Rattansofa
Dekorativ und vielseitig, sind
Rattanmöbel momentan der letzte Schrei. Fast jeder hat ihn irgendwo zu Hause stehen, der eine holt ihn aus dem letzten Winkel hervor, wenn dringend eine zusätzliche Sitzgelegenheit gebraucht wird, der andere hat ihn an prominenter Stelle stehen, ihn gar zu seinem Lieblingsplatz gemacht. Denn bei kaum einer anderen Möbelart decken Qualitäts- und Preisunterschiede ein so breites Spektrum ab wie bei Rattanprodukten. Das Angebot reicht vom Billigartikel aus dem Sonderpostenladen bis hin zum exklusiven Designerstück. Nach unserer Einschätzung wird Rattan immer noch oft als eine Art Zweite-Wahl-Material betrachtet. Etwas, das man sich zwar in den Wintergarten stellt, aber selten ins Wohnzimmer. Verantwortlich dafür ist nach unserer Meinung das wachsende Angebot an qualitativ minderwertigen Billigangeboten. Dabei hält hochwertig verarbeitetes Rattan den Vergleich mit jedem konventionellem Möbelholz aus - zum Beispiel, was die Stabilität angeht.
Nicht hohl, sondern massiv:
Obwohl
Rattanmöbel in der Regel bedeutend leichter sind als ähnliche Artikel aus heimischen Hölzern, ist die Haltbarkeit vergleichbar. Denn anders als beim Bambus sind die Rattanstränge nicht hohl, sondern verfügen im Innern über eine mit natürlichem Harz gefüllte Kapillarstruktur. Durch diesen festen, mit Adern durchsetzten Kern ist das Material sowohl stabil und massiv, aber dennoch leicht. Eine Kombination, die kaum bei einem anderen organischen Material zu finden ist.
Vorbehalte gegenüber Rattanmöbeln mögen auch daher rühren, daß kaum jemand den Fertigungsprozeß von Rattanprodukten nachvollziehen kann. Während jeder Laie sich ungefähr ausmalen kann, wie aus den Eichen und Buchen im heimischen Wald Schrankwände und Eßtische werden, ist Rattan für die meisten ein böhmisches Dorf. Der Name Rattan kommt aus dem Malaiischen und bedeutet soviel wie »Stock«. Über 600 verschiedene Arten von Rattangewächsen gibt es weltweit, nur etwa 50 davon sind allerdings für die kommerzielle Nutzung geeignet. Rund 90 Prozent des gesamten für den Möbelbau benutzten Rattan kommt aus Indonesien. Nach Angaben der Organisation für Industrielle Entwicklung der Vereinten Nationen in Wien werden nur etwa zehn Prozent des weltweit gehandelten Materials in Plantagen angebaut, der Rest kommt direkt aus dem Urwald, wo er von einheimischen Sammlern geschlagen und transportiert wird. Keine leichte Arbeit, denn Rattan hat, obgleich als Palmenart definiert, nicht viel mit der landläufigen Vorstellung von Palmen zu tun. Vielmehr ähnelt er einer Schlingpflanze, die sich lianengleich um benachbarten Bäume windet. Bis zu 150 Meter lang können die schmalen Stämme des Rattan werden.
Anders als Tropenhölzer wie Teak oder Mahagoni hat Rattan einen vergleichsweise kurzen Erntezyklus von nur acht bis zwanzig Jahren und zählt damit zu den schnell nachwachsenden Rohstoffen. Rattan sei als Material sehr zu empfehlen, notwendig sei jedoch die Einführung einer Zertifizierung für nachhaltige Rattangewinnung. Damit soll sichergestellt werden, daß das verwendete Material aus Gebieten stammt, wo nur soviel Rattan entnommen wird, wie auch wieder nachwächst. Tatsächlich liegt zwischen der geschlagenen Calmus-Rotang-Palme, und dem fertigen Sessel oder Bett noch ein weiter Weg. Ist schon das Schlagen des verschlungenen und dornigen Stangengewächses schwierig, so stellt der Transport der meterlangen Rattanstränge durch den Urwald in die meistens weit entfernten Fertigungsstätten ein noch größeres Problem dar. Diese Distanzen von oft einigen hundert Kilometern lassen sich im Busch nur in mehreren Tagen überwinden, ein Grund dafür, daß das geschlagene Rattan oft zu spät behandelt wird.
