer sich etwas näher mit den Symptomatiken beschäftigen möchte, kann sich zusätzlich auf
www.rheumasymptom.de informieren.
B. Röhrbein