Balázs Kicsiny, "The Misunderstanding", 2010, installation plan. Foto: Künstler
Regensburg (obx) – Mitglied in der Europäischen Union seit sechs Jahren und seit dem Fall des Kommunismus einer der rasantesten Aufsteiger auf dem Kontinent: Politisch und wirtschaftlich ist Ungarn längst in Europa angekommen. Doch kulturell und mental bleibt der Nachbar im Südosten vielen ein Rätsel, obwohl die Hauptstadt des einstigen Teils der österreichich-ungarischen Donaumonarchie keine fünfhundert Kilometer von der deutschen Grenze entfernt ist. Das soll sich in diesem Herbst ändern, wenn Kunst und Kultur des Heimatlands von Paprika und Puszta in Regensburg bei der donumenta 2010 vor Anker gehen. Bis zum nächsten Jahr will donumenta-Initiatorin Regina Hellwig-Schmid in Regensburg alle Donau-Nachbarn präsentieren. Das Festival, bescheiden gestartet, entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum Publikumsrenner. Auch in diesem Jahr werden bei dem bis 6. November dauernden Festival wieder rund 10.000 Besucher erwartet.
Das Programm bietet mit einer Fülle an Ausstellungen, Konzerten, Vorträgen sowie Tanz- und Theateraufführungen einen tiefen Einblick in die Kunst und Kultur des Landes, das vor 20 Jahren sein erstes freies Parlament seit 1947 wählte. Innerhalb weniger Jahre ist Regensburg mit der donumenta zu Deutschlands wichtigster Drehscheibe für den internationalen Kulturaustausch mit Südosteuropa geworden. Seit 2003 widmet sich das Festival der Kunst und Kultur der Donauländer: 2003 Ukraine, 2004 Republik Moldau, 2005 Bulgarien, 2006 Österreich, 2007 Rumänien, 2008 Kroatien und 2009 Slowakei. Nach Ungarn in diesem Jahr soll der Reigen der östlichen Donauländer im kommenden Jahr mit Serbien abgeschlossen werden.
Neben der Gegenwartskunst will die donumenta mit Lesungen, Tanz, Theater, Konzerten und Diskussionsveranstaltungen den aktiven Dialog mit jeweils einem anderen Donauland fördern – in diesem Jahr mit Ungarn. „Durch Symposien, Konferenzen und Workshops wird ein Forum für die Akteure der Kulturszene aller beteiligten Länder geschaffen", sagt Regina Hellwig-Schmid. Ein lebendiger Kulturaustausch werde den Menschen an der Donau ein neues, europäisches Zusammengehörigkeitsgefühl vermitteln, glaubt die Initiatorin.
Im Mittelpunkt der donumenta 2010 steht ein umfassender Einblick in die ungarische Kunstszene, die bei Kennern als wahrer Juwel gilt: vielseitig, aussagekräftig und vital. Im Rahmen eines außergewöhnlichen Ausstellungskonzepts unter dem Titel „Liberation Formula" sind bis Anfang November an sechs unterschiedlichen Orten in Regensburg mehr als drei Dutzend markante Positionen zeitgenössischer Kunst aus Ungarn zu sehen. Mehrere der an der Ausstellung beteiligten Künstler haben ihre neuesten Werke eigens für das Regensburger Donaufestival kreiert.
„Das Regensburger Projekt gilt als größte Schau ungarischer Gegenwartskunst in Deutschland und wird als umfassende Raum- und Denkbewegung auf faszinierende Weise erlebbar", sagt Initiatorin Hellwig-Schmid.
Weitere Höhepunkte des donumenta-Jahres 2010 sind unter anderem eine berührende Fotoausstellung über das Leben und die Kultur der Roma in Ungarn und Lesungen magyarischer Autoren, die Erinnerungssplitter der 1989 untergegangenen Welt des Sozialismus literarisch verarbeitet haben.
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