Das steigende Angebot an Nachhilfe ist eine Reaktion auf die Probleme der Schulen für einen ausreichenden Bildungsstand der Schüler zu sorgen. Sicher: Lernen bedarf der Anstrengung auf beiden Seiten, beim Lehrenden und beim Lernenden. Doch aus den verschiedensten Gründen ist die Situation im Klassenzimmer so schwierig geworden, dass gute Lernergebnisse in vielen Fällen außerschulischer Unterstützung bedarf. Ja, in einigen Fällen kommt es sogar zu Verträgen zwischen öffentlichen Schulen und Nachhilfeinstituten, um Betreuungslücken zu schließen.
Eine fehlende oder nicht ausreichende Unterstützung durch die Eltern verstärkt den Bedarf. In besonderem Maße sind Kinder betroffen, die ihre Nachmittage und Abende allein verbringen müssen. Da kommt es nicht selten vor, dass Kinder die Nachhilfeinstitute als Orte des zeitweisen Aufgehobenseins erfahren.
Dabei sind die Preise für Nachhilfe erheblich. Man muss sie sich leisten können und wollen. Die Verträge der Institute bieten zwar unterschiedliche Tarife, z.B. für Einzel- und Gruppenunterricht, doch ein dreistellige Beträge für einen Monat sind üblich. Die Preise sind weniger von den Stundensätzen der freien Lehrkräfte bestimmt, die oftmals ohne soziale Versicherung und bei akademischer Ausbildung 10 € pro Stunde erhalten und dies noch versteuern müssen.
Das Internet hat auf seine Weise auf den Nachhilfebedarf geantwortet und zu einer Reihe von Foren, Plattformen, Angeboten geführt. Viele von diesen Hilfen sind kostenlos und somit auch für all diejenigen zugänglich, die zumindest einen Internetanschluss haben. Nicht selten handelt es sich dabei um gut gemeinte Hilfe von Schülern für Schüler.
Mit der Leistungsfähigkeit des Internets und spätestens mit dem Siegeszug von YouTube hat eine bemerkenswerte Verbreitung von Lernvideos stattgefunden. Mit geringstem Aufwand, z.B. mit einem Handy, lassen sich Videos produzieren und veröffentlichen. Die Vielfalt der Themen und die Unterschiede in der Qualität sind erheblich. Fast zu jeder Frage, zu jedem Sachgebiet wird man fündig. Ob das vermittelte Wissen, die gegebenen Anleitungen und die Ratschläge richtig sind oder gar höheren Ansprüchen genügen, ist eine andere Frage.
Die erste Phase der Videobegeisterung, bei der Qualitätsaspekte fast keine Rolle spielten, ist vorbei. Das neue Angebot ist ambitionierter. Davon profitieren die Inhalte und das Auge. Bisher nicht kommerzielle Filmemacher finanzieren sich durch Werbung oder vernetzen sich zu Unternehmen. Neue, professionelle Anbieter betreten den Markt.
Der Nachhilfeschüler als Kunde profitiert von dieser Entwicklung. Zum einen können die Preise für online Nachhilfe deutlich unter denen der Präsenznachhilfe liegen ohne fachlich schlechter zu sein. Gerade für einige Schüler, die in Gegenwart eines Nachhilfelehrers gehemmt oder gestresst sind, kann eine online Betreuung die bessere Unterrichtsform sein. Andere Schüler benötigen nicht einen Nachhilfelehrer, sondern schlicht eine leicht verständliche Darstellung des Lernstoffes. fb-Web-Tutor wirbt für seine Mathematik-Nachhilfe bewusst mit dem Satz "Die geduldigste Art zu Lernen". Zeit ist in der Schule eine der knappsten Ressourcen.
Lernvideos müssen keine kommunikativen Einbahnstraßen bleiben. Persönliche Lernbegleitungen, ob nun telefonisch oder per Email, oder auch Hausaufgabenhilfe, können nicht nur Wissen vermitteln und das Lernen fördern. Gut gemacht sind sie ebenfalls mehr als geeignet das Selbst- und Leistungsbewußtsein der Schüler zu unterstützen.
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