Der Autor Jochen Gust nennt den
Pseudokrupp metaphorisch einen „Luftgeist", der einem den Atem nähme. So nachzulesen in seinem Buch mit ähnlichem Titel. Recht hat der Mann, denn für das betroffene Kind muss es sich doch tatsächlich so anfühlen, als nähme etwas Unsichtbares, Bedrohliches ihm die Luft zum Atmen. Dass dabei große Ängste entstehen, sollte nachvollziehbar sein. Naturgemäß sind nicht alle Kinder betroffen. Diese, zumeist durch Grippeviren ausgelöste Luftnot, tritt in der Regel ausschließlich bei Kindern im Alter von drei Monaten bis längstens sechs Jahren auf. Man hört auch von eher seltenen Ausnahmen, dass auch noch ältere Kinder und sogar Erwachsene davon betroffen sein können. Wobei hier vermutlich auch andere individuelle Probleme mit berücksichtigt werden müssen, denn ein Pseudokrupp kommt in der Regel deshalb nur bei so jungen Kindern und Babys vor, weil der Bereich des Kehlkopfes noch sehr eng ist.
Werden die dort ansässigen Schleimhäute durch Viren gereizt und schwellen an, kann es in Verbindung mit dem normalen nächtlichen Abfall des Cortisonspiegels, welcher wiederum die Schleimhäute leicht anschwellen lässt, zu einer deutlichen Verengung des Kehlkopfbereichs und somit der Atemwege kommen. Diese Folgewirkung kann dann einen Pseudokrupp-Anfall auslösen. Gerade die Komponente, dass der Anfall beinahe ausschließlich in den späten Abendstunden oder in der Nacht stattfindet, macht dies nur noch erschreckender. Sie brauchen sich ja nur vorzustellen, wie Sie des nachts vom bellenden Husten oder noch schlimmer vom Röcheln und Pfeifen Ihres Kindes geweckt, schlaftrunkend - vielleicht sogar bei Stillbabys völlig übermüdet - in die von Angst geprägten Augen Ihres Kindes blicken und selber möglichst ruhig bleiben und reagieren müssen. Womit wir den Bogen zum Gespenstischen geschlagen haben.
Warum heißt es eigentlich Pseudokrupp?
Seien Sie jetzt mal ehrlich: Hängt dem Begriff „Pseudo" nicht doch ein eher negativer Touch an? Denkt man dabei nicht gleich an Simulantentum oder ähnliches? Zugegeben. Hier allerdings wurde dieser Begriff geprägt, um eine formale Abgrenzung zum „echten Krupp" auszudrücken, will man nicht mit lateinischen Fachbegriffen um sich schmeißen. Mit dem „echten Krupp" ist die sehr ansteckende Diphtherie, genauer gesagt die äußerst gefährliche Kehlkopf-Diphtherie gemeint, welche allerdings durch ordnungsgemäße Impfungen im Laufe des 20. Jahrhunderts, zumindest in den Industriestaaten, nahezu ausgestorben ist.
Was ist bei einem Pseudokruppanfall zu beachten?
Vor allem Ruhe bewahren und nicht in Panik geraten. Dies ist natürlich nur möglich, wenn Sie entweder von Natur aus ein „sehr ruhiger" Mensch sind, oder bereits vor einem Anfall überhaupt schon gehört haben, dass es so etwas wie Pseudokrupp gibt. Viele Eltern erwischt dieses dramatische Ereignis nämlich eiskalt und unerwartet. Dabei gibt es zahlreiche Seiten im Netz, die sich damit beschäftigen, was bei einem Anfall zu tun ist. Darüber hinaus jedoch wenige, die einmal darüber nachdenken, wie man bereits im Vorfeld die Gefahr des Pseudokrupps wenn schon nicht gänzlich ausschließen, so zumindest aber verringern kann.
Auf der Seite www.schutzvorpseudokrupp.de beschäftigt sich ein betroffener Vater mit dieser Thematik, und gibt darüber hinaus noch allgemeine und selbst erprobte Hinweise zum Verhalten bei einem Anfall.
Es grüßt Sie ihr
Christian Kantel