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Pisa Deutschland - Armes Deutschland

Autor: ArneFrentzel | Erstellt am: 01.04.2009 | Gelesen: 2726
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: rateArateArateArateArateB
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(Online-Artikel.de) - Deutschland knausert bei der Bildung und bezahlt teuer dafür

Pisa Deutschland
Pisa Deutschland
Seit der Pisa I-Studie wird in Deutschland heiß diskutiert. Teils sachlich, teils emotional melden sich allerorts selbsternannte Fachleute vor allem aus Politik zu Wort. Allen gemein ist eines. Irgendetwas läuft schief in unserer Schule. Wir sind nur noch Mittelmaß. Für die erfolgsverwöhnten Deutschen eine nur schwer zu schluckende Kröte.

Nachdem eine hochrangige Kommission samt Begleitstab im Privatjet der Bundesregierung nach Finnland, einem Pisamusterstaat, gereist war – der Blick ins Internet hätte es auch getan - wurden auf Ministerialebene eine Flut von Bestimmungen und Anweisungen erlassen, die in den Schulen umgesetzt werden mussten. Für die Schulen bedeutete das ein nicht enden wollender Diskussions- und Konferenzmarathon in den folgenden Jahren.

Pisa II hat gezeigt, dass es tatsächlich wieder aufwärts geht mit den Deutschen. Doch wirklich zufrieden ist man mit den Ergebnissen nicht.
Was hatte sich seit Pisa I verändert. Wir haben das Einheitsabitur und Vergleichsarbeiten in den Kernfächern der Mittelstufe. Nicht wirklich viel. Ein Großteil der Vorschnellanweisungen vor allem zur Didaktik und Methodik wanderte wegen Nutzlosigkeit wieder in den Aktenmüll.

Doch eine Sache hat sich seit Pisa I tatsächlich gewandelt. Bildungsfragen rücken wieder in den Mittelpunkt. Achtlose Äußerungen wie des einstigen Bundeskanzler Schröder, der als Ministerpräsident von Niedersachsen die gesamte Lehrerschaft mit „faulem Pack" abstempelte, hört man heute nicht mehr. Ganz im Gegenteil, wird von Ministerien intensiv wieder dafür geworben, den Lehrerberuf zu wählen.

Doch warum sind unsere Pisa-Ergebnisse so ernüchternd? Wo liegen die Ursachen? Hat die klassische Dreiteilung: Gymnasium, Realschule und Hauptschule wirklich ausgedient?

Schauen wir auf unsere Nachbarn. Eines fällt immer auf. Die deutschen Schulklassen haben deutlich höhere Schülerzahlen. Niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass vernünftiges Arbeiten in Hauptschulklassen mit 25 oder mehr Schülern praktisch unmöglich wird, v.a. in Ballungsräumen. In Gymnasien sind mehr als 30 Schüler die Regel. Da hilft es auch wenig, wenn der finnische Kultusminister von der besonderen Eignung zum "Lehrer sein" spricht. Warum lässt man nicht einfach einen finnischen Lehrer für ein Jahr in einer deutschen Hauptschule arbeiten?

Man kann sicher sein, dass dieser nach einem Jahr mit voller Freude und einem gewaltigen Alptraum im Gepäck wieder zurück in seine Heimat geht. Nicht, weil er die Deutschen nicht mag. Nein, aber weil auch er mit der Situation an der Schule zumindest Schwierigkeiten hatte.

Von Lehrern wird erwartet, nicht erst seit dem Attentat vom 11.3.09, sich stärker mit Schülern auseinanderzusetzen, sich in diese hineinzuversetzen, um auch gegebenenfalls private, mentale und psychische Probleme zu erkennen. Nicht nur, dass hiermit dem Lehrer Aufgaben aufgebürdet werden, die er großenteils gar nicht leisten kann. In übergroßen Klassen ist er zudem noch weniger imstande über den Unterricht hinausgehende Aufgaben zu verrichten.

