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Nahrungsergänzungsmittel (NEM) im Sport

Autor: sportdoccy | Erstellt am: 31.07.2010 | Gelesen: 947
Kategorie: Sport - Fitness & Workouts | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Teurer Luxus oder medizinische Notwendigkeit?

Das Geschäft mit Nah­rungsergänzungsmitteln - in der medizinischen Terminologie als Supplemente (dietary supplements) bezeichnet - boomt! Innerhalb der letzten 10 Jahre konnte in Deutschland eine Verdopplung des Umsatzes auf jetzt 1 Milliarde Euro beobachtet werden. Gut ein Drittel aller Deutschen versorgt sich zusätzlich mit NEM und sorgt für ein weiteres Wachstum dieser Branche um ca. 5 % pro Jahr. Allein in Europa gibt es mittlerweile mehr als 500 Firmen, die über sogenanntes „Net-Work-Marketing" bzw. als Direktvertriebsunternehmen tätig sind, und eine enorme Bandbreite an verschiedenartigen NEM im Angebot haben.

Setzt man seinen Fuß in einen der heutigen­ modernen Fitness- und Wellness-Tem­pel, so kann es durchaus pas­sieren, dass der Eindruck entsteht, man sei irrtümlich in einer Apotheke gelandet. Regale und Theken quellen über mit Pillen, Pulvern, Riegeln, Drinks, Ampull­en u. Ä. Krea­tin, Proteinkonzentrate und ausge­wählte Aminosäuren für den Muskelaufbau, L-Carnitin, CLA, Coffein und andere „Fatburner" für den Fettstoffwechsel, Energy-Riegel und -Drinks für genügend Power beim Training, Mol­ke für die Schön­heit von innen, Elektrolyte für den Wasserhaushalt und Antioxidantien für den Zell­schutz sorgen für eine bequeme „Rundumversorgung." ­

Viele Internet-Kunden und Fitness-Stu­dio-Mitglieder erliegen hierbei der Suggestion markiger Werbeversprechungen der Hersteller und neh­men teilweise gar nicht mehr wahr, dass Sie für den Erwerb dieser Produkte einen zweiten (und dritten) Monatsbeitrag hinblättern, verbunden mit der Hoff­nung, Ihrem Körper ­das Optimum an Nährstoffen zu geben, um selbst das Maximum an Leistung und Wohlbefinden rea­lisieren zu kön­nen.

Neben der von den Her­stellern oftmals werbe­wirksam angepriesenen ergogenen (lei­stungsfördernden) Unterstützung im Bereich des Spor­ts spielt auch der präventiv-medizinische Aspek­t zur Gesunderhaltung eine wichtige Rolle beim Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln, auf den an dieser Stelle jedoch nicht eingegangen werden soll. In diesem Artikel wird in der gebotenen Kürze kritisch Stellung bezogen zum Einsatz ausgewählter NEM im Sport. Hierbei wird insbesondere auf die oftmals zur Anwendung kommenden „Mikronährstoffe", „Fatburner", „Proteinkonzentrate" und „Kreatin" eingegangen. Es handelt sich hierbei um keine Dopingpräparate.

Nahrungsergänzungsmittel sind im engeren Sinne für den Einsatz in ­sog. „Risikogruppen" be­stimmt, die sich durch einen erhöhten Verbrauch bzw. Bedarf an bestimmten Nähr-  st­offen ­­auszeichnen. Neben Schw­angeren und Stillenden, Heranwachsenden und Älteren, stark Unterge­wichtigen, stark Nikotin- und Alkoholkonsumierenden sowie Kranken zäh­len auch Schwerstarbeiter und Spitzensportler zu diesen Risikogruppen, bei denen eine zusätzliche Ergänzung zur Basiskost durchaus seine medizinisch-physiologische Berechtigung findet.

