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Politik als Ego-Shooter

Autor: akellner | Erstellt am: 13.01.2011 | Gelesen: 563
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Arizona: Nachladen statt Nachgeben in den USA

Politik als Ego-Shooter
Politik als Ego-Shooter

Politik als Ego-Shooter

Nach dem Attentat auf die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords mit bisher sechs Toten, schlagen die Diskussionen um den Umgang zwischen den politischen Kräften in den USA und den Zustand dessen, was man gemeinhin "politische Kultur" nennt, hohe Wellen. Der Weg von der Politik zum Ego-Shooter, dem Computerspiel, in dem der Spieler zum permanenten Attentäter wird, scheint in der ältesten Demokratie der Welt zur Zeit nicht weit.

Nachladen statt Nachgeben in den USA

Wer aus deutscher Perspektive die Wahlkämpfe und innenpolitischen Debatten in den USA der letzten zwei Jahre verfolgt hat, kommt aus dem Staunen, der Verwunderung und auch dem Unbehagen kaum mehr heraus. Entgegen der Situation hierzulande, in der eigentlich niemand so genau sagen kann, wer in der Politik für was genau eigentlich steht, geht es im Land jenseits des Atlantiks offenbar ständig um Grundsätzliches. Die Benennung einer staatlichen Gesundheitsvorsorge ("Obama-Care") als Sozialismus mag noch einer ungenügenden Begriffskenntnis zugeschrieben werden, dass der Präsident - auf der Straße oder vom politischen Gegner - wahlweise oder auch gleichzeitig mit Stalin und oder Hitler verglichen wird, stimmt schon nachdenklicher.

Der politische Gegner im Fadenkreuz

Sarah Palins Aufruf "Reload, not Retreat" (Nachladen statt Nachgeben"), mit dem sie unter dem Jubel der neo-republikanischen Tea-Party-Bewegung und anderer rechtskonservative Gesinnter Stimmung gegen Obamas Gesundheitsreform machte, mag irgendwie noch als "Normalpopulismus" in einem schießwütigen Land durchgehen. Die Landkarte der Vereinigten Staaten auf ihrer mittlerweile natürlich eiligst bereinigten Website aber, die überall dort, wo besonders unliebige demokratische Politiker in Amt und Würden sind, kleine Fadenkreuze trägt, hebt die Auseinandersetzung endgültig auf eine andere Ebene.

Der Ego-Shooter als politische Strategie?

Natürlich ist die Linie von einer Abbildung auf einer Internetseite bis zum Schuss eines Attentäters eine zu direkte. In einem Land aber, in dem in den meisten Gegenden jeder und jede ohne Aufwand oder Kontrolle Waffen kaufen und tragen darf, in dem das politische Attentat in den letzten 150 Jahren außerdem immer wieder die politische Landschaft veränderte, ist eine solche Landkarte gelinde gesagt erstaunlich. Ob der Attentäter nun geistesgestört war oder nicht, ist dabei nicht der entscheidende Punkt. Wenn eine gewisse Form der Brandmarkung des politischen Gegners als "Feind der Nation", des "Volkes", etc. (ein Blick in die Geschichtsbücher lohnt hier wieder einmal!) erst einmal etabliert ist, muss man sich nicht wundern, wenn es Tote gibt - zumal wenn die Machtmittel des Ego-Shooters, Waffen und Munition, frei verkäuflich sind.

Hier von "billigend in Kauf nehmen" zu sprechen ist nicht unberechtigt. Und von dort zum Ego-Shooter als politische Strategie ist es nur noch ein kleiner Schritt.

Andreas Kellner
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