Mitsu tomoe: Himmel, Sonne, Erde, Mensch
Sowohl die staatliche Kameralistik als auch die doppelte Buchführung der Wirtschaft vernachlässigen die Soft Facts von Ökologie und Ökonomie. Bilanziert werden ausschliesslich die Hard Facts! Somit entsteht eine falsche Zustandsbeschreibung – in Zahlen – der inter-nationalen Volks-Wirtschaften. Diese falschen analytischen Zahlen fliessen dann in ein synthetisches Modell ein: dem BIP Brutto-Inlands-Produkt. Dessen Zahlen erreichen die Genauigkeit von halbwegs kompetenten Schätzungen. Die einzig genauen Zahlen in der VWL Volks-Wirtschafts-Lehre (Geistes-Wissenschaft) sind deshalb die Statistiken der Vergangenheit (Zahlenfriedhöfe für die Projektion). Jetzt endlich gibt ein zukunftsträchtiges brauchbares neues Konzept!
Begriffsklärung:
Die Kameralistik (lat. „fürstliche Schatztruhe") oder Kameralbuchhaltung, ist eine Buchführungs-Methode (Art + Weise) die ausschließlich im öffentlichen Sektor angewandt wird. Der Kameralismus ist als deutsche Variante des Merkantilismus, der herrschenden Wirtschaftspolitik im Zeitalter des Absolutismus (16.–18. Jahrhundert), bekannt. Das vorrangige Ziel des Kameralismus war der Wiederaufbau des durch den Dreissigjährigen Krieg (1618 bis 1648) zerstörten Landes. Mit der Kameralistik wollte man die Wirtschaft durch staatliche Aktionen so beeinflussen, dass der Wohlstand einer Nation gemehrt würde. Sie fand ihre Begründung in der theoretischen Konzeption der Kameralwissenschaft (Staatswirtschaftslehre).
Die kameralistische Buchführung wurde ...1762 erstmals schriftlich dargelegt.
Seit den 1970er Jahren wird im Rahmen der neoliberalen Verwaltungsreform des New Public Management die Kameralistik in verschiedenen europäischen Ländern auf staatlicher und kommunaler Ebene durch ein einheitliches doppisches Haushaltssteuerungs- und Rechnungswesen, das auf der Rechnungslegung in der Privatwirtschaft und internationalen Standards (International Public Sector Accounting Standards IPSAS) basiert, immer mehr verdrängt.
Buchführung bezeichnet die in Zahlenwerten vorgenommene planmässige, lückenlose, zeitliche und sachlich geordnete Aufzeichnung aller Geschäftsvorgänge in einer Unternehmung auf Grund von Belegen. Sie ist das zahlenmässige Spiegelbild einer Unternehmung und wichtige Informationsquelle für den Unternehmer und dient ausserdem dazu, den gesetzlich fixierten Informationsanforderungen von Behörden nachzukommen.
Aufzeichnungen wirtschaftlicher Vorgänge gehören zu den ältesten Schriftstücken überhaupt. Das heute vorherrschende System der doppelten Buchführung wurde im Mittelalter entwickelt und ist seitdem weitgehend unverändert in Gebrauch.
Das Bruttonationaleinkommen (BNE), bis 1999 auch Bruttosozialprodukt (BSP); englisch Gross National Product (GNP) bzw. Gross National Income (GNI)) ist ein zentraler Begriff aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR). Diese stellt die Leistung einer Volkswirtschaft innerhalb einer Rechnungsperiode (meist ein Kalenderjahr) unter Berücksichtigung von Steuern, Subventionen, Abschreibungen, Abgaben, u. a. dar. Das Bruttonationaleinkommen wird hierbei als Einkommensindikator einer Volkswirtschaft angesehen, da es die wirtschaftliche Leistung an den Erwerbs- und Vermögenseinkommen misst.
Bruttonationalglück (BNG) ist der Versuch, den Lebensstandard in ganzheitlicher, humanistischer und psychologischer Weise [Soft Facts] zu definieren und somit dem herkömmlichen Bruttonationaleinkommen, einem ausschließlich durch Geldflüsse [Hard Facts] bestimmten Maß, einen holistischeren Bezugsrahmen gegenüberzustellen [Hard Facts + Soft Facts].
Quelle, (C): wikipedia.de, [Autor-Anmerkung]
NWI Nationaler Wohlfahrts-Index:
Aus der Kritik am Bruttoinlandsprodukt (BIP) (bzw. am Bruttonationaleinkommen (BNE)) folgt, dass es sich nicht eignet, die Wohlfahrt einer Nation oder den Grad der erreichten Nachhaltigkeit zu messen. Dies wird jedoch immer wichtiger, da die immer noch vorherrschende Orientierung am BIP [Hard Facts] einhergeht mit einer Art von Wachstum, das weltweit zu enormen Umweltschäden, Artenverlust [Verringerung der Bio-persität] und Ressourcen-Übernutzung geführt hat. Notwendig ist also ein Index, bei dem solche Negativfolgen gegenbilanziert [Soft Facts gegen Hard Facts] werden [Kulturen (Systematik) gegen Natur (Systemik)!].