Spitzensportler mit einem Trainingsvolumen von mehreren Stunden pro Woche haben infolge des immensen Trai­ningsaufwandes einen stetig erhöhten Bedarf an bestimmten Nährst­offen, die nicht nur zur Bewältigung der auftretenden körperlichen Höchstleistungen, son­dern auch zur schnel­len Regeneration und Steigerung der körpereigenen Immunabwehr­kräfte notwendig sind. Damit der Stoff­wechsel reibungslos funktioniert und v.a. belastungsinduzierte Muskelschädigungen gering gehalten werden, ­stehen v.a. Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente auf dem täglichen Supplementierungsplan, was aus ernährungsphysiologischer Sicht durchaus als sinnvoll angesehen werden kann. Hierbei gibt es jedoch deutliche qualitative Unterschiede in der biologischen Verfügbarkeit dieser Präparate, was sich vor allem durch die Resorptionsrate (Aufnahme in den Blutkreislauf) ausdrückt. Bei vielen Mikronährstoffpräparaten wird hier lediglich ein teurer Urin produziert, da die zugeführten Verbindungen und Stoffe nur sehr schlecht bzw. gar nicht vom Körper aufgenommen werden können und direkt ohne Umwege wieder ausgeschieden werden. Der 2-3 x pro Woche trai­nierende Hob­bysportler ist laut Meinung vieler renommierter Sport- und Ernährungsmediziner nicht auf eine derartige Unterstützung durch ent­sprechende Ergänzungspräparate angewiesen, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass eine ab­wechslungsreiche und ausgewogene Misch­kost als Basiskost trainingsbegleitend vorzufinden ist. Als Tenor der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse muss darauf hingewiesen werden, dass eine direkte Leistungssteigerung durch Mikronährstoffsubstitution nicht nachzuweisen ist und anderslautende Aussagen zumeist dem Wunschdenken von Herstellern und Verkaufsmanagern solcher Präparate entspringen. In vielen Studien zeigte sich jedoch eine beschleunigte Regenerationsphase, eine immunstabilisierende bzw. -stärkende Wirkung, eine Reduktion muskulärer Traumata (Verletzungen) sowie eine Beschleunigung von Reparationsvorgängen.

Neben den ­Mikronährstoffpräparaten ­werden im Fit­nessbereich v.a. Nahrungsergänzungen an den Kunden gebracht, die zum einen den schnel­len Muskelzuwachs und zum anderen eine effektive Fettreduktion versprechen. Wirft man einen Blick in die aktuelle medizinische Fachliteratur, so wird man über­raschenderweise feststellen, dass viele der angepriesenen „Wundermittel" bzw. die darin enthalten Wirkstoffe den wissenschaftlichen Beweis Ihrer hauptsächlichen Wirkung bisher schuldig geblieben sind bzw. ganz andere Effekte zeigen. Dass den­noch der Absatz dieser Produkte flo­riert, liegt darin begründet, dass das Groh der Trainer und Fitnessbetreuer nicht auf wissenschaftliche Studien in Fachmagazinen zugreifen kann oder möchte, zudem mehr als 90 % dieser Studien englischsprachigen Ursprungs sind. Bei vielen Studiotrainern, Ärzten und Wellnessberatern spielt der Verkauf von NEM mittlerweile eine wichtige existenzielle Rolle, da hierdurch das zumeist karge Trainergehalt und der Umsatz deutlich angehoben werden können. Ob diese Produkte einen Wirksamkeitsnachweis haben oder nicht, ist unter Berücksichtigung dieser wirtschaftlichen Seite dann „erstmal" sekundär.

Beliebt sind vor allem die sogenannten „Fatburner" wie z.B. ­der bekannteste Vertreter L-Carnitin, aber auch Apfelessig, CLA (= konjugierte Linolsäure), Glyzerin, Pyruvat und Co. Das in der Werbung teilweise immer noch sehr aggressiv angepriesene L-Carnitin wurde so richtig bekannt, als die Italiener bei Ihrem WM-Sieg 1982 eine regelmäßige Carnitin-Einnahme bekannt gaben. Carnitin spielt zweifelsohne eine entscheidende Rolle im Fettstoffwechsel, da es die Fettsäuren quasi als LKW-Shuttle in die Mitochondrien der arbeitenden Muskelzellen transportiert. Führe ich von außen also zusätzliches Carnitin zu, erhöhe ich somit die Carnitin-Konzentration im Muskel, sodass entsprechend mehr Fett verbrannt werden kann. Soweit die Theorie. Fakt ist aber, dass die Sportmediziner schon Mitte der 90er Jahre das Interesse an Carnitin verloren haben, da fast alle Studien zu dem einhelligen Ergebnis gekommen sind, dass durch eine Carnitingabe von außen die Muskelkonzentration dieses Stoffes nicht erhöht und die Fettverbrennung nicht vermehrt angekurbelt werden kann. Ähnliches gilt für die o.a. anderen Fatburner. Nachgewiesen werden konnte jedoch eine regenerationsfördernde und immunmodulierende Wirkung sowie ein herzschützender Effekt durch das Carnitin.

