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Online auf dem Land

Autor: hop | Erstellt am: 09.01.2009 | Gelesen: 1434
Kategorie: Internet & Multimedia | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Gerade in ländlichen Gebieten gibt es große Wachstumspotentiale

Oliver Habekost, Referent Gerrit Richter, Heinz Lotz, Christoph Stürz
Oliver Habekost, Referent Gerrit Richter, Heinz Lotz, Christoph Stürz
Brachttal-Hellstein (hop) - Über die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet referierte im Auftrag des SPD Ortsvereins Brachttal Gerrit Richter in der Alten Schule in Hellstein.

Eines der Wahlkampfthemen der SPD ist eine verbesserte Internetverbindung. Im Rahmen der Wahlkampfserie "Gasthaus Zur Sache" von Heinz Lotz hatte der SPD Vorsitzende von Brachttal, Christoph Stürz, die interessierten Bürger in die Alten Schule Hellstein geladen. Als Referent war der Eschborner Gerrit Richter zum Thema "Opi ist Online – Auch auf dem Land" gekommen, der selber nicht nur Vorsitzender der SPD Main-Taunus ist, sondern eine eigene Agentur für Kommunikation betreibt und somit im Thema ist.

Nach der Begrüßung durch Christoph Stürz und Heinz Lotz eröffnete Richter seinen Vortrag mit der Einschätzung der OECD, dass ein Drittel des weltweiten Wirtschaftswachstums an schnellen Internetverbindungen hängt. Längst ist das Internet keine Sache ausschließlich junger Menschen mehr, es ist für Firmen und Selbstständige überlebenswichtig. Einig waren sich alle, dass für die Ansiedlung neuer Gewerbetreibender schnelle Anbindungen unabdingbar sind, Gewerbegebiete ohne sind Auslaufmodelle. Die Versorgung ausschließlich in Ballungsräumen ist daher ein riesiger Nachteil für ländliche Gebiete. Richter führte ein sehr plausibles Beispiel an: Wer einen Videofilm sehen wolle, müsse zum Ausleihen in die Videothek und den Film nach dem Ansehen auch wieder dorthin zurückbringen. In größeren Städten hat man vielleicht das Glück, dass die Videothek in der Nähe sei, in ländlichen Regionen aber stehen dafür oft lange Anfahrtswege zumeist per Auto an. Das ist nicht nur deutlich zeitintensiver, sondern auch ökologisch inakzeptabel.

Derzeit sei das Leben auf dem Land durch längere Wege benachteiligt, folglich ist auch das Wachstumspotential hier noch größer. Doch was ist schnell bei Internetverbindungen? 1 MB (1000 Kilobits pro Sekunde), so Richter, sei das absolute Minimum, 16, 20 und höher wünschenswert. Erst dann nämlich erübrigt sich der Weg in die Videothek, der Film wird online geschickt. Viel Potential gehe beispielsweise auch verloren durch Programmabstürze. Jeder kenne es wohl, dass man oft lange versuche, den Schaden zu beheben, in Firmen seien dafür oft mehrere Leute gebunden. Mit schnellen Leitungen würden künftig Anbieter Leistungen wie Schreibprogramme zur Verfügung stellen und für dessen reibungslose Funktion sorgen, sodass nicht jeder Einzelne ein individuelles Programm benötige. Schätzungen belegten, dass mit schnellen Verbindungen ein zehnprozentiges Wachstum möglich wäre, also Dimensionen wie der etwa Ausbau des Frankfurter Flughafens.

Um dieses gewaltige Potential weiß auch die EU und stellt entsprechende Mittel zur Verfügung. Im Gegensatz zu einigen Bundesländern wie beispielsweise Schleswig-Holstein rufe allerdings Hessen noch nicht einmal die Gelder ab. Zwar sei "Mehr Breitband für Hessen" inititiert worden, aber es würden dort ausschließlich Beratungen geboten, sonst nichts, auch keine Weiterleitung von EU Geldern. So gebe es nur Eigeninitiativen vereinzelter Gemeinden und nannte hier Lauterbach als lobendes Beispiel. Dabei gebe es Firmen, die sich auf Funk spezialisiert haben und 1 bis 2 MB anbieten, das aber reiche für Firmen nicht aus. Immerhin sei es eine Notlösung, die jedoch wegen der geringen Dichte zu Kosten für die Flatrate von durchaus 45 Euro im Monat führte. Solange eine flächendeckende Versorgung durch Glasfaserkabel aus Kostengründen illusorisch sei, könne einzig die Versorgung durch eine höhere Funkdichte sichergestellt werden, die natürlich von der Topographie des Geländes abhängt. Eine Möglichkeit hierzu wäre auch über die Handyfunkmasten gegeben. Auch über Telefonleitungen seien die Verbindungen denkbar, die aber von der Nähe zu den Vermittlungsstellen abhingen, hier müssten deutlich dazu mehr eingerichtet werden.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Stromnetz. Da Firmen wie die Telekom nicht mehr staatlich seien und somit keinen Bereitstellungsauftrag mehr hätten, arbeiten sie ausschließlich profitorientiert und am Anfang stehen hohe Investitionen. Insgesamt wäre zur Verbreitung also sicher ein Landesprogramm mit etwa 500 Millionen Euro erforderlich. Ein Mindestprogramm wäre dann hier: Bindende Förderrichtlinien und weitere originäre Landesmittel für echtes Wirtschaftswachstum, das auch wieder mehr Steuereinnahmen bringe, und ein Prioritätenplan. In der anschließenden Diskussion war man sich auf Einwand von Christoph Stürz auch einig, dass die Frage für den Bedarf nicht lauten dürfe: "Wie viel Leute haben einen Anschluss und wollten eventuell einen schnelleren Zugang", sondern müsse umformuliert werden in: "Wie viel Leute würden einen Anschluss mit schnellem Zugang zu einem akzeptablen Preis haben wollen". Dass durchaus auch Ältere von schnellen Internetverbindungen profitierten, zeigten alleine zwei Beispiele bei wachsender Immobilität: die Vernetzungen mit online Dienstanbietern, bei denen auch die Lebensmittel an die Tür geordert werden können, oder auch die Verbindungen mit anderen Gleichgesinnten. Wer nicht mehr so mobil ist, braucht dann nicht mehr auf seine sozialen Kontakte zu verzichten, auch die Verbindung zur Familie, den Enkeln, könne mittels Webcam auch über große Distanzen dauerhaft erhalten bleiben.

Barbara Hoppe
 
 
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