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Neues Museumsnetzwerk in Schweden

Autor: WaltherPlette | Erstellt am: 12.02.2010 | Gelesen: 727
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Das militärgeschichtliche Erbe Schwedens

Die Festung Roterberg in Boden, ca. 35 km nordwestlich von Luleå in Norrbotten, Nordschweden
Die Festung Roterberg in Boden, ca. 35 km nordwestlich von Luleå in Norrbotten, Nordschweden
Wie bewahrt man nicht mehr benötigtes militärisches Material für die Nachwelt? Und wie verwaltet man die Geschichte von militärischen Verbänden, die in Zeiten eines schrumpfenden militärischen Apparats aufgelöst werden? Vor diesen kulturgeschichtlich bedeutsamen Fragen standen in den vergangenen Jahren die schwedischen Streitkräfte und die schwedischen Militärmuseen. Ähnliche Fragen stellen sich sicherlich auch andere Länder. Schweden ist aber vermutlich das erste Land, das eine umfassende Antwort auf diese Fragen gefunden hat: In Schweden wurde dazu das "Militärgeschichtliche Erbe Schwedens (SMHA)" gegründet, ein landesweites militärgeschichtliches Museumsnetzwerk.

Das Militärgeschichtliche Erbe Schwedens besteht aus 23 staatlichen und staatlich geförderten Museumsanlagen mit militärischer Ausrichtung. Die Museen sind über das ganze lange Land verteilt, von Kristianstad im Süden bis nach Abisko im Norden. Der Großteil der Museen widmet sich Schwedens Verteidigung während des Kalten Kriegs. Ein kleinerer Teil der Museen konzentriert sich auf weiter zurückliegende Zeiten. Aufgabe des Museumsnetzwerks ist es, Schwedens Militärgeschichte für die Nachwelt zu dokumentieren und zu verwalten. Zur Zielgruppe der Museen gehören keineswegs nur historisch interessierte Schweden, sondern auch ausländische Touristen, darunter vor allem Familien mit Kindern.

Für Familien mit Kindern

In den Museumsanlagen gibt es viel Spannendes und Lehrreiches für die ganze Familie zu sehen. Während der Sommerferien finden in den Museen oft besondere Veranstaltungen für Kinder statt. Das Angebot reicht bis hin zur Möglichkeit, einen Flugzeug- oder Schiffssimulator zu bedienen.

Für Familien mit Kindern sind z. B. das Aeroseum und das Maritiman interessant, zwei populäre Museumsanlagen an der schwedischen Westküste. Im Göteborger Aeroseum wurde ein Erlebniszentrum zum Thema Fliegen und Raumfahrt geschaffen. Als Besuchsziel ist das Aeroseum einzigartig in der Welt. Es liegt in einer früher streng geheimen, 22.000 m² großen unterirdischen Felsenanlage unweit vom Flughafen Göteborg-Säve. Hier stehen Düsenflugzeuge und Hubschrauber, in denen man auch mal probesitzen darf.

Das Maritiman liegt dagegen direkt in der Göteborger Innenstadt. Es ist das maritime Erlebniszentrum Göteborgs. Hier haben zwanzig Museumsschiffe festgemacht – die größte schwimmende Museumsanlage der Welt. Im Maritiman liegen U-Boote und Zerstörer, aber auch Lastschiffe und Feuerschiffe. In dieser Museumsanlage kann man z. B. verstehen lernen, wie es einem Schiffskoch auf einem U-Boot gelingt, für 36 hungrige Mann Besatzung Essen zuzubereiten. Im Maritiman kann man auch der Geschichte des Fischerboots "Gunhild" lauschen, dem einzigen Schiff im Maritiman, das jemals unter Beschuss geriet.

Das Armeemuseum in Stockholm

Die Dauerausstellung des Stockholmer Armeemuseum bietet ein Gesamtbild über die schwedische Geschichte von der Wikingerzeit bis hin zur Gegenwart. Hier wird die Realität des Krieges geschildert, auch so, wie die Zivilbevölkerung ihn erlebt hat. Am Anfang gelangt man in einen Raum, der den Besucher anregen soll, über die grausame Realität hinter prächtigen Uniformen und glänzenden Waffen nachzudenken.

Im Erdgeschoss des Museums befindet sich derzeit eine Ausstellung über die schwedische Teilnahme an Aufträgen der Vereinten Nationen. Etwa 100.000 schwedische Männer und Frauen haben an UNO-Missionen teilgenommen, z. B. im Bürgerkrieg Kongos 1961, bei der Überwachung der Waffenruhe auf Zypern 1987 oder als man 2004 der Zivilbevölkerung Kosovos beistand oder wie gegenwärtig in Afghanistan.

Zu den weiteren Museen im Netzwerk gehören z. B. die Festung Hemsö in Härnösand, die eine Küstenverteidigungsanlage aus dem Zweiten Weltkrieg ist, das Luftwaffenmuseum in Linköping, das vom Sommer 2010 an eine große Anzahl von Flugzeugtypen der schwedischen Luftwaffe zeigen wird, und das Marinemuseum in Karlskrona. Weitere Museen sollen in den nächsten Jahren hinzukommen.

Über 200 Jahre Frieden

Wenn man von den militärischen Einsätzen im Rahmen der UNO absieht, hat sich Schweden seit über 200 Jahren nicht mehr im Krieg befunden. Viele der militärischen Anlagen Schwedens sind deshalb in gutem Zustand erhalten geblieben. Dem neuen militärhistorischen Museumsnetzwerk ist es zu verdanken, dass diese kulturgeschichtlich bedeutsamen Anlagen auch künftig bewahrt, dokumentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Walther Plette
 
 
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