Hochwertiger Chronograph als Medium für das Firmenlogo
Würde man eine der wichtigsten Währungen der Werbewirtschaft, nämlich die Kontakthäufigkeit, zum Maßstab nehmen, dann müsste eine Armbanduhr mit „Werbelogo" im Ziffernblatt eigentlich zu den begehrtesten Werbeflächen überhaupt gehören. Da ein durchschnittlicher Armbanduhrenträger ca. 50 mal täglich auf seine Armbanduhr blickt, dürfte es rein theoretisch nichts Besseres geben, um sein Firmenlogo zu platzieren.
So übertrieben hatte man wohl auch argumentiert, als sich einige Hersteller Anfang der 80er Jahre anschickten, den Weltmarkt mit sogenannten Werbeuhren zu überfluten. Was anfänglich faszinierend demokratisch wirkte (billige Armbanduhren für alle), führte später dazu, dass der wahre Wert einer echten Armbanduhr aus dem Blickfeld entschwand. Immer billiger und noch billiger musste sie werden, die „bunte Plastikuhr". In der Bedürfnispyramide eines durchschnittlichen Konsumenten drohte die Armbanduhr als Konsum- und Kulturgut in die Bedeutungslosigkeit zu versacken.
Dass sich fast alle Traditionsmarken trotzdem bis heute behaupten konnten, dürfte vor allem daran liegen, dass die Idee der Kunststoffuhr immer mehr ihrer ursprünglichen Faszination einbüßte – und Ende der 90er Jahre eintrat, was man in anderen Zusammenhängen unter dem Stichwort „Marktbereinigung" kennt. Das Thema galt irgendwann als überreizt.
Wenigstens blieb die gute Idee erhalten, ein eigenes Firmenlogo (Private Label) auf dem Ziffernblatt einer Armbanduhr zu platzieren. Im Zuge der Massenproduktion von preisgünstig herstellbaren Armbanduhren hatten sich außerhalb Europas, vor allem in Fernost, weltweit viele Produktionsbetriebe entwickeln können, die nach dem Abebben des Plastikuhren-Hypes das Thema Logouhr mit neuer Qualität wieder attraktiv machten. Edelstahl bildete nun die Grundlage für einen neuen Boom der Werbe- oder Logouhr, bei der nun wieder Wert auf Langlebigkeit und Präzision gelegt wurde. Mit dieser Qualitäts-Renaissance hat sich die Uhr der Rückbesinnung auf die inneren Werte Qualitätsaussagen konnte die Logouhr als solche überleben – und gehört wieder zum Kanon gutsortierter Merchandising- und Incentive-Kollektionen großer Unternehmen.
Was der Armbanduhr heute höchstens noch „angelastet" wird: als Werbeartikel oder Werbegeschenk vergleichsweise wenig originell zu sein. Fürwahr: In einem Kreativmeeting, wo es darum geht, Ideen für das Merchandising-Angebot der nächsten Saison zu entwickeln, kann man sich mit der Idee "Armbanduhr" nicht unbedingt als querdenkender Avantgardist profilieren.
Aber das will die Armbanduhr ja auch endgültig nie mehr wieder sein: bunt, laut, schrill, schräg, aufdringlich, stylish oder gar spaßig. Diese Zeiten hat sie zum Glück unbeschadet hinter sich gelassen. Und ist heute wieder das, was sie auch weiterhin so begehrenswert macht: traditionsreiches Kulturgut und wertvolles Accessoire.
Volker Gross