Mit diesem Ziel hat ein vom Umweltbundesamt gefördertes Projekt der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft und der Forschungsstelle für Umweltpolitik Berlin den Nationalen Wohlfahrtsindex (NWI) konstruiert, der sich aus 21 Variablen zusammensetzt:
Er bezieht einerseits die bisher im BIP vernachlässigten Wohlfahrtsleistungen wie z.B. Hausarbeit oder ehrenamtliche Tätigkeit positiv ein.
Negativ bilanziert werden dagegen Schäden (z.B. Luft, Boden, Gewässer, Gesundheit, Verkehr) und die Verringerung des Naturkapitals (Boden, Wälder, Ressourcen, Artenvielfalt, Klima). Auch soziale Faktoren wie Verteilungsgerechtigkeit, öffentliche Ausgaben für Gesundheits- und Bildungssystem sowie Kriminalität werden im NWI einbezogen.
Index der Einkommensverteilung:
- Gewichtete Konsumausgaben
- Wert der Hausarbeit
- Wert der ehrenamtlichen Arbeit
- Öffentliche Ausgaben für Gesundheits- und Bildungswesen
- Dauerhafte Konsumgüter Kosten / Nutzen
- Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
- Kosten von Verkehrsunfällen
- Kosten von Kriminalität
- Kosten alkoholassoziierter Krankheiten
- Gesellschaftliche Ausgaben zur Kompensation von Umweltbelastungen
- Schäden durch Wasserverschmutzung
- Schäden im Zuge von Bodenbelastungen
- Schäden durch Luftverschmutzung
- Schäden durch Lärm
- Verlust bzw. Gewinn durch die Veränderung der Fläche von Feuchtgebieten
- Schäden durch Verlust von landwirtschaftlich nutzbarer Fläche
- Ersatzkosten durch Ausbeutung nicht erneuerbarer Ressourcen
- Schäden durch CO2- Emissionen
- Nettowertänderungen des Anlagevermögens (ohne Bauten)
- Veränderungen der Kapitalbilanz
[Jeder möge sich bitte die beiden Grafiken und deren Interpretation auf der Homepage (s. u.) ansehen!]
NWI und modifizierter NWI weisen deutlich geringere Werte aus als der BNE: Dies liegt vor allem daran, dass die wohlfahrtsmindernden volkswirtschaftlichen Aktivitäten nicht wie beim BNE positiv sondern im NWI negativ bilanziert werden und offensichtlich durch die zusätzlichen positiv bilanzierten Aspekte (u.a. Hausarbeit, Erziehungsleistungen, ehrenamtliche Tätigkeit) nicht in vollem Umfang kompensiert werden können.
Die neuen Begriffe lauten:
- UGR (Umweltökonomische Gesamtrechnungen)
- HDI (Human Development Index / Index menschlicher Entwicklung)
- ESI (Environment Sustainability Index / Umwelt-Nachhaltigkeitsindex
Ökobilanzen sind Teil einer umfassenden Nachhaltigkeits-Bilanz, bei der auch noch ökonomische und soziale Faktoren mit einbezogen werden.
Ökobilanzen haben zum Ziel, alle Umweltbelastungen z.B. eines Produktes zu erfassen unter vollständiger Einbeziehung des gesamten "Lebenslaufs" (engl."life cycle"/ Lebenszyklus): von der Produktion einschließlich der Rohstoffgewinnung und Energiebereitstellung über Verteilung und Nutzung bis zur "Entsorgung" (Recycling, Müllverbrennung, Deponierung, Kompostierung, Verkauf in ärmere Länder) [Wert-Schöpfungs-Ketten]. In jeder "Lebensphase" werden per Input-/Output-Analyse die Stoff- und Energie-Ströme bilanziert. Dabei werden Vorprodukte oder Dienstleistungen (teilweise auch Hilfs- und Betriebsstoffe) wie auch alle Transporte mit ihrer eigenen Ökobilanz in die Hauptbilanz einbezogen.
Quelle, (C): Heinz Ziegeldorf, http://www.agenda21-treffpunkt.de/webmaster/, [Autor-Anmerkungen]
- Frederik Vester stellte einmal die Frage nach dem Wert eines Vogels für die Gesellschaft und deren Volkswirtschaft ...
- Später kamen Berechnungen auf, die die Frage nach dem Wert eines Menschen stellten: Human Kapital ...
- Die heutige Atomindustrie (+ Politiker) tut so, als ob man die rest- und folgenlose Beseitigung des Atom-Mülls kostenlos zu haben wäre …
- Wenn wir die Meere leergefischt haben, züchten wir die Fische in künstlicher Umgebung …
Wir haben eine besondere westliche Betrachtungsweise (Objektivierung, Substantivierung, analytisch-systematisch) unserer Um-Welt entwickelt. Umweltschäden werden nicht bilanziert. Die Natur gibt´s für Politiker und Ökonomen anscheinend kostenlos. Deshalb bilanziert auch niemand den Reparatur-Aufwand der Natur.