Kreatin ist eine körpereigene Verbindung, die u.a. im Skelettmuskel vorkommt und eine wichtige Rolle spielt bei der Energiebereitstellung während kurz andauernder Kraftbelastungen wie z.B. Sprint, Sprun­g und ähnlichen maximalen Krafteinsätzen. Bei der Benutzung des v. a. durch den britischen Sprinter Linford Christie und den beiden Tennis-Williams-Schwestern bekannt gewordenen Krea­tins muss darauf hingewiesen werden, dass zwar eine Verbesserung bei maximalen Krafteinsätzen zu erwarten ist, allerdings die gleichzeitige Gefahr einer erhöhten Verletzungsanfälligkeit durch ­das Auf­quellen der Mus­kelfasern infolge von Was­sereinlagerung gerne unter den Tisch gekehrt wird. Wird durch eine exogene (von außen zugeführt) Gabe von Kreatin die Konzentration im Muskel erhöht, versucht der Körper diese wieder durch einen Flüssigkeitseinstrom auszugleichen. Dadurch kommt es in Verbindung mit einer leichten Muskelhypertrophie (Muskelmassenzunahme) auch zu einer leichten Gewichtszunahme, die insbesondere bei gewichtsklassenabhängigen Sportarten evtl. Probleme bereiten könnte. Bekommt man jedoch diesen Spagat zwischen Nutzen und Risiko in den Griff und hält man sich an die Dosierungsempfehlungen und Einnahmerhythmen, kann Kreatin durchaus einen angenehmen leistungssteigernden Effekt haben, was auch durch die wissenschaftliche Datenlage bestätigt wird.

Proteinkonzentrate ­bieten qua­litativ hoch­wertiges Eiweiß bei gleichzeitig geringem Nahrungsvolumen und geringer Fett-, Cholesterin- und Purinzufuhr. Der Eiweißbedarf wird in der Regel in Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ausgewiesen und sinkt mit zunehmendem Alter stetig ab. Der sich normal bewegende gesunde Erwachsene benötigt ca. 1 g Eiweiß pro kg Körpergewicht, um eine ausgeglichene Stickstoffbilanz zu erreichen. ­­­Leider han­deln hier viele Freizeit­sportler, aber auch Kraftsportler nach der Devise „je mehr umso besser" und erreichen Zufuhren von mehr als 4 g pro kg Körpergewicht. Während intensiver Muskelaufbauphasen aber auch bei großen Ausdauerumfängen wird heutzutage von einem erhöhten Eiweißbedarf zwischen 1,5 und maximal 2,5 g pro kg Körpergewicht ausgegangen. Ein Zuviel an Protein belastet unnötig die Nierentätigkeit und kann bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr und entsprechend reduzierter „Nierenspülung" zu schmerzhaften Problemen wie Nierensteine führen. Neben dem rein quantitativen Aspekt spielt aber auch die Qualität - ausgedrückt in biologischer Wertigkeit eines Proteins - eine ganz entscheidende Rolle. Da in den westlichen Indu­strienationen zumeist eine Eiweiß­überversorgung zu beobachten ist, erscheint eine zusätzliche Supp­lementierung im Fitnessbereich als nicht notwendig. Die hohe ernährungsphysiologische Wertigkeit von Proteinkonzentraten kann zudem auch durch eine geschickte Lebensmittelauswahl und -kombination erreicht werden.

Spitzensportler sollten bei der Benutzung von NEM immer auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass diese mit verbotenen Inhaltsstoffen verunreinigt sein und somit zu einem positiven Dopingbefund führen können. Dies gilt insbesondere für Produkte, die über das Internet mit unklarer Herkunft und Herstellungsbedingungen bezogen werden.

Zusammenfassung und Tipps:
Kein NEM bringt allein durch deren Einnahme und ohne Verbindung mit einem körperlichen Training einen leistungssteigernden Effekt.

Viele der auf dem Markt befindlichen NEM sind bis heute den wissenschaftlichen Beweis einer Wirkung schuldig geblieben, zudem die Sinnhaftigkeit einer zusätzlichen Zufuhr zur Basiskost für den Hobbysportler in Sportmedizinkreisen oftmals als nicht gegeben anzusehen ist.

Gehört man zu einer der o.a. Risikogruppen, kann der Einsatz bestimmter NEM als durchaus physiologisch sinnvoll angesehen werden.

Trotz gleicher Dosierung kann die individuelle Reaktion auf die Einnahme von NEM durchaus sehr unterschiedlich sein (Responder - Non-Responder).

Hinterfragen Sie die Aussagen von Werbung, Trainern und Studien. Welche Kompetenz hat mein Trainer? Kann man die in der Werbung angeführten Studien nachrecherchieren und feststellen, ob hier der Hersteller selbst seine Finger im Spiel hatte? Lassen Sie Ihren gesunden Menschenverstand walten.

Eine lokale Fettverbrennung („spot reduction") ist physiologisch nicht möglich, weder durch Erhöhung der lokalen Durchblutung noch durch exogene „Fatburner".

© medicalsportconsulting, Dr. Frank Frebel
www.medical-sport-consulting.de
 
 
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