Weibliche Hormone in Pflanzen? Als hätten wir nicht schon genug bedenkliche Zusätze in Nahrungsmitteln, könnte man denken. Doch die von Pflanzen produzierten Substanzen, die eine dem weiblichen Geschlechtshormon ähnliche Wirkung haben, besitzen, im Gegensatz zu den meisten künstlich zugesetzten Stoffen in Lebensmitteln, einen gesundheitsfördernden Einfluss. So gesundheitsfördernd, dass die
Phytoöstrogene in Großbritannien einem Brot mit Namen Lady Laib zugesetzt werden, das dort, reißenden Absatz findet.
Dieses phytohormonhaltige Brot soll Frauen von den typischen Wechseljahrsbeschwerden befreien, ein interessanter Punkt für die Frauengesundheit. Zu den Phytoöstrogenen gehören die so genannten Lignane und Isoflavone, die wie die Flavonoide zu den Polyphenolen gerechnet werden, jedoch eine spezielle Wirkung haben. Isoflavone kommen vor allem in Hülsenfrüchten, insbesondere der Sojabohne, aber auch in Linsen, Kichererbsen, Bohnen und Erbsen vor.
Die Lignane sind sehr weit verbreitet im Pflanzenbereich. Sie sind eng verwandt mit den Ligninen, die für die Aushärtung von Zellwänden verantwortlich, und hauptsächlich im Pflanzenholz zu finden sind. Auch Lignane kommen vor allen Dingen in den härteren Randschichten von Getreide, Hülsenfrüchten und ölhaltigen Samen vor. Besonders hervorzuheben ist hier der Leinsamen. Auch in anderem ballaststoffhaltigen Gemüse, wie zum Beispiel den verschiedenen Kohlsorten, sind Lignane in größeren Mengen enthalten.
Wozu benötigen Pflanzen eigentlich östrogenartige Substanzen, könnte man sich fragen. Eine Möglichkeit wäre hier, dass zum Beispiel die Fortpflanzung von Fraßfeinden der Pflanzen über die Hormonaufnahme reguliert werden könnte. Beispielsweise könnten die Phytoöstrogene der Pflanze, mit den Östrogenen des Tieres, in dessen Organismus konkurrieren, deren Wirkung vermindern und so zu einer geringeren Fruchtbarkeit des Tieres führen. Dies wäre unter Umständen bei Vögeln und kleineren Säugetieren möglich.
Beim Menschen dürfte ein Einfluss auf die Fruchtbarkeit durch Phytoöstrogene allerdings nicht zu erwarten sein, da einfach die Konzentration an Phytoöstrogenen bei einer normalen Ernährungsweise zu gering gegenüber der des körpereigenen Östrogens wäre. Auf der anderen Seite gibt es einige Pflanzen, die Hormone herstellen, die dem menschlichen Östrogen nicht nur in der Wirkung, sondern auch chemisch sehr ähnlich sind. Dazu gehören die Dattelpalme, der Granatapfelbaum und die mexikanische Yams Wurzel.
Diese Pflanzen wurden in der Volksmedizin früher tatsächlich als Empfängnisschutz oder gegen Menstruationsstörungen verwendet. Abgesehen von ihrer Hormonwirkung, bieten Phytoöstrogene auch einen Schutz vor Dickdarmkrebs. Wie die Saponine und Phytosterine können Phytoöstrogene die Gallensäuren, die aus Cholesterin gebildet und für die Fettverdauung benötigt werden, im Darm binden und wirken somit unterstützend beim
Abnehmen und Gewicht verlieren. Zudem kann so die gefährliche Umwandlung von harmlosen primären Gallensäuren in krebserregende sekundäre Gallensäuren durch Darmbakterien seltener stattfinden.