Raus aus den Schuhen, rein ins Vergnügen und die Welt befreit erleben
Ohne Schuhe zu laufen ist immer noch das Gesündeste, was man seinen Füßen antun kann. Ganz besonders im Sommer. Immer mehr Barfußparks locken mit Spezialpfaden für nackte Füße.
Brauner Matsch presst sich durch die Zehen und bleibt an den Füßen kleben. Die trocknende Pampe haftet wie eine zweite Haut. Die nächste warme Pfütze dient als Fußwaschbecken, weiche, holprige Grassoden oder Kiesflächen als Massageteppich. Sinneseindrücke, die viele nur noch aus Kindheitstagen kennen. Dabei ist das Barfußlaufen eine der natürlichsten Sachen der Welt und eine Gesundheitstherapie, die – streng genommen – für den Menschen seit Jahrtausenden bewährt ist.
Ob Kies, Sand, Gras, Lehm oder Waldboden – der Verzicht aufs Schuhwerk ist gesund, schafft direkten Kontakt mit der Natur und liefert somit eine ganze Dimension an Sinneseindrücken und positiven Reizen, die heutzutage in der Regel von Schusters Rappen geschluckt werden. Lange bevor der Begriff der Fußreflexzonenmassage erfunden wurde, empfahl Pfarrer Sebastian Kneipp barfüßiges Spazierengehen über taufrische Wiesen. Etwa um den Blutkreislauf anzuregen und das Immunsystem zu stärken. Aber auch, um wieder in die Mitte zu finden. Denn Barfußlaufen hilft Stress und Spannungen abzubauen. Übrigens auch auf städtischem Straßenpflaster oder zu Hause auf dem Teppichboden kann das Barfußlaufen seine positive Wirkung entfalten.
Immer mehr Mediziner sind angesichts der einfachen, aber wirkungsvollen Heilwirkung von den Socken. „Das Barfußlaufen gibt dem Menschen die Bodenhaftung wieder", sagt Matthias Dittes, Heilmediziner von der Waldeck-Klinik in Dornstetten. Ginge es nach ihm, kämen nackte Füße wieder in Mode. „Die unterschiedlichen Reize, die auf die Füße einwirken, stimulieren das Gehirn", so Dittes. Die Koordinationsfähigkeit und der Gleichgewichtssinn würden verbessert, das Gehirn werde insgesamt aktiver. Außerdem werde der Bewegungsapparat gestärkt.
Mit ihrem landesweit ersten Barfußpark wurde die Gemeinde Dornstetten, ein kleiner Luftkurort im nördlichen Schwarzwald, vom Zuspruch regelrecht überrollt. Auf dem 2,4 Kilometer langen Parcours des BarfußPark Hallwangen können Besucher ihre ersten Schritte in ein Schuhbefreites Leben wagen. Natürliche Trampelpfade oder Abschnitte mit Laub, Rinden-mulch, Tannennadeln oder Kopfsteinpflaster sollen die Füße an die neue Freiheit gewöhnen. Künstliche Matschgruben simulieren den „Ernstfall" bei Regenwetter. Die Stationen des „Trimm die Füße"-Pfades sind mit Informationstafeln und konkreten Übungsanleitungen zur Fußgymnastik ergänzt. Der Eintritt ist kostenlos.
Im Sommerhalbjahr treten sich die Besucher an den Wochenenden förmlich auf die Füße. Kinder aus ganz Deutschland toben mit ihren Eltern übers Gelände. Sogar aus Frankreich, der Schweiz und Holland kommen Touristen. Die Deutsche Gesellschaft für Gehirntraining absolviert dort regelmäßig Übungseinheiten, Gruppen von Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten marschieren neben Migränegruppen.
Natürlich ist der BarfußPark Hallwangen auch ein großer Spaß für Menschen ohne Beschwerden. Spielwiese, Waldspielplatz mit Grillstelle oder Picknickplätze laden zum Verweilen ein. Für „gehfaule" Füße bieten die Spielbereiche abwechslungsreiche Aufenthaltsmöglichkeiten. Während aktive Barfußtreter den Gesamtparcours oder die Eingewöhnungsrunde mit 1,4 Kilometern Länge durchlaufen, balancieren die jüngeren Besucher auf Stelzen, wippen und springen auf Riesenplattfüßen oder vergnügen sich in der fantasiereichen Wasserspielanlage.