Was wird in Deutschland unternommen, um die Bildung an den Schulen zu verbessern? Bundeskanzlerin Merkel hat die mit eigenen Worten titulierte "Bildungsoffensive" im Herbst 2008 eingeleitet. Eine hochrangige Kommission sollte gebildet werden, sich ein Jahr zusammensetzen und konkrete Vorschläge ausarbeiten. Freilich, brauchen wir wirklich diese Kommissionen? Oder brauchen wir gar einen neuen Typ von Lehrer? Brauchen wir überhaupt all diese Diskussionen, die in unserem Lande seit Jahren geführt werden?

Warum fragt man nicht einfach die, die es am besten wissen, die Lehrer? Jeder wird ernüchtert sagen, dass man viel bessere Ergebnisse in kleineren Klassen erzielen kann, in Klassenstärken, die in etwa denen unserer Nachbarn und Pisavorbildern entsprechen. So hat die Tessiner Mittelschulklasse, unserer Sekundarstufe I entsprechend, im Schnitt etwa 18-23 Schüler. Und es gibt die Dreiteilung nicht. Ähnlich ist es in Finnland und allen Ländern mit besseren Pisaergebnissen.

Die Arbeitsbedingen sind weitaus besser, als es in hiesigen Schulen der Fall ist. Mal abgesehen davon, dass es bei unseren Nachbarn nicht diese große Zahl an Emigrationskindern mit den bekannten Schwierigkeiten gibt. Auch ist die Zahl der Kinder aus sozial schwachen Familien deutlich geringer. Nicht zuletzt hat zudem die antiautoritäre Erziehung ihre Spuren in den Schulen hinterlassen.

Da erstaunt es schon, dass bisher niemand aufgrund der schlechten Ausgangsbedingungen hierzulande die Frage nach der Gründen der trotzdem noch relativ guten Ergebnisse stellt. Eigentlich sollte man die Pisa-Studien als Anlass nehmen, die besondere Qualität der deutschen Schulausbildung herauszustellen. Unter den gegebenen Verhältnissen erreichen wir ein Maximum! Aber unsere deutsche Mentalität sieht eben gerne immer "schwarz".

Eine Verbesserung im internationalen Ranking wird nur über eine Veränderung der Fokussierung auf das Lernumfeld möglich sein. Das kann nur heißen: deutlich kleinere Klassen. Wir brauchen mehr Lehrer und das kostet Geld, zusätzlich 10 -15 Mrd. Euro jährlich, nur für die Primar- und Sekundarstufe I. Doch anstatt entschlossen zu handeln, wie wir es in den letzten Monaten in der Wirtschaft erlebt haben, verzettelt sich die Bildungspolitik in endlosen Diskussionen. Sie zögert, diskutiert und verschleppt das Problem.

Steckt da etwa Absicht dahinter? Schließlich sind die Kosten für hochbezahlte Kommissionen weitaus geringer, als wenn man bundesweit 15.000 Lehrer zusätzlich einstellen würde. Ergebnisse sind da letztendlich zweitrangig. Man zeigt Tatkraft und das zählt in der Politik. Eher kleinlaut wurde die "Bildungsoffensive" Anfang des Jahres erst einmal verschoben.

Leider hilft das Schulen, jetzigen Schüler- und Lehrergenerationen wenig. Sie müssen ausbaden, was man, so hat es den Anschein, unter allen Umständen verhindern will: Eine Angleichung der Bildungsausgaben an europäische Standards, denn das ist gleichbedeutend mit deutlich höheren Ausgaben.

ArneFrentzel
www.arnefrentzel.de.tl
 
 
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comment Kommentare von Besucher !

Gepostet von Marco am 03.04.2009
Hallo Arne
Ein sehr interessantes Artikel!

@Armin
da bin ich mir nicht so sicher. Bestimmt ist der eine oder andere Politiker auch im Internet unterwegs ;)

Gepostet von Armin am 02.04.2009
Wie wahr, wie wahr!!! Schade, dass dein Artikel von Politikern nicht gelesen wird.







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