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Reisen an verschiedene Enden der Welt

Autor: FJT | Erstellt am: 09.10.2011 | Gelesen: 285
Kategorie: Reisen - Urlaub & Tourismus | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Malediven, Seychellen, Juan-Fernández-Inseln und andere Enden der Welt

Insel des Robinson Crusoe (c) Wikipedia / Serpentus / Creative Common License
Insel des Robinson Crusoe (c) Wikipedia / Serpentus / Creative Common License
"Alles hat einmal ein Ende, nur die Wurst hat deren zwei", so lautet ein bekanntes Wortspiel. Leider ist es ganz falsch. denn wenn man schon anfängt, das zeitliche Ende mit dem räumlichen Ende in ein-und-denselben sprachlichen Topf zu werfen, dann muss man entschieden weiter denken, nämlich an die Enden der Welt - räumlich betrachtet, und von denen gibt es, wenn schon denn schon, eine ganze Menge. Wer etwa von Frankfurt am Main nach Feuerland fliegt, legt 13.700 km zurück, nach Peking sind es kaum 8.000, nach Sydney hingegen volle 16.500 km. Während also für Menschen in Feuerland und Enten in Peking ihre jeweilige Heimat am Anfang jeder Reise liegt - und das ferne Frankfurt, egal ob Main oder Oder, am Ende der Welt, liegen für uns Mitteleuropäer die Enden unserer Welt halt in jenen fernen Regionen, in die nur die wenigsten von uns jemals einen Fuß gesetzt haben oder in Zukunft jemals setzen werden. "Ich war noch niemals in New York", dieses Bekenntnis müssen mit Udo Jürgens (dem man es nicht glauben darf) wohl die meisten Deutschen wahrheitsgemäß ablegen. Es gibt halt selbst für die deutschen Weltmeister des Reisens zu viele Enden der Welt, um sie alle mit einer persönlichen Visite zu beglücken.

Das Reisen bis ans "Ende der Welt" - oder der Gedanke an solche Reisen - ist für die meisten Menschen auch emotional stark aufgeladen, und zwar positiv. Ans Ende der Welt flieht man mit seinem (seiner) Liebsten, na gut notfalls auch allein, um dem tristen Alltag, seinem grauen Grauen, dem Gewöhnlichen zu entziehen. Manche der Menschen, bei denen ihr Arzt eine unheilbare Erkrankung diagnostizieren muss, verspüren ein heftiges Fluchtbedürfnis in ferne Länder, in eine andere Welt auf Erden. Vorzugsweise in ein irdisches Paradies. Und es gibt sie ja, die irdischen Paradiese: Für Freunde unglaublich und unwirklich schöner Landschaften zählen dazu nicht nur, aber ganz sicher auch Inselgruppen wie die Malediven oder die Seychellen, beide im Indischen Ozean gelegen, und beide grob gerechnet 8.000 km von unserer Heimat entfernt liegend. Manche Reisende absolvieren sogar beide Reiseziele auf einen Rutsch, kein Problem, denn zwischen ihnen liegen lediglich vergleichsweise schlappe 2.200 km Entfernung. Die Träume von fernen unbeschreiblich schönen Inseln, Stränden, Atollen, Riffen, Unterwasserfloren und -faunen, tropischer Landvegetation und ewigem Frühling darf man mit Recht träumen. Manche träumen davon lebenslänglich. Der klassische Dialog: "Wir wollen ja dieses Jahr wieder nach Acapulco fahren." - "Ach Sie waren schonmal dort?" - "Nein das nicht, aber wir wollten schonmal hin!" - dieser Dialog behält für diese Menschen ihr Leben lang Gültigkeit.

Ein weithin bekanntes Ende der Welt sind auch die Juan-Fernández-Inseln. Nie gehört? Doch, ganz sicher wissen die meisten Deutschen von dieser Inselgruppe, sie kennen aber nur deren Hauptinsel, die nach ihrem berühmtesten Besucher benannt ist. Diese liegt rund 600 km westlich vor der chilenischen Küste, etwa auf der Höhe von Santiago de Chile, und heißt Isla Robinsón Crusoe, also Robinson-Crusoe-Insel. Zwar hieß Robinson Crusoe in Wirklichkeit Alexander Selkirk, war auch kein Schiffbrüchiger, sondern ließ sich nach einem schweren Streit auf seinem Schiff freiwillig auf der Insel absetzen, und lebte dort auch keine 28 Jahre wie im Roman, sondern nur fünf (nämlich 1704 bis 1709). Tatsache ist aber, dass es dieses Ereignis und dieser Aufenthalt Selkirks auf der fernen Insel waren, die Daniel Defoe zu seinem berühmten Roman "Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe" inspirierten, den er 1719 schrieb. Robinson, der bis heute manchen Clubs, die Ferne, Weite und Paradiesisches verkörpern wollen, als Namensgeber dient, war wirklich gewissermaßen am Ende der Welt angekommen, in einem Paradies von heute, jedoch einer lebensgefährlichen Umgebung von damals. Besiedelt wurde die Insel dann ab etwa 1750, heute leben auf ihr rund 600 Menschen. Die ersten Generationen dieser Siedler konnten nicht wissen, wie die große und ferne Welt um sie herum sich entwickelte. Sie erfuhren weder, dass Friedrich Schiller im Jahre 1785 sein Gedicht "Ode an die Freude" schrieb, noch dass Ludwig van Beethoven es im Jahre 1823 vertonte und damit unsere heutige Europa-Hymne verfasste. Wie hätten sie es auch erfahren sollen in der Zeit vor Telegrafie und Internet? Marbach und Weimar, Bonn und Wien waren schließlich völlig unbekannte Orte am Ende der Welt.

Autor: Franz Josef Teupe
 
 
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