Dabei wissen wir durch die Neg-Entropie für vital-offene Systeme, das z. B. ein gefördertes und genutztes Ur-Wasser, nie wieder diese Ur-Qualität in den Wasserwerken erreichen wird. Eine geförderte Kohle ist nach ihrer Verbrennung für uns künftig als Heizmaterial verloren! Deshalb sind erneuerbare Energien so wichtig.
- Es gibt Urvölker die es komisch finden, das man ein ´Stück´ Land erwerben und verkaufen kann! Bei ihnen gehört das Land allen Menschen.
- Bis vor wenigen Jahren galten bei uns lebende Tiere als gefühllose Objekte (mechanistisches Welt-Bild)!
Folgen der falschen Bilanzierung:
Spart unsere Politik heute 40 % der Bildungs-Kosten ein, so berechnet niemand den volkswirtschaftlichen Schaden durch fehlende Performance im späteren Arbeitsmarkt.
Diese Folgekosten durch sparen - in den USA wird mehr Geld für Gefängnisse etc. als für Bildung ausgegeben – beträgt später ein mehrfaches des Gesparten: ambulante Reparaturkosten der Menschen, Gefängnisse, Anstalten, Heime usw. sind Teil der realen Folgekosten und Spiegel unserer kranken Gesellschaften. Dem müsste man den monetären Wert von Wachstum und Entwicklung der Gesellschaft gegenrechnen, in der Annahme das alle Menschen sich in ihr frei entfalten könnten.
Heute fokussieren wir unsere ökonomische Aufmerksamkeit auf das quantitative Wachstum (linear + exponentiell, Effektivität), die Hard Facts. Unter Einbeziehung der Soft Facts könnten wir auf die wichtigere Lebens-Qualität (Effizienz) schauen.
Eine MitarbeiterIn die in Pension geht wird nicht bilanziert: Als ob ihre Lebenserfahrung wertlos wäre. So wertlos und rentenwirksam belanglos wie Erziehungsarbeit. Einen Schemel dagegen können wir steuerlich geltend machen.
Darum trägt ein Auto-Crash und dessen Schadensbeseitigung zum Wohlstand bei, Hausarbeit aber nicht? Selbst eine Verschuldung wirkt sich positiv auf das Volksvermögen aus!
Aufgrund der zunehmenden gesellschaftlichen Problematiken müssen deren VerursacherInnen (...) inzwischen auf die ehrenamtlichen ArbeiterInnen zurückgreifen: Die Herrschenden und Besitzenden suchen jetzt, nachdem die globale Arbeitswelt prekär degeneriert (Zeitarbeit, Projektarbeit, Hartz 4 usw.) wurde, Menschen die sich auch noch im Alter ausnutzen und ausbeuten lassen – nachdem sie, wegen ihres Alters, zuvor aus dem Arbeitsmarkt aussortiert wurden.
Gleichzeitig wird das Volks-Vermögen immer weiter von unten nach oben umverteilt.
- Der virtuell-symbolische Weltmarkt beträgt ein zehnfaches der realen Welt-Ökonomie!
- Die Steuerhinterziehung beträgt in Deutschland das zehnfache der Sozialleistungen!
- Vermögensverteilung in Deutschland im Jahr 2007: Das reichste Zehntel der Deutschen besitzt über 61,1 % des gesamten Vermögens. Darunter hielten die obersten fünf % rund 46 % und das oberste ein Prozent etwa 23 Prozent des gesamten Vermögens. Auf der anderen Seite verfügten 27,0 % der erwachsenen Bevölkerung über kein Vermögen oder waren sogar verschuldet. Gegenüber dem Jahr 2002 hat die Konzentration der Nettovermögen im Top-Dezil (10/10-tel) weiter zugenommen, in allen anderen Dezilen sind die entsprechenden Anteilswerte 2007 dagegen niedriger.
Quelle, (C):Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/wissen/U4CJQA,0,Verm%F6gensverteilung.html
Die frühere einseitig-getrennte Betrachtung von Ökologie und Ökonomie muss unbedingt geändert werden. Die Natur wird ihren evolutionären Prozess an die komplexen Auswirkungen des menschliche Verhalten anpassen. Ob das den Menschen aber bekommt? Wir brauchen den Umwandlungskreislauf der systemischen Natur, die Natur braucht aber nicht unsere kybernetischen Wertschöpfungsketten unserer Kulturen (Systemik 1. Ordnung = Kybernetik 3. Ordnung)!
Hierzu auch meine vorherigen Artikel:
www.online-artikel.de/article/kybernetik-unserer-volkswirtschaft-schizophren-41481-1.html
www.online-artikel.de/article/kybernetisches-kosten-nutzen-werte-denken-reduziert-die-bio-persitaet-48715-1.html
www.online-artikel.de/article/kapitalismus-kybernetik-zur-produktion-von-80-prozent-armut-t-1-44-56852-1.html
www.online-artikel.de/article/kapitalismus-kybernetik-zur-produktion-von-80-prozent-armut-t-2-45-56628-1.html
Hinweis: Wir bilanzieren auch Soft Facts!
© Copyright 2011 by Wolfgang Schwalm, all rights reserved!
(Mein Info-Center: www.wuala.com/WWWSchwalm # Kontakt: WSchwalm@gmx.de)