Es gibt unterschiedliche Gründe, die Eltern dazu veranlassen, ihr Kind auf einer
Privatschule unterrichten zu lassen. In der Regel geschieht dies aufgrund von Skepsis hinsichtlich des öffentlichen Schulwesens - zum Beispiel überfüllter Klassen und Unterrichtsausfalls - aber auch die Förderung besonderer Fähigkeiten kann ein Beweggrund für diese Entscheidung sein. Wenn Eltern ihr Kind auf eine private Schule oder ein Internat schicken, geben sie jedoch nicht nur die schulische Ausbildung, sondern zu einem Teil auch die Erziehung ihrer Kinder in fremde Hände. Aus diesem Grund ist diese Entscheidung mit größter Sorgfalt zu treffen.
Privatschulen bieten eine anspruchsvolle, wenngleich in der Mehrzahl konventionelle Unterrichtung der Schüler durch qualifiziertes Fachpersonal. Vorteile bestehen in kleinen, überschaubaren Klassen, die den Einsatz vielfältiger Methoden erlauben, und der Möglichkeit differenzierter Gruppenbildung mit dem Ziel der Förderung individueller Stärken und Fähigkeiten. Diese Umstände erlauben natürlich auch eine spezifische Auseinandersetzung mit den Problemen jedes einzelnen Kindes. So wird die Integration von "Außenseitern" mit hohem pädagogischem Ethos vorangetrieben und das soziale Miteinander grundsätzlich thematisiert. Persönlichkeitsmerkmale wie Toleranz und soziale Verantwortung, aber auch Kritikfähigkeit und Nonkonformismus mit dem Ziel der Selbständigkeit werden so im positiven erziehungswissenschaftlichen Sinne geformt. Der Ausbildung von Selbstwertgefühl und der Persönlichkeitsbildung der Schüler wird ein klarer Stellenwert beigemessen.
Privatschulen und
Internate zeichnen sich oftmals durch eine gewisse Traditionsverbundenheit aus, deren Kehrseite sich zuweilen in einer gewissen Hilflosigkeit gegenüber gesellschaftlichen Phänomenen zeigt, die nicht in das bildungsethische Konzept passen. Die rasante Entwicklung im Bereich neuer Medien beispielsweise ist eine Erscheinung, der weder von Schulen noch Schülerinnen und Schülern allein begegnet werden kann. Hier ist ein Beharren auf dem eigenen pädagogischen Denkansatz eher kontraproduktiv. Ein zu hoher pädagogischer Anspruch und die Überbetonung des Erziehungsbegriffes führen mitunter dazu, dass neuere Erkenntnisse z.B. der pädagogischen Psychologie nicht wahrgenommen bzw. umgesetzt werden.
Die Einschätzung vieler Eltern, dass ihrem Kind nur eine Privatschule das notwendige Rüstzeug für ein erfolgreiches Erwachsenenleben vermitteln kann, ist eher subjektiv. Die Entscheidung darüber ist aus diesem Grund besonders selbstkritisch zu treffen, wobei
Privatschulen Ratgeber im Internet eine zusätzliche Hilfestellung leisten können. Starke Kinder sind nicht nur das Ergebnis pädagogischer Einzelkonzepte - und starke Kinder bedeuten eine starke Zukunft.
Corinna Friedrich geb. Wienert