Sehr geehrte Frau Kraft,
Ihre Partei ist genauso empört über den neuesten „Streich" der Bundesarbeitsministerin wie die Grünen, die Linke und vielen anderen, vom Hartz4- Gesetz, Betroffenen. Unzählige Geringverdiener und Aufstocker sowie Grundsicherungsträger und Erwerbslose, nicht zu vergessen diejenigen die auf Grund von Krankheit keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen können, wurden heute mit Bekanntgabe der neu berechneten Alg2- Sätze buchstäblich ihrer Menschenwürde erneut beraubt.
Nachdem ich Ihrer Partei bei den Wahlen in NRW meine Stimme gegeben habe möchte ich Sie erneut unterstützen.
Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Frau Ursula von der Leyen spricht sie könne sich nicht vorstellen, daß Sie und Ihre Partei das Bildungspaket mit warmem Mittagessen für bedürftige Kinder, Schulmaterial, Lernförderung und ein Budget für Musik oder den Fußballverein ablehnen würden. Blockieren Sie mit Ihrer Partei die Durchsetzung der Neuberechnung. Nehmen Sie sich die Grünen zu Hilfe.
Auch wenn Ihre Partei mit den Grünen damals die Hartz4- Gesetze befürwortet hat und dafür heute viel Schelte einstecken muß, lassen Sie sich nicht verunsichern. Kämpfen Sie gemeinsam mit uns - mit den Geringverdienern und Aufstockern sowie den Grundsicherungsträgern und Erwerbslosen, und mit denjenigen die auf Grund von Krankheit keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen können. Sie unterstützen damit auch und gerade die Kinder, die unsere Zukunft sind.
Gern unterstütze ich Ihren Parteigenossen Olaf Scholz bei der Verfassungsklage. Als Einsatz für entstehende Kosten sende ich die aus der Neuberechnung hervorgehende Erhöhung von 5€ monatlich an Ihren Parteigenossen Herrn Olaf Scholz. Dies soll mein kleiner bescheidener Beitrag sein. Mit mir sind viele Bürger dieses Landes an einer vollständigen Offenlegung des Berechnungsverfahrens interessiert. Sorgen Sie bitte dafür, daß dies geschieht.
Die Chancen, daß die Neuberechnung vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben werden, stehen nicht schlecht. So sagt es der Paritätische Wohlfahrtsverband.
Etwas Persönliches zu mir.
Ich bin eine Mutter mit zwei Kindern, welche ich alleine großziehe. Ich kann beurteilen, daß die 100€ aus dem Schulstarterpaket schon nicht ausreichend waren.
Um meine Kinder vor Ausgrenzung und Mobbing wegen Armut zu schützen habe ich an mir gespart. Keine Kleidung gekauft und nur wenig gegessen, auch um meinen Kindern gesundes Essen auf den Tisch zu bringen zu können. Das geht mit dem derzeitigen Regelsatz. Es geht, weil es gehen muß.
Ich sehe schwere Zeiten auf meine Familie und mich zukommen. Die Preise steigen unaufhörlich, so daß ich nicht weiß, wie lange ich noch von meinem kärglichen Satz für die Bedürfnisse meiner Kinder umschichten kann. Ich möchte sie nicht als Kind armer Eltern „gekennzeichnet" sehen.
Eines meiner Kinder ist musikalisch talentiert. Dies wird von einem Musikpädagogen bestätigt, bei welchem mein Kind wöchentlichen Keyboard Unterricht bekommt. Diese monatlichen Kosten von 50€ zwacke ich auch von meinem Regelsatz ab. Ob ich diese Kosten mittels Bildungskarte bestreiten kann ist fraglich, da dort kein Lesegerät vorhanden sein wird. Zu unwirtschaftlich für den Musikehrer. Schlimmstenfalls müßte er die Beiträge erhöhen.
Sie können mit meiner vollen Unterstützung rechnen, wenn es heißt, die Neuberechnung zu einer wirklichen Neuberechnung werden zu lassen. Notfalls mit einer erneuten Klage vor dem Bundesverfassungsgerichts.
Mit freundlichen Grüßen
K. Kuligowski