Tatsachenentscheidung "...nicht im Tor..."
2010 spielte England gegen Deutschland. Es war ein Fußballspiel und die 40. Minute im Achtelfinale bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. Da zeigte der Torwart der deutschen Nationalmannschaft auf den Schiedsrichter und der Kapitän der Mannschaft rollte die Kugel über die eigene Torlinie. Wohl überlegt und mit den Mannschaftskollegen abgesprochen.
Sie hatten kurz zuvor einen Kreis gebildet: Eng umschlungen steckten sie ihre Köpfe zusammen und berieten wenige Sekunden: Es war das eindeutige Tor der Engländer welches das Schiedsrichterteam – als Einzige im Stadion - nicht bemerkte. Das passte nicht zusammen mit dem Sportsgeist der deutschen Spieler und mit ihrer Sichtweise von Fairness. Sie waren sich einig: Wir wollen es mit eigener Kraft schaffen und unseren Erfolg nicht mit dem Versagen der Unparteiischen begründen müssen. Für sie war das eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn sie hielten bei dieser unzweifelhaften Fehlentscheidung nichts von dem "Schiedsrichterentscheidungen sind Tatsachenentscheidungen-Gefasel".
Im Fernsehen konnten Milliarden Menschen das Tor der Engländer miterleben und waren von der Reaktion der deutschen Mannschaft begeistert. Ab nun war Deutschland Vorbild und Synonym für Fairness und Ehrlichkeit. Keine zehn Fußballweltmeistertitel hätten mehr Anerkennung und Achtung bringen können. Es ging ein Ruck über die Welt:
Eigennutz, Egoismus und Ellbogen waren out.
Beim nächsten Finanzgipfel der G20 einigte man sich in allen Punkten, um unsere Welt menschlicher zu gestalten. Die Eigeninteressen der einzelnen Staaten traten in Hintergrund. Es ging um das Gesamtwohl aller Erdenbürger. Es waren effektive Maßnahmen gegen Armut und Hunger, gegen die Gefahren einer negativen Klimaänderung und gegen die Destabilisierung der Weltwirtschaft durch außer Rand und Band geratene Finanzspekulationen.
Immer und überall konnte man es spüren - in der Gesellschaft, an den Stammtischen, in der Wirtschaft, in der Politik, beim Sport und im Internet: Die Spezies der Schlitzohren waren auf dem Weg ins Museum.
Robert Lackner
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