Empfohlen: Qualitäts-Check.
Um eine optimale Qualität zu gewährleisten, sollte das Material innerhalb von sieben Tagen nach der Ernte entwässert, gewaschen und zum Trocknen aufgestellt werden. Dazu werden die Stämme zuerst von ihrer dornigen Oberfläche befreit und danach bündelweise in Öl ausgekocht, um die Feuchtigkeit herauszuziehen. Mindestens vier Wochen müssen die grünen Rattanstangen danach im Freien aufgestellt werden, erst in dieser Zeit bekommen sie ihre gelbe Farbe. Nach dem Trocknen werden sie nochmals von Hand geschält und erst dann entweder verschifft oder vor Ort weiterverarbeitet. Um die geraden Rattanstränge in die für Korbmöbel charakteristischen Kurven zu bringen, werden sie mit heißem Dampf biegsam gemacht und mit Hilfe von Schablonen vorgekrümmt Ihre endgültige Form erhalten sie anschließend beim sogenannten Abbrennen über offener Flamme, wenn Pflanzenharz und Rattanfaser zu einer Einheit verschmelzen.
Derart vorbehandelt, können die einzelnen Teile montiert werden:a) bei Qualitätsprodukten : verzapft und verdübelt,
b) bei einfacher Verarbeitung: mit Eisenklammern (die später rosten können) geschossen und dann durch Plastikbindung ( Lederimitat) verdeckt.
Je nach Modell wird dann mit Flechtwerk vervollständigt. Auch das dafür verwendete Peddigrohr wird aus der Rattanpflanze gewonnen. Dazu werden die Rattanstränge durch düsenförmige Schneidewerkzeuge wie durch eine Art Fleischwolf gedrückt und so zu feinem, dünnen Flechtmaterial verarbeitet.
Nach diesen vielen Fertigungsschritten ist dem potentiellen Käufer ein sorgfältiger Qualitätscheck zu empfehlen. Vor allem die Verbindungsstellen von Flechtwerk und Gestell bei Betten oder Stühlen sollten dabei unter die Lupe genommen werden. Wie fest sind die Bindungen geknotet, sitzen darunter eventuell Nägel oder Stifte, die das Rattan spalten. Generell sollten die Wicklungen fest und unsichtbar nach innen verknotet sein. Als optimal gelten Lederbindungen, die feucht aufgebracht werden und dann im trockenen Zustand die Bindungen quasi unlösbar zusammenzurren
Doch auch eine noch so sorgfältige Ansicht vor dem Kauf kann unliebsame Überraschungen im nachhinein nicht völlig verhindern. Dafür verantwortlich ist nach der Erfahrung der Möbelexperten besonders oft die Lackierung. Gerade von Käufern kostengünstiger Schnäppchenangebote habe es schon wiederholt Beschwerden über schlecht riechende und in machen Fällen sogar gesundheitsschädliche Lacke gegeben. Derartige Mängel können nach unserer Erfahrung auch erst einige Zeit nach dem Kauf zeigen, genauso wie eine unsauber aufgetragene Lackierung des Möbelstück auf lange Sicht spröde und brüchig oder auch anfällig für Schimmel machen kann.
Es zahlt sich in jedem Fall aus, qualitätiv hochwertige
Rattanmöbel (z. B. Rattansofa, Rattansessel und Rattanbett) in entsprechenden Fachgeschäften mit persönlicher Beratung zu kaufen.
Axel Dauelsberg, Möm in Glonn