(Online-Artikel.de) - Alles auf einmal oder ein Leben lang
Am Ende der Ansparphase steht für viele eine schwere Entscheidung: Sollen sie sich das angehäufte Geld auf einen Schlag auszahlen lassen oder lieber als monatliche Rente?
Das Schöne am Leben ist: Keiner weiß, wie lang es dauert. Das ist aber auch das Ungünstige daran, denn daher weiß niemand, wie lange das Ruhestandsgeld reichen muss. Noch zehn, 15 oder sogar 40 Jahre? Gar nicht so unwahrscheinlich, sagen Bevölkerungsforscher: In den siebziger Jahren Geborene werden mit hoher Wahrscheinlichkeit gut 90 Jahre alt. Wenn sie weiblich und zudem Akademiker sind, stehen die Chancen gut, dass sie sogar den 100. Geburtstag feiern. Umso schwerwiegender ist die Entscheidung, die alle Sparer letztlich treffen müssen – egal wie sie Geld angehäuft haben: Sollen sie sich das Kapital auf einen Schlag auszahlen lassen und dann nach Gusto aufbrauchen oder es lieber monatlich verrenten?
Viele treffen die falsche Entscheidung
Das Aufzehren des Einmalkapitals lässt sich über Auszahlpläne regeln, wie sie Banken und Fondsgesellschaften anbieten. Wer dagegen eine feste Rente bis ans Lebensende wünscht, muss das Angesparte Kapital in eine Rentenversicherung umwandeln. Mehr als die Hälfte der Pensionäre entscheidet sich beim Eintritt ins Rentenalter für eine Einmalauszahlung. Und damit im Grunde für die schlechtere Möglichkeit, sagt das Forschungsinstitut für Asset Management der Hochschule Aachen. Es mahnt die große „Verrentungsscheu" als einen der Kardinalfehler bei der Geldanlage an.
Der tritt sogar weltweit auf: Die meisten Anleger fürchten, dass sie mit Rentenverträgen ein schlechtes Geschäft machen, weil die Renditen im Vergleich zum freien Kapitalmarkt niedrig sind und sie zu früh sterben könnten. Dann nämlich fällt der Rest des Kapitals an die Versicherung und ist dahin. Die Angst ist oft unbegründet, denn viele unterschätzen ihre Lebenserwartung. Wer die Altersgrenze 65 geknackt hat, wird mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch 75 Jahre alt, bezieht also mindestens zehn Jahre Rente. Zu 60 Prozent bekommt er sie sogar 20 Jahre lang. Beim Versicherer Victoria wäre das Lebenskonto damit im Plus: Wer 100000 Euro in eine Sofortrente einzahlt, bekommt monatlich 465,88 Euro. Nach 217 Monaten, 18 Jahren, erhält er also mehr Geld heraus, als er eingezahlt hat. Sollten in den kommenden Jahren jedoch erheblich mehr Personen als bisher eine Rentenpolice abschließen, werden die Versicherer aber wohl ihre Konditionen anpassen.
Zum Vergleich: Wer das Geld auf eigene Faust zum Zinssatz von 2,75 Prozent anlegt, der kann 24 Jahre und sieben Monate lang einen gleich hohen Betrag entnehmen. Dann aber ist das Kapital aufgezehrt und wer länger lebt, hat keine Zusatzgeldquelle mehr. Die Versicherung dagegen zahlt bis Ultimo, notfalls bis 120. Was sich also an einer Sofortrente lohnt, ist nicht die Rendite, sondern der Versicherungseffekt. Zusätzlich können Einzahler das Risiko des frühen Tods absichern, indem sie Garantiezeiten vereinbaren. Dann wird die Rente fünf oder zehn Jahre ausgezahlt, selbst wenn der Versicherte stirbt. Das kostet zwar Renditeabschläge, lohnt sich aber, wenn Hinterbliebene versorgt sein sollen. Wer dagegen einen Auszahlplan festlegt und gewiefter Anleger ist, kann die Rendite solcher Policen übertreffen. Sogar ohne das Kapital anzutasten. Dazu muss er jedoch mit 100000 Euro eine Jahresrendite von acht Prozent erwirtschaften. Dann kann er ebenfalls 465 Euro monatlich entnehmen, und sein Geld wird sogar vermehrt statt aufgezehrt: Nach fünf Jahren besitzt er 113 014 Euro, nach 20 Jahren 201511 Euro. Er zahlt beim Auszahlplan aber dreimal so viel Steuern wie bei der steuerbegünstigten Rentenpolice.
Wichtig bei der Wahl zwischen Rente und Kapital sind drei Fragen: Wie alt werde ich? Brauche ich das Geld für unerwartete Ausgaben? Will ich Angehörige absichern? Die Leibrente ist dabei wie eine Wette auf ein langes Leben, aber mit unerwarteter Gewinnchance: Wer verrentet, sagen Studien, lebt im Schnitt länger, ruhiger und so zufriedener als Selbstanleger.
Variante 1: Rente
Argumente für monatliche Zahlungen
- Das Geld wird stetig und wirklich bis ans Lebensende des Versicherten ausgezahlt. Egal, ob er nun 80 oder 120 Jahre alt wird.
- Subjektiv gesehen empfinden Versicherte den monatlichen Geldzufluss als ständiges Einkommen. Das erhöht ihr Sicherheitsgefühl und dadurch letztlich sogar ihre Lebenszufriedenheit.
- Verluste durch falsche Anlageentscheidungen werden praktisch ausgeschlossen. Die Rendite ist schmal, aber dafür vertraglich garantiert.
Argumente gegen monatliche Zahlungen
- Die einmal gefällte Entscheidung lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Der Anleger legt sich also bis ans Lebensende fest.
- Der Versicherte könnte frühzeitig sterben und dadurch viel weniger ausgezahlt bekommen, als er an Beiträgen eingebracht hat. Eine Fortzahlung an Hinterbliebene kann zwar vertraglich geregelt werden, kostet aber viel Rendite.
- Bei kleineren Beträgen lohnt Verrentung nicht.
Variante 2: Kapital
Argumente für Einmalauszahlung
- Der Anleger kann über sein Geld frei und flexibel verfügen. Er kann es Gewinn bringend weiter anlegen oder sich einen Lebenstraum erfüllen.
- Die Auszahlung aus alten Verträgen, die vor 2005 abgeschlossen wurden und mindestens zwölf Jahre liefen, ist sogar steuerfrei.
- Das Kapital kann an Hinterbliebene vererbt werden; so geht im Todesfall wenig verloren.
Argumente gegen Einmalauszahlung
- Der Anleger trägt das Risiko der weiteren Anlage. Verspekuliert er sich, drohen Verluste.
- Auch bei Entnahmeplänen besteht die Gefahr, dass das Geld zu früh aufgebraucht ist. Der Steueranteil ist bei Auszahlplänen viel höher.
- Anleger empfinden den steten Mittelabfluss als Schrumpfung. Das schmälert die Zufriedenheit.
Unterschiede bei Sofortrente
| Anbieter | monatliche Rente |
| Allianz | 462 Euro |
| Debeka | 475 Euro |
| Gerling | 454 Euro |
| Hamburg-Mannheimer | 469 Euro |
| mamax Leben | 480 Euro |
Quelle: Börse Online