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Projektleiter Zertifizierung

Autor: eustress | Erstellt am: 01.07.2009 | Gelesen: 2750
Kategorie: Beruf - Bildung & Karriere | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - PRINCE2® oder PMP®? Stellt sich diese Frage überhaupt?

Renee Ossowski; Projektmanagementtrainer
Renee Ossowski; Projektmanagementtrainer
Der Boom der Zertifizierungen für Projektleiter hält an. Hat noch vor einigen Jahren eine 3 – Tages Schulung ausreichen müssen, um Projektmanagement zu erlernen, ist man heute bereit, mehr Zeit für diese komplexe Thematik zu investieren.

Häufig stellt sich für viele Projektleiter aber die Frage: „Welche Zertifizierung ist für mich die Richtige?“ Diese Frage soll in diesem Artikel aber nur teilweise beantwortet werden. Primär geht es darum, zu klären, ob der PMP® eine Alternative zu PRINCE2® (Practioner) darstellt oder umgekehrt. Da beide Zertifizierungen persönliche Zerti-fizierungen sind, also keine Unternehmens-zertifizierungen darstellen, werden beide Zertifizierungen in der Regel als äquivalent beurteilt. Ob sich dies so verhält, soll an dieser Stelle geklärt werden.

Übersicht der wichtigsten Zertifizierungen

OGC

PMI

IPMA

PRINCE2®® Foundation

CAPM®

Level1®

PRINCE2®® Practioner

PMP®®

Level2®

Überblick PRINCE2®® und PMP®®

PRINCE2® (Projects INControlled Enviroments) vom Office Gouverment Commerze (OGC)

Wie weiter oben schon deutlich wird, teilt sich die PRINCE2®-Zertifizierung in zwei Standards auf: Foundation und Practioner. "Foundation" ist für die Zulassung zur Practioner Prüfung Voraussetzung. In durch dem OGC akkreditierten Seminaren werden die beiden Zertifikate in der Regel in zwei unabhängingen Seminaren (2 Tage Foundation und 3 Tage Practioner) am Markt angeboten. Am Ende jeder Schulung erfolgt direkt die Prüfung. In der "Foundation" erfährt der Teilnehmer sofort sein Ergebnis, bei der "Practioner" etwa 2 – 3 Wochen später.

Bei der „Foundation Prüfung" handelt es sich um eine „normale" Multiplejoice Prüfung, bei der „Practioner Prüfung" um eine Multiplejoice Prüfung, die zu Beginn ein relativ komplexes Projektszenario aufzeigt, zu dem dann insgesamt 8 unterschiedliche Formen von Multiplejoice Fragen zu Prozessen, Prozess-interaktionen, Dokumentenfluß, Business Case etc. gestellt werden.

Wichtig: Der Teilnehmer sollte schon gut vorbereitet in die Seminare kommen, da sonst keine Vorbereitungszeit zur Verfügung steht.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Prüfung ohne Seminar direkt beim der OGC in Köln ablegen, was allerdings nur absoluten Autodidakten zu empfehlen wäre.

PRINCE2® beschreibt ein stringentes Prozessmodell, daß aus insgesamt 8 Prozessen und 44 Unterprozessen besteht. Die Prozesse lassen sich taylorn, allerdings nicht eliminieren. Jeder Prozess ist notwendig und erfüllt seinen Zweck.

Eine Kernkompetenz besteht darin, zu wissen, welcher Unterprozess welche anderen Unterprozesse triggert (auslöst). Man kann dieses Prozessmodell mit einem Uhrwerk vergleichen, in dem alle Rädchen und Komponenten einen klar definierten Auftrag erfüllen, damit die Zeiger die genaue Uhrzeit anzeigen.

Ähnlich sieht es hier aus. Über das Konzept „Management by Exception" bewegen sich alle Rollen (Auftraggeber, Projektleiter, Projektsicherung, Lieferantenvertreter, Projektunterstützung, Benutzervertreter, Konfigurationsadministrator) in eindeutig abgegrenzten Prozessen, so daß bei der Steuerung des Projekts nichts dem Zufall überlassen wird. Alle Tätigkeiten und Dokumente der Prozesse sind eindeutig beschrieben.

Neben den Prozessen existieren dann noch eindeutige Rollen (siehe oben) die insbesondere die Kunden - Lieferanten Anforderungen und Interaktionen forcieren. Sieben Komponenten, die man auch als Wissensgebiete bezeichnen könnte und drei Techniken „Produktbasierte Planung, Änderungssteuerungstechnik und Qualitätsprüfungstechnik", setzen Prämissen, um die Anforderungen des Kunden zu erfüllen.

Alle genannten Prozesse, Komponenten, Rollen und Techniken werden allerdings durch einen Parameter dominiert:

Der Business Case!
Der BC ist die alles bestimmende Maxime, die über die Initiierung und Fortführung eines Projekts entscheidet. So wird unter PRINCE2® die Involvierung des Projektleiters in den Business Case stark forciert, was für die Praxis in Deutschland dringend notwendig ist.

