Es gibt keinen typischen Verlauf des Burnout, doch haben sich inzwischen Fünf Hauptphasen herauskristallisiert. Wo finden Sie sich wieder?
I. Enthusiasmus
Es wird mit großem Idealismus und guten Vorsätzen an eine Tätigkeit heran gegangen. Die intensive Konzentration und Hingabe an nur einen Lebensbereich ist anfänglich sehr verführerisch, verschafft sie einem doch all die Erfolgserlebnisse, die man vermeintlich von aussen so braucht: Anerkennung, Erfolg und Dankbarkeit, um nur einige zu nennen.
Behandlung
In dieser Phase ist keine Behandlung erwünscht, nötig oder empfehlenswert.
II. Stagnation
Die angestrebten Fortschritte werden nicht erzielt, man reagiert zynisch. Gerade die Hingabe kann genau das Gegenteil hervorrufen, nämlich die Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse. Es häufen sich frustrierende Erlebnisse. Probleme bauen sich über längere Zeit auf und führen schließlich zum Abbau des Engagements, zuerst ersichtlich bei der Arbeit. Es entsteht Chaos, Kreativität ist nicht mehr möglich, die Leistungskurve sinkt deutlich nach unten und von Motivation ist plötzlich keine Rede mehr. Die erst so geliebte Arbeit wird auf Dienst nach Vorschrift reduziert.
Auch das Privatleben bleibt nicht verschont, Betroffene ziehen sich immer mehr zurück, pflegen kaum Freundschaften, trennen sich häufiger und vereinsamen. Emotionale Reaktionen können verstanden und angesprochen werden doch das ist nicht immer so leicht. Meist hat ein scheinbar harmloser Auslöser zur übermäßigen Desillusionierung geführt und man glaubt, deshalb wichtige Lebensziele aufgeben zu müssen. Dies ist emotional sehr schmerzhaft und kann oft nicht verarbeitet werden und verlagert sich unbewusst auf etwas, was aber die tatsächlichen Ursachen nicht widerspiegelt.
Die entstehende Aggression kann sich dann entweder andere oder sich selbst wenden und führt zu weiteren unangenehmen Gegenreaktionen. Betroffene fühlen sich hilflos, entwickeln Schuldgefühle und ihr Selbstwertgefühl schrumpft rapide. Dann kommt es häufig zur Ablehnung hilfreicher Veränderungen und zu Wutausbrüchen. In diesem Stadium können Probleme meist noch erfolgreich gelöst werden.
Behandlung
In dieser Phase kann man noch gut umschwenken, kann Warnsignale hören und darauf reagieren. Erste Schritte können Entspannungstechniken sein sowie Selbsthilfetechniken, in denen man sich bewusst wird, wo und wie die Probleme entstehen. Allerdings sind die meisten Betroffenen erst dann wirklich behandlungwillig, wenn es noch viel schlimmer wird und sie sich wirklich nicht mehr selbst helfen können!
III. Frustration
Man ist unmotiviert, sich neue Ziele zu stecken und häufig fehlt auch das Bewusstsein für seine eigene Situation und steckt seine Ziele immer noch höher, im Irrglauben mit noch mehr Druck mehr zu erreichen.
Der Abbau ist merklich nicht nur bei der Arbeit, sondern auch generell im Alltag nicht mehr aufzuhalten, man gerät in eine Art Hamsterrad frustrierter Gedanken und wird spürbar gleichgültiger, einsamer, desinteressierter und unkonzentrierter, hat Probleme bei sozialen Kontakten, leidet unter geheimen Verlustängsten oder sucht ständig nach neuen und interessanteren Kontakten.
Behandlung
In dieser Phase kann man noch gut umschwenken, kann Warnsignale hören und darauf reagieren. Erste Schritte können Entspannungstechniken sein sowie Selbsthilfetechniken, in denen man sich bewusst wird, wo und wie die Probleme entstehen. Da es oft sehr an Selbst-Diziplin zum guten Umgang mit sich selbst mangelt, sind hier Kurse und Gruppen oder Einzelgespräche ein guter Ansatz, damit man die Termine für sich auch wirklich einhält.
