Lebenszyklus moderner Telekommunikationsnetze
Mit der zunehmenden Nutzung des Internets steigen nicht nur die Anforderungen an die Verfügbarkeit der Netze, sondern auch die Erwartungen hinsichtlich der Übertragungsgeschwindigkeit sowie der Übertragungsverzögerung (Delay). Die Entwicklung und Verbreitung von leistungsstarken Endgeräten mit immer schnelleren Prozessoren, immer mehr Speicher und immer besseren Graphikmöglichkeiten hat dazu geführt, dass auch die genutzten Applikationen stets dynamischer, interaktiver und bandbreitenhungriger werden. Ein Beispiel hierfür ist das interaktive Fernsehen mit hochauflösender Graphik, das sich mit einem Bandbreitenbedarf von bis zu 25 Mbit/s inzwischen fest etabliert hat.
Es besteht demzufolge ein direkter Zusammenhang zwischen der Leistungsfähigkeit der Endgeräte und insbesondere der graphischen Displays und dem Bandbreitenbedarf moderner Anwendungen. Das bekannte Moor'sche Gesetzt, nach dem sich die Leistung moderner Prozessoren und Speicherbausteine ungefähr alle zwei Jahre verdoppelt, lässt sich in verschärfter Form auch auf die Entwicklung der Übertragungsgeschwindigkeiten moderner Datennetze anwenden. Betrachtet man die Entwicklung im Telekommunikationsbereich der vergangenen Jahre, so läßt sich eine Zunahme der Übertragungsgeschwindigkeiten in der Größenordnung einer Zehnerpotenz in Abständen von zwei bis drei Jahren beobachten:
- 1997: Analogmodems mit 9,2 bzw. 14,4 bzw. 28,8 kbit/s
- 1999: ISDN mit 64 bzw. 128 kbit/s
- 2004: ADSL mit 1 Mbit/s
- 2007 Jahren: VDSL mit 20 Mbit/s
Die gleiche Entwicklung lässt sich mit einiger Verzögerung auch im Mobilfunkfunk beobachten:
- 1998: GSM mit 9,6 kbit/s
- 2000: GPRS mit 32 kbit/s
- 2004: UMTS mit 384 kbit/s
- 2007: HSDPA mit 7 Mbit/s
Dabei ist jedoch deutlich festzustellen, dass sich der Rückstand zum Festnetz immer weiter verringert. Schon jetzt ist mit vierten Mobilfunkgeneration (LTE: Long Term Evolution) ein weiterer Schritt mit Übertragungsgeschwindigkeiten von theoretisch bis zu 100 Mbit/s vorgezeichnet.
Mit der absehbaren Entwicklung noch leistungsstärker dreidimensionaler Displays wird dieser Trend auch in den kommenden Jahren anhalten und sich weiter verschärfen.
Der beschleunigte Trend zu höheren Übertragungsbandbreiten wird gleichzeitig zu immer kürzeren Technologiezyklen führen. Neue Technologien werden in immer kürzeren Zeitabständen aufeinander folgen. Die Netzbetreiber stehen daher in gleich in zweierlei Hinsicht vor enormen Herausforderungen. Einerseits sind mit der Einführung neuer Netztechnologien stets enorme Investitionen und laufende Betriebskosten verbunden, so dass sich aufgrund des verkürzten Finanzierungszeitraums das finanzielle Risiko erhöht.
Andererseits stehen die Netzbetreiber zunehmend vor dem Problem, dass die Einführung einer Netztechnologie in etwa so lange dauert, wie die Hersteller mit der Entwicklung einer Nachfolgetechnologie benötigen. Mit anderen Worten: Eine neue Netztechnologie ist schon veraltet, sobald sie sich im Betrieb befindet. Die Netzbetreiber müssen daher parallel mehrere Netztechnologien unterstützen, die sich jeweils in verschiedenen Lebensphasen befinden. Dies erfordert einen erhöhten Personalaufwand mit zunehmendem Spezialwissen (Know-How) und führt zu einer gesteigerten Komplexität.
Der Beitrage "Planung, Aufbau und Betrieb moderner Telekommunikationsnetze", der in der Novemberausgabe von der Fachzeitschrift WissenHeute erscheint,zeigt, mit welchen Maßnahmen Netzbetreiber die hohen Anforderungen an die Netzqualität umsetzen und wie sie den Herausforderungen verkürzter Technologiezyklen begegnen können.
Der Beitrag kann in Kürze unter
www.modakom.de oder
www.stefanus-roemer.de eingesehen werden.