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Politiker im Internet

Autor: webreporter | Erstellt am: 05.05.2009 | Gelesen: 1157
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lacht in roter Bluse von ihrem Profil-Foto. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gibt sich in schwarzem Anzug und mit süffisantem Lächeln staatsmännisch.

Seit Ende April lässt die Online-Plattform StudiVZ Profile von Politikern, hier Bundeskanzlerin Ange
Seit Ende April lässt die Online-Plattform StudiVZ Profile von Politikern, hier Bundeskanzlerin Ange
Berlin (dpa) - Der Wahlkampf hat auch Deutschlands bekanntestes soziales Netzwerk studiVZ erreicht. Mit neuen Profilen präsentieren sich dort die Politiker und Parteien, von einer «Wahlzentrale» sollen die Nutzer schnell den Weg zu ihnen finden. Merkel bringt es auf fast 9300 Unterstützer, Steinmeier derzeit auf rund 2800.

Fünf Monate vor der Bundestagswahl und nur einen vor der Europawahl am 7. Juni verstärken Politiker ihr Engagement im Internet. «Wir haben - wie alle anderen auch - den Obama-Wahlkampf natürlich verfolgt», sagte SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel beim «politcamp09» (2. bis 3 Mai) in Berlin. Der US-Präsident hatte im Internet eine eigene Plattform («MyBO»), um Anhänger zu mobilisieren, und nutze auch das soziale Netzwerk Facebook sowie den Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Und so sammeln Wasserhövel und seine Politiker-Kollegen ebenfalls auf Facebook und bei Twitter (Englisch für «Zwitschern») fleißig Unterstützer und «Follower», die sie an ihren politischen oder auch privaten Aktivitäten teilhaben lassen. Bei studiVZ erfährt man zum Beispiel über Merkel auch, dass sie auf Gartenarbeit steht, die Beatles, Karat und den Film «Jenseits von Eden». Steinmeier mag Fußball, Jazz und «Die Blechtrommel» von Günter Grass.

«Viele Politiker twittern eher Unpolitisches wie 'Ich esse jetzt eine Bratwurst', anstatt über Politik aufzuklären», kritisierte Markus Beckedahl, prominenter Blogger bei «netzpolitik.org». Zeit hätten die Politiker schon, um das Internet sinnvoll zu nutzen, argumentiert er. «Es gibt genug Kandidaten, die stundenlang mit dem Zug zu irgendeinem Kreisverband fahren, wo sie zehn Parteimitglieder überzeugen wollen, die sie sowieso wählen.» Er empfiehlt ihnen, Zeit in ein Blog zu investieren, in dem sie sich mit Interessierten auseinandersetzen und politische Diskussionen führen. Das sei in Deutschland aber bislang noch nicht passiert. Vor rund zwei Wochen twitterte Wasserhövel: «Im ICE mit Müntefering auf dem Weg zur Veranstaltung 'Das Neue Jahrzehnt' in Münster.»

Neues Interesse an Politik weckten solche Botschaften nicht, sagt Beckedahl. «In der Regel kommen Politiker im Internet noch langweiliger rüber als im Fernsehen.» Auch der Online-Wahlkampfleiter der Grünen, Robert Heinrich, räumte beim politcamp09 ein: «Wir alle wissen ja, dass Partei-Seiten nicht unbedingt spannend sind - zumindest nicht von Geburt an.» Das solle sich bis zur Wahl aber noch ändern: Über das Internet könnten ganz andere Öffentlichkeiten erreicht werden - das werde den Kandidaten so langsam auch klar.

Thomas Scheffler von der FDP kündigte «Überraschendes» an und Wasserhövel betonte, sein Spitzenkandidat Steinmeier sei «insgesamt online-affiner» als Ex-Kanzler Gerhard Schröder. «Gerd Schröder ist immer einer gewesen, der sich das Handy hat reichen lassen. Er hatte andere Qualitäten.»

Ein Problem allerdings bleibt: Die Sicherheit. Während in Berlin Internet-Freunde noch über die Chancen des Online-Wahlkampfes debattierten, wurde der Twitter-Account der CDU gehackt. Unbekannte verbreiteten unter dem Absender Nachrichten, als Profilbild wählten sie ein manipuliertes Foto von Generalsekretär Ronald Pofalla mit blauem Auge und Zahnlücke.

«Wahlkampf im Internet ist eine Stilfrage. Aber das geht zu weit», sagte der Marketing-Chef der CDU, Oliver Röseler. Eine solche Aktion trage sicher nicht dazu bei, Twitter als politisches Medium zu etablieren. «Das macht es mir schwer, in der Partei zu erklären, warum Angela Merkel twittern sollte», meint Röseler. Die Kanzlerin lehne es bislang noch ab, im Internet zu «zwitschern».
 
 
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