Unter dem Titel "Ananke" hat der Schriftsteller Peter Fischer, Jahrgang 1943, aus dem thüringischen Suhl stammend, seinen ersten Lyrikband veröffentlicht. Der Autor bislang nur mit Einzelveröffentlichungen von Gedichten in diversen Zeitschriften hervorgetreten, gewann im Januar 2008 den Lyrikpreis der Literaturzeitschrift "Dulzinea"; Preisträger war im Vorjahr der in Berlin lebende Schriftsteller Lutz Rathenow.
Peter Fischer, der in den frühen siebziger Jahren in das Räderwerk der Stasi geraten und in politische Haft der DDR geraten war, wurde 1975 von der Bundesregierung freigekauft und lebte zunächst im westliche Teil Berlins, bis er nach Hamburg übersiedelte, wo er als Redakteur überwiegend im Bereich Feuilleton tätig war. Neben einem Sachbuch über die DDR (Kirche und Christen in der DDR) gab er seinen literarischen Einstieg mit dem Roman "Der Schein"(3.Auflage 2007), der von der Kritik, darunter auch in Frankreich und der Türkei, durchweg gelobt wurde. Der Roman, erster Teil einer Trilogie, beschreibt Kindheit, Jugend und die Konflikte mit dem SED-Regime im geteilten Deutschland auf äußerst subtile Weise.
Auch in seiner Lyrik bedient er sich auf exklusive Weise der Sprache und ihren unendlichen Bildern. Auch wenn sich der Autor mit kühl kalkulierter Weise in einem Teil seiner Gedichte den großen Denkmustern der Antike verpflichtet bleibt, versteht er es dennoch, sie mit dem Geschehen der Gegenwart auf eindringliche Weise zu verknüpfen und ihnen damit unmittelbare Aktualität zu verleihen. Damit wendet sich Peter Fischer zugleich auch gegen das immer noch umlaufende Vorurteil, die Lyrik der Moderne sei schwer verträglich, für den Laien unzugänglich und kaum ausdeutbar.
In "Kindheit I" reflektiert der Lyriker über den frühen Tod seines Vaters, der noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges gefallen war: "Der Winter schien lange Vorbei. Längst war auch an den Nördlichen Hängen der Schnee schon Getaut, die Blüten der Kirschen Braun und die Kresse an den Schwappenden Brunnen bitter und gelb. Da dämpfte der Mai jäh das Licht, Schob mich den wehen Waisen zu..."
In Peter Fischers hier vorliegenden Kompositionen wirkt längst eine ganz unverkennbar eigenwillige Notenschrift, mit der er souverän die Routen von Raum und Zeit durchfährt. Dabei hat er das immer gefährdete "ICH" einer ungewissen Neuzeit ebenso im Blick wie die "Spur der Pflugschar", aber auch "Schauermanns Hunger" und die fortdauernde und unstillbar scheinende "Gier der Tycoone".
Dem Lyrikband sind Holzschnitte des Künstlers Timm Kregel eingefügt. Der Lyriker mit der Schriftstellerin Kerstin Fischer (Das Gewächshaus") verheiratet, lebt jetzt in Achim bei Bremen. Er ist Mitglied im "Literaturhaus Bremen" und des Deutschen Schriftstellerverbandes (VS).
Dr. Eberhard Grünert