Der klassische Laktatstufentest
Bis vor einigen Jahren war eine Leistungsdiagnostik im Ausdauersport nur den Kaderathleten am Olympiastützpunkt vorbehalten. Mit der fortschreitenden technologischen Entwicklung wurden die Geräte zusehends kleiner und für viele Institute erschwinglich. Mittlerweile versuchen sich selbst so genannte „Personal Trainer" ohne jegliche Ausbildung und Fachwissen an der Laktatmessung und der Interpretation der gewonnenen Information. Ein zweischneidiges Schwert – ist doch die Leistungsdiagnostik innerhalb der Sportwissenschaften eines der umstrittensten Themen. Ohne Fachkenntnisse ist eine Interpretation der Ergebnisse einer Leistungsdiagnostik unmöglich. Es erfordert weitreichende Kenntnisse und Erfahrungen, um aus den Laktatleistungskurven sinnvolle Trainingsbereiche und Empfehlungen zur Trainingssteuerung abzuleiten.
Der Laktatstufentest
Als Standard hat sich der Laktatstufentest etabliert, bei dem die Belastungen stufenweise gesteigert wird. Ziel des Laktatstufentests ist es Trainingsbereiche zu definieren und den Trainingsfortschritt zu überprüfen. Jedoch verwenden viele Institute unterschiedliche Testprotokolle, was einen Vergleich der absolvierten Tests nahezu unmöglich macht. Zur Bestimmung der anaeroben Schwelle, die in der Regel aus Ausgangspunkt zur Festlegung von Trainingsbereichen herangezogen wird, existieren allein im deutschsprachigen Raum 8 verschiedene Modelle. Die Vielfalt erhöht sich durch die Anwendung verschiedener Belastungsprotokolle auf weit über 30 verschiedene Verfahren. Der Erkenntnisgewinn für den Sportler ist dabei fraglich. Um eine Vergleichbarkeit verschiedener Diagnostiken zu gewährleisten sollte daher immer das gleiche Testprotokoll zugrunde liegen. Als Beispiel aus dem Radsport lässt sich hier der Stufentest nach den Spezifikationen des Bund Deutscher Radfahrer anführen. Bei diesem Testprotokoll wird die Belastungen ausgehend von 100 Watt bei einer Stufenlänge von drei Minuten um jeweils 20 Watt erhöht. Der Test wird dabei bis zur Ausbelastung des Sportlers durchgeführt.
Multifaktorielle Analyse
Die Betrachtung des Leistungsvermögens eines Sportlers erfolgt beim klassischen Stufentest nur eindimensional. Ein weit genaueres Bild der sportlichen Leistungsfähigkeit ergibt sich aus der multifaktoriellen Analyse verschiedener Einflussgrößen. Dazu zählen insbesondere die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) sowie weitere Messwerte aus der
Spiroergometrie, die Maximalkraft, die anaerobe Kapazität, die maximale Laktatbildungsrate, die Muskelfaserzusammensetzung und die koordinativen Fähigkeiten des Athleten. Die Datenerhebung findet dabei nicht mit einem einzelnen Test sondern einer Testbatterie statt sondern mit einer Batterie von verschiedenen Untertests. Durch die Kombination der verschiedenen Untertests und der Einbeziehung weiterer Parameter ist es möglich das gesamte Leistungsspektrum des Sportlers zu erfassen und Rückschlüsse auf bestimmte leistungsrelevante metabolische Prozesse zu ziehen. Die Leistungsdiagnostik ist dementsprechend umfangreich und erfordert einiges an Motivation des Athleten.
In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse der
Leistungsdiagnostik durch einen erfahrenen Auswerter unter Zuhilfenahme neuster Stoffwechselsimulationsverfahren zeigen sich klar Stärken und Schwächen ebenso wie ungenutztes Potential des Sportlers. In Bezug zu den Zielen und der Trainingshistorie lassen sich so präzise Trainingsempfehlungen ableiten.
Marten Knoch
Wissenschaftliche Leitung bei Synergy ProTraining