Leider sind die meisten Betroffenen erst dann wirklich behandlungwillig, wenn es noch viel schlimmer wird und sie sich wirklich nicht mehr selbst helfen können und kaum noch glauben, dass man ihnen helfen kann!
IV. Apathie
In der Phase wirken die Betroffenen äußerst phlegmatisch und können sich selbst zu nichts mehr antreiben, weder beruflich noch privat. Hier sind auch erste körperliche Anzeichen von Erschöpfung sichtbar.
Charakteristische Merkmale sind körperliche und emotionale Erschöpfung, anhaltende Leistungs- und Antriebsschwäche, sowie Verlust der Erholungs-Fähigkeit und eine zynische, abweisende Grundstimmung gegenüber Kollegen, Klienten und der eigenen Arbeit.
Negative Gefühle sowie emotionale und physische Erschöpfung werden verdrängt, ein hoher Energieeinsatz zum Erreichen gewohnter Leistungen aufgebracht und chronische Müdigkeit verdrängt.
Man wird sich bewußt, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist und kann doch nicht entsprechend handeln. Begleitend treten gelegentliche grundlose Angst und beginnende körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen etc. auf. Frustration baut sich auf, die von der Erfahrung eigener Erfolg- und Machtlosigkeit sowie Problemen mit der Bürokratie und scheinbar mangelnder Anerkennung ausgelöst wird.
Im fortgeschrittenerem Stadium machen sich Gefühle breit wie Ärger, Unzufriedenheit, Gereiztheit und das Gefühl ausgenutzt und betrogen zu werden. Man versucht zu fliehen, z. B. durch Arbeitsplatzwechsel, oder in Drogen, Medikamente, es entwickeln sich Ess- und Verdauungsprobleme. Körperliche Beschwerden verstärken sich zunehmend.
Behandlung
In dieser Phase wird eine Behandlung notwendig, Intensivprogramme, Kuraufenthalte oder gezielte und Auszeiten von aus dem gewohnten Hamsterrad sind sehr zu empfehlen.
Hier ist die disziplinierte Anwendung von Entspannungstechniken Gruppentherapie und Einzelberatung unbedingt notwendig, da man es alleine kaum noch schafft.
V. Burnout
Die Erschöpfung wird immer häufiger spür- und sichtbar, der Zustand nimmt rapide zu. Im Stadium dieser Verzweiflung treten dann immer mehr Gefühle von Sinnlosigkeit, Versagen, Misstrauen auf, man erschöpft immer schneller, das Leben findet eher mechanisch und funktional statt, zieht sich zurück und verfällt in Apathie und Verzweiflung. Die Arbeit wird auf das Notwendigste reduziert, Veränderungen und Probleme werden möglichst gemieden. Dieses empfindungslose Stadium beginnt mit Symptomen extremer Gleichgültigkeit. Unmenschliches und Zynismus treten zutage, Schuldzuweisungen an die Umwelt nehmen zu, Angst nicht anerkannt zu sein und Desorientierung mehren sich unkontrollierbar.
Im terminalen Stadium verstärkt sich der Widerwillen gegen sich und andere und das ganze Leben. Man glaubt nicht mehr an Heilung, verliert alle Hoffnung auf Besserung. Oft wird hier die Fehldiagnose Depression gestellt, doch unterscheidet sich die Depression Burnout-Betroffener grundlegend von der üblichen Depression, die ja nicht aus der Euphorie entstanden ist.
Behandlung
In dieser Phase ist eine Behandlung unbedingt notwendig, Intensivbehandlungen, Kuraufenthalte oder gezielte und strukturierte Auszeiten von mind. 3-4 Wochen aus der quälenden Gedankenmühle sind unumgänglich.