Produktdesign in seiner besten Form
Es gibt häufig Verwirrung und Verwechslung zwischen den Begriffen Produktdesign, Industriedesign und Industrial Design im Speziellen. An dieser Stelle sollen einmal die Grenzen und Gemeinsamkeiten der einzelnen Begriffe näher erläutert und festgestellt werden, ob es überhaupt Unterschiede gibt. Bei allen drei Begriffen handelt sich um alternative Bezeichnungen für das deutsche Wort Produktgestaltung. Produktgestaltung stammt aus der Zeit des Bauhaus und der Ulmer Hochschule für Gestaltung, HFG Ulm, die im vergangenen Jahrhundert führend waren in der Ausbildung und Ausprägung der industriellen Formgestaltung. Das Wort Industriedesign ist die wörtliche Übersetzung des im Amerikanischen geläufigen Wortes Industrial Design. Es kennzeichnet die Gestaltung industriell hergestellter Erzeugnisse in Abgrenzung zu den handwerklichen oder künstlerisch hergestellten Erzeugnissen.
Während der Begriff Industriedesign von den führenden deutschen Designhochschulen, zum Beispiel der Essener Folkwanghochschule, oder der Bergischen Hochschule in Wuppertal gebraucht und gelehrt wurde und wird, ist das Wort Produktdesign häufiger bei den Deutschen Fachhochschulen zu finden. Es liegt die Vermutung nahe, dass die von den Hochschulen benutzte Benennung daher eher wissenschaftlich orientiert ist, während die bei den Fachhochschulen gebräuchliche Form der praxisorientierte Begriff ist. Dem ist aber nicht so - hier wird deutlich, dass es sich bei den Wörtern eher um Synonyme handelt, als tatsächlich um unterschiedliche Bedeutungen und Inhalte. Klarer wird das ganze, wenn man es anhand von Beispielen aufzeigt. Produktdesign würde man zum Beispiel zur äußeren Gestaltung eines Gebrauchsgegenstandes oder eines Einrichtungsgegenstandes sagen. Demgegenüber wird die Gestaltung von Investitionsgütern, also im professionellen und industriellen Bereich eingesetzten Produkten, häufig mit dem Wort Industriedesign belegt. Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch Konsumgüterdesign damit gemeint sein könnte.
Im Spannungsfeld der Bereiche Marketing, Technik und Design, das häufig als Dreieck dargestellt wird, soll das Design eine moderierende Funktion übernehmen. Der Designer wird allgemein als Generalist angesehen, der mit den benachbarten Disziplinen, dem Ingenieur und dem Marketingfachmann eine Kommunikationsschnittstelle bilden soll. Hieraus wird auch deutlich, dass auf Grund der unterschiedlichen Disziplinen auch unterschiedliche Bezeichnungen existieren.
In einem ganz anderen Kontext muss man die Doppeldeutigkeit des Begriffs Design sehen. Diese rührt aus der englischen Sprache her, wo Design Konstruktion bedeutet. Design wird in der englischen Sprache sehr umfassend gebraucht und führt deshalb öfters zu Verständnisproblemen in internationalen Produktentwicklungs-Projekten. Designprojekte sind in diesem Zusammenhang auch öfter von Kommunikations-Problemen betroffen. Der englische Ingenieur meint mit Design alles was von der Idee über das Konzept bis hin zur Konstruktion reicht. Der deutsche Ingenieur hingegen versteht es als eine spezielle Disziplin der Gestaltung, die abgetrennt von dem Engineering und diesem gleichberechtigt gegenüber steht.
Betrachtet man die Servicekomponente, also Gestaltung als Dienstleistung, so findet man alle oben aufgeführten Begriffe sowohl im Internet als auch in der einschlägigen Literatur als Synonyme für die kreative Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, mit dem Produkt. Neuerdings gehört zum Designbereich auch die Ergonomie oder Gebrauchstauglichkeit, neudeutsch Usability, die eine immer größere Bedeutung annimmt. Weitere interessante Aspekte der Produktgestaltung als kreativer Dienstleistung, erhält man auf einschlägigen Seiten bekannter Designagenturen oder Designbüros.
Siehe auch:
Mockup, Prototyp und Designmodell im DesignprojektAutor Markus Wild