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Origami in der Therapie von Lernstörungen

Autor: DrAHaeussler | Erstellt am: 03.06.2011 | Gelesen: 729
Kategorie: Babys - Kinder & Erziehung | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Mit Papierfalten werden Wahrnehmung, Konzentration und Selbstwert gefördert

Vom Würfel zum Polyeder - Beispiele für Modul-Origami
Vom Würfel zum Polyeder - Beispiele für Modul-Origami
In der Therapie von Teilleistungsstörungen ist es zunächst ein enorm wichtiger Schritt, das  oft erheblich gestörte Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen wieder herzustellen. In der Therapeutischen Fördereinrichtung, einer Facheinrichtung für Lese-Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche und Aufmerksamkeitsstörungen, wird hierfür vor allem Origami, Papierfalten, eingesetzt. Dabei vor allem so genanntes Modul-Origami genutzt, weil eben hier beim Falten von vielen identischer Einzelteilen (Modulen), welche später ohne Kleber zusammengesteckt werden, Genauigkeit und Konzentration ganz besonders wichtig sind.

Neben der Entwicklung so genannter Stützfunktionen wie Motivation, Ausdauer, Selbstsicherheit usw. werden durch Papierfalten auch die bei Teilleistungsstörungen oft beeinträchtigte Wahrnehmungsverarbeitung sowie das Vorstellungsvermögen der Kinder und Jugendlichen positiv beeinflusst.. Sichtbar wird dies beim Schreiben zum Beispiel in der Differenzierung optisch ähnlicher Buchstaben wie „d", „p"  und „b" oder beim Rechnen in der Stellenwertproblematik, d.h. der korrekten Schreibweise von zwei– und mehrstelligen Zahlen
Mit genormten Testverfahren können Erfolge in diesen  Bereichen verdeutlicht werden.

Bei allem wissenschaftlichen Hintergrund haben die Kinder haben in erster Linie Freude am Falten und können mit ihren geschaffenen Faltobjekten  in ihrem sozialen Umfeld demonstrieren. „Ich kann etwas, was Andere nicht können!". So halten sie jede Menge Anerkennung sogar in der Öffentlichkeit, wie ein prämierter öffentlicher Origami-Weihnachtsbaum und die Teilnahme am internationalen Origami Peace Tree Festival belegen

"Doof bin ich, sagen die anderen!" Frustriert wischt Max sämtliche Bücher vom Tisch.

Das ist das häufigste Problem bei Kindern mit Teil-Leistungsstörungen: Der ganze Mensch wird in Frage gestellt, wenn es sich ausgerechnet um so grundlegende Fächer wie Deutsch oder Rechnen handelt. Reagiert Max (oder Lisa) wie Rumpelstilzchen oder zieht er (sie) sich völlig zurück, ist die Botschaft "Liebe mich, wenn ich es nicht verdient habe, weil ich es dann am meisten brauche"

Oft ist es zunächst das Allerwichtigste,  das angeknackste Selbstbewusstsein wieder aufzurichten.. Bei Teilleistungsstörungen heißt das: Die Kinder und Jugendlichen da abzuholen, wo sie stehen, also nicht an den Schwächen herum zu kritisieren, sondern die Stärken zu stärken.

Die Therapeutische Fördereinrichtung, eine private und unabhängige Facheinrichtung, die Kinder mit Teilleistungsstörungen in den Bereichen Lesen und Schreiben, Rechnen, Erlernen des Englischen sowie Aufmerksamkeit betreut, nutzt hier vor allem einen therapeutischen Bereich, dessen Wirksamkeit auch in Deutschland bereits im 19. Jahrhundert geschätzt wurde: Origami. vor allem Modul-Origami, da hier es hier ganz besonders auf Genauigkeit und eine ruhige Hand ankommt.

Hier werden die Konzentration, das Vorstellungsvermögen und natürlich das Selbstvertrauen gestärkt.

Modul-Origami, d.h. das Falten von geometrischen Objekten, die aus identischen Einzelteilen (Modulen) bestehen und später ohne Kleber zusammengesteckt werden, wird deshalb auch in den Elternschulungen vermittelt.

Und Max erlebt außerdem in seinem Umfeld: Ich kann etwas, was andere nicht können!

Die Förderung der sogenannten Stützfunktionen wie Motivation, Ausdauer, Selbstsicherheit usw. ist aber nur eine Seite. Kinder mit Teilleistungsstörungen haben sehr häufig Probleme in der Wahrnehmungsverarbeitung, was sich beim Schreiben z.B. in Buchstabenverdrehungen wie „b" oder „p" statt „d" oder bei Rechenschwäche in der Stellenwertproblematik ( z.B. „80063" für die Zahl 836) zeigt.

Auch Kinder, denen in der Schule Geometrie als rotes Tuch erscheint, lassen sich mit Origami auf anschauliche Weise geometrische Sachverhalte vermitteln.

Entsprechende Erfolge bei der Förderung der räumlich-visuellen Funktionen lassen sich mit  Ergebnissen genormter Testverfahren anschaulich belegen.

Bei allem wissenschaftlichen Hintergrund: Die Kinder haben in erster Linie Freude am Falten. „Stellen Sie sich mal vor, bis Weihnachten muss ich noch elf Würfel falten"" – mein Max hatte einen so genannten Sonobe-Würfel  (ein Modul-Würfel, benannt nach seinem Erfinder Mitsunobe Sonobe)  in der Schule präsentiert...

Während die Jüngeren eher Dinos, Donnerknaller und ähnliche „Action" lieben, sind die Teenies mit Geschick dabei, aus teilweise winzigen Modulen Schmuck zu falten oder verblüffen die Eltern mit  ihrer Ausdauer beim Falten eines Polyeders.

Das Wort „Dodecahedron kann kein Legasthenker schreiben, aber falten können unsere so etwas!"

Mit dieser Bekundung machten die Kinder und Jungendlichen auch nach außen auf die Therapieeinrichtung aufmerksamer, z.B. bei einem Pressefest oder mit einem öffentlichen Origami-Weihnachtsbaum in einem Einkaufszentrum. Der Weihnachtsbaum wurde später sogar von einem Stuttgarter Verlag für Bastelbücher prämiert.

Außerdem nehmen die Therapiekinder am jedes Jahr in einem anderen Land statt findenden Origami Peace Tree Festival teil und erhalten dafür jede Menge Anerkennung in ihrem Umfeld. Denn wann bekommt ein „kleiner sächsischer Schüler" schon mal eine englischsprachige Urkunde…!

Einige Kinder sind derart faltbegeistert, dass sie  manchmal gebremst werden müssen: „Du, ich soll dir das Rechnen beibringen…"

Und wenn ein Kind, welches im Vorfeld durch abgekaute Fingernägel auffiel, das Nägelkauen abstellt, weil man so besser falten könne, hat Papierfalten bei Lernproblemen durchaus noch weitere  motivierende Nebeneffekte.

Angela Häußler
 
 
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