Auf dem Gebiet der Nahrungsergänzungspräparate hat sich im letzten Jahrzehnt viel getan. Vor allem aus den USA kommt die Botschaft, dass der Mensch drei Dinge braucht, um sich jung und gesund zu erhalten: Sport, eine gesunde Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel, die so genannten Supplements in Form von Pillen. Die derzeitigen Kassenschlager sind Antioxidanten, die in ihrer Wirkung um ein Vielfaches stärker sein sollen als Vitamin C und E. Nach anfänglicher Skepsis ist die positive Wirkung von Antioxidanten heute wissenschaftlich eindeutig belegt. Auch das Max Planck Institut für Psychiatrie in München konnte den Nachweis erbringen, dass Antioxidanten in der Lage sind, die im Körper entstehenden aggressiven Moleküle, wie zum Beispiel Wasserstoffperoxyd, unschädlich zu machen.
Grundsätzlich ergeben sich zwei Einsatzbereiche für Nahrungsergänzungen. Erstens: Mangelsituationen. Unter bestimmten Umständen, wie beispielsweise bei exzessiver körperlicher Betätigung, werden konkrete Einzelnährstoffe oder Vitalstoffe verabreicht, nachdem ein Mangel an diesen speziellen Stoffen festgestellt wurde. Zweitens: Vorsorge. Bei der vorsorglichen Einnahme von einzelnen Nähr- oder Vitalstoffen oder von Kombinationspräparaten stellt sich allerdings die Frage, ob ein Mangel nicht auch durch Veränderung einer Zusammenstellung der täglich konsumierten Nahrungsmittel beseitigt werden kann. Lediglich im wettkampforientierten Ausdauerleistungssport erscheint eine Energie- und Flüssigkeitsergänzung nach heutigen Erkenntnissen sinnvoll zu sein. Die Hoffnung, durch spezielle Nahrungsergänzungspräparate ein besonderes Leistungsplus zu erzielen, ist nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht zu begründen.
Der Glaube, dass der Überschuss eines bestimmten Nährstoffes das Mangelsymptom dieses Stoffes in sein Gegenteil verkehrt ist unwahrscheinlich. Grundsätzlich kann die Ergänzung mit einem bestimmten Nährstoff nur dort Vorteile bringen, wo zuvor ein Mangel an diesem Nährstoff bestanden hat. Ein solcher Mangel ist durch eine ausgewogene Ernährung jedoch von vornherein vermeidbar. „Functional food" ist ein relativ junger Begriff für sämtliche Lebensmittel, die mit bestimmten Zusatzstoffen angereichert sind. Brot, Joghurt und Käse werden zu „funktionellen Lebensmitteln", indem ihnen immer häufiger Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt werden, aber auch andere Inhaltsstoffe, wie beispielsweise nützliche Bakterienstämme, die unsere belastete Darmschleimhaut wieder ins Gleichgewicht bringen sollen. Die gesundheitliche Wirkung der zugesetzten Wirkstoffe ist größten Teils wissenschaftlich belegt und schädliche Auswirkungen sind auf Grund der strengen hiesigen Lebensmittelgesetze in der Regel nicht zu befürchten.