PMP®vom PMI
Die PMP® Zertifizierungsvorbereitung wird in der Regel auch als 5-Tageseminar angeboten. Die Prüfung erfolgt nach Anmeldung beim PMI in einem Prometriccenter. Diese Center existieren in mehreren größeren Städten Deutschlands. Die Zulassung erfordert allerdings 35 Ustd. Präsenztraining auf Basis des Pmbok® Guides sowie zwischen 4500 Stunden und 7500 Stunden Projektmanagementerfahrung, abhängig vom jeweiligen Bildungsabschluss.

Der PmBok Guide, das zentrale Dokument dieser Qualifizierung, teilt sich in zwei große Bereiche. Einen Bereich könnte man als PMI-Philosophie bezeichnen, die den Projektmanagementrahmen, die Prozesse und das Integrationsmanagement (eigentlich in den 2. Bereich gehörend, da es sich um ein Wissensgebiet handelt, aber ziemlich einzigartig durch PMI dokumentiert wird) beinhalten.

Es existieren 5 Prozessgruppen, die den Projektmanagementlebenszyklus beschreiben. Innerhalb der 5 Prozessgruppen sollten auf der Zeitachse (im Rahmen der Phasen) die von PMI 42 vorgeschlagenen Prozesse sinnvoll in den Projektlebenszyklus integriert werden. Es können auch Prozesse gestrichen oder zusammengefasst werden, je nach Komplexität des Projekts. Das eigentliche Prozessmodell, muss der Projektleiter jedoch selber zimmern.

Der zweite Bereich umfasst die Wissensgebiete (z.B. Terminmanagement, Kostenmanagement, Risikomanagement etc.), die relativ allgemeingültig in allen Anwendungsbereichen verwendet werden und auch in den meisten Projektmanagementschulen etabliert sind. Die Wissensgebiete sind stark mit den Prozessen assoziiert. Jeder Prozess enthält nicht nur Input und Output, sondern auch Werkzeuge und Methoden.

Das Wissen um die Werkzeuge und Methoden macht das Wissensgebiet aus. So umfasst das Kostenmanagement z.B. den Prozess „Steuerung der Kosten". Eine Methode ist das „Earned Value Management", daß Kennzahlen zur Verfügung stellt, anhand deren Prognosen erstellt werden und ein Projekt gesteuert werden kann.

Der zu zertifizierende Projektleiter lernt also alle Prozesse mit ihren Werkzeugen und Methoden kennen. Außerdem lernt er, welchen Input die Prozess benötigen um anhand der Werkzeuge und Verfahren einen neuen Output zu erzeugen.

Usibility der beiden Zertifikate für Projektleiter in der Praxis
Obwohl es sich bei beiden Zertifikaten um personenbezogene Zertifikate handelt, ist PRINCE2® davon abhängig, ob das Unternehmen des Projektleiters den PRINCE2®-Rollout vollzogen hat. Nur dann kann der Projektleiter sein Wissen anwenden. Im Vordergrund der PRINCE2® Zertifizierung steht das Prozessmodell. Die Komponenten (Wissensgebiete) und Techniken sind stark auf dieses Prozessmodell fokussiert und von daher nicht so breit anwendbar und angelegt wie die Wissensgebiete vom PMP®.

Vorteil PRINCE2®: Wenn das Unternehmen PRINCE2® anwendet, verfügt der Projektleiter und alle zertifizierten Mitarbeiter über eine Projektumgebung, die funktioniert wie ein Uhrwerk. Das stringente Prozessmodell hat sich über Jahrzehnte in vielen Projekten bewährt und ist in nahezu allen Anwendungsbereichen anwendbar.

Die PMP®-Zertifizierung dagegen bietet eigentlich kein echtes Prozessmodell. Es handelt sich eher um eine Auflistung sinnvoller (Good Practise) Prozesse mit deren Prozessbeschreibungen. In meinen Seminaren wird diese Vorgabe von der Projektleitern häufig vermisst. Das Modell muß der Projektleiter selbst basteln und über eigene Erfahrungen (assets) sukzessive optimieren.

Vorteil PMP®: Der Projektleiter verfügt über eine signifikante Methodenkenntnis, die in allen Projekten anwendbar ist und international Anwendung findet.

Fazit:
Für welche Zertifizierung sollte man sich entscheiden

Der Text oben implizierte schon, „die Frage stellt sich eigentlich nicht". Sicher ist, daß der PMP® eine signifikante Rolle bezogen auf die Werkzeuge und Methoden des Einzelprojekts beinhaltet. Auch ein PRINCE2® Projekt benötigt diese Skills, fokussiert aber die Ausbildung auf ein stringentes Prozessmodell.

Welche Zertifizierung für den Projektleiter im Einzelfall die bessere Wahl darstellt, ergibt sich aufgrund der Ziele, Umgebungsbedingungen und Methodenkenntnisse.

Unternehmen allerdings, die ihren Reifegrad im Projektmanagement anheben wollen, sind gut beraten, beide Modelle miteinander zu kombinieren. Der PMP® bietet signifikante unverzichtbare Methodenkenntnisse, PRINCE2® dagegen bietet ein erprobtes, stringentes Vorgehensmodell, daß in kurzer Zeit auf jedes Projekt projiziert werden kann. Die Prozesse des PMP® lassen sich auf die Prozesse des PRINCE2® Modells matchen.

Renee Ossowski; Projektmanagementtrainer
www.eustress.de

 
 
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