Puppen - Spielzeug und faszinierendes Hobby
Puppen gehören zu den ältesten Spielzeugen der Menschheit. Bereits in der Steinzeit bildete man Menschen verkleinert nach, damit Kinder damit spielen konnten. Einen großen Schub erhielten Puppen dann noch einmal im Mittelalter, wo sie sich als Kinderspielzeug endgültig durchsetzten. Viele Menschen – insbesondere Frauen – verbinden mit einer oder mehreren Puppen einen bedeuteten Teil ihrer Kindheit, und es werden liebliche Erinnerungen wach, wenn man heute auf das Thema zu sprechen kommt.Die Entstehungszeit der Puppen ist nicht so eindeutig abzugrenzen. Als Puppe gilt eine Figur, die einen Menschen darstellt. Eins ist klar, Puppen gehören zum ältesten Spielzeug überhaupt. Der heutige Hauptzweck ist das Spielen, aber auch Sammler und Souvenirjäger erfreuen sich daran. Jedoch waren die ersten Puppen nicht zum Spielen gedacht. Sie hatten mit Glauben und Kultur zu tun. Diverse Religionen benötigten für ihren Kult eine Puppe. Bereits in der entferntesten Frühzeit der Menschheit fanden sie in verschiedenen Kulturen ihre Anfänge. Dabei wurden Materialien für die Herstellung benutzt, die nicht für die Ewigkeit bestimmt waren. So entstanden aus Pflanzen und sonstigen natürlichen Stoffen die ersten Puppen. Das 8. Jahrhundert vor Christus ließ die sogenannten Heilpuppen entstehen und im antiken China gab es sogar schon die ersten Strohpuppen. Im Allgemeinen wurden Puppen im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt. Aus vergänglichen Naturstoffen wurden zeitlosere Materialien, wie Terrakotta. Einige der ab dem späteren Mittelalter entstandenen Puppen sind sogar heute noch erhalten. So kam es, dass die Puppen von Jahrhundert zu Jahrhundert in Ihrer Entwicklung nicht stehenblieben und auch immer mehr als Spielobjekt zu betrachten waren. Der religiöse und magische Zweck ging im Laufe der Zeit verloren.
Das 15. Jahrhundert war wohl ausschlaggebend für eine gewerbliche Herstellung. Die
Puppe, die nun im Handel vertrieben wurde, war nun auch offizielles Spielzeug. Die ersten Puppenmacher wurden hauptsächlich in der Nürnberger Gegend bekannt, die damals als Dockemacher bezeichnet wurden. Auch im thüringischen Sonneberg hatten sich nachweislich im 17. Jahrhundert Spielzeug- und Puppenhersteller niedergelassen. Im Jahre 1815 begann die Produktion in Waltershausen, ebenfalls in Thüringen, was sich später auch als führender Puppenhersteller weltweit herauskristallisieren sollte. Diverse Unternehmer, wie Verpackungshersteller und weitere Spielzeughersteller siedelten sich erfolgreich an. Immer mehr Zubehör wurde für die Puppen entwickelt, die hauptsächlich als Spielzeug für Mädchen galten. Puppenkleider, Puppenhäuser und Co. wahren sehr begehrt. Ein bedeutender Konkurrent für die deutsche Puppenproduktion war nur Frankreich. Im 19. Jahrhundert führten einige Erfindungen zur Weiterentwicklung des beliebten Spielzeugs. Kugelgelenke, moderne Maschinen und andere Materialien wie Gummi und Celluloid waren mitverantwortlich für eine rasche Puppenproduktion. So wurden die Puppen immer detailgetreuer und natürlich auch die diversen Accessoires wurden weiterentwickelt. Bedeutend für die Puppengeschichte ist wohl auch die im Jahre 1873 gegründete "Rheinische Gummi- und Celluloidfabrik" in Mannheim, die heute wohl eher unter dem Namen "Schildkröt" bekannt ist und noch immer ein erfolgreicher Puppenhersteller ist.
Zu erwähnen ist wohl auch, dass aus den reinen Spielzeugpuppen auch Unterarten, wie Künstlerpuppen entstanden, die dann auch das Hobby Puppensammeln hervorbrachten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kreierte die Künstlerin Käthe Kruse besondere Puppen, die sowohl ästhetische Künstlerpuppe, als auch Spielpuppe waren. So gewann die Puppe im Laufe des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung. Doch leider sorgten die Weltkriege für einen rapiden Rückgang der Puppen- und Spielzeugindustrie in Deutschland, die sich nur langsam wieder erholen konnte. Noch heute sind Puppen als Spielzeug sehr beliebt, nicht nur bei kleinen Mädchen. Sie erfüllen pädagogische Zwecke und sind dennoch bei den Kindern, aber auch bei den Sammlern, sehr beliebt.
Eva Beck