Im Jahr 1981 ging der amerikanische Musiksender MTV erstmals auf Sendung. Zur damaligen Zeit handelte es sich dabei um ein völlig neues Format, das beinahe ausschließlich aus Musikvideos bestand. Besonders bei Jugendlichen fand der Sender großen Anklang und war maßgeblich an der Schaffung vieler Trends beteiligt. Das auf junge Zuschauer ausgerichtete Programm zeichnete sich durch viele, schnelle Schnitte aus. Dieser Stil wurde später auch vereinzelt in Spielfilmen übernommen.
MTV konnte schon früh Erfolge feiern und war in den 80er Jahren maßgeblich am Erfolg vieler heutiger Musikgrößen beteiligt. Unter anderem gelang
Michael Jackson, Bon Jovi und Madonna erst mit MTV der große Durchbruch. Seinen Höhepunkt erlebte das Musikfernsehen aber in den Neunzigern.
1993 verbreitete sich Musikfernsehen auch in Deutschland, als der TV-Sender Viva gegründet wurde. Zwar gab es auch vorher bereits erste Versuche, etwa mit dem Sender Musicbox, der später zu Tele 5 wurde, jedoch erreichten die Formate nur ein kleines Publikum. Viva war jedoch der deutschen Jugend in den 90er Jahren hingegen ein fester Begriff. Wie das amerikanische Vorbild schuf auch Viva Stars, darunter unter anderem Stefan Raab, Heike Makatsch und Oliver Pocher. MTV erhielt in den folgenden Jahren zahlreiche Anschuldigungen der Rassendiskriminierung, da bevorzugt Rock-Videos von hellhäutigen Künstlern gespielt wurden. Ende der 90er strahlte der Sender deshalb eine große Anzahl von Rapvideos aus. 1997 ging dann schließlich auch MTV Germany auf Sendung, davor war nur der englischsprachige Sender MTV Europe im Kabelfernsehen zu empfangen.
Um die Jahrtausendwende begannen sowohl MTV als auch Viva, ihre Programme nahezu komplett auf Unterhaltungsshows umzustellen. Musikvideos wurden nur noch zu sehr quotenschwachen Zeiten gespielt. Dieser Trend setzte sich weiter fort, die Sender hatten besonders mit der Konkurrenz durch das Internet zu kämpfen, wo unzählige Musikvideos direkt auf Abruf verfügbar sind, beispielsweise bei
tape.tv. Immer mehr Jugendliche verloren so das Interesse an den einstigen Mediengiganten und heute haben MTV und Viva, die in der Zwischenzeit fusionierten, kaum noch Einfluss auf die Jugendlichen. Anfang 2011 stellte MTV in Deutschland sogar den Betrieb im Free-TV ein.
Heute ist das Internet erste Adresse für das Konsumieren von Musikclips. Musik TV hat in dieser Hinsicht kaum noch Bedeutung und produziert stattdessen ganz andere Formate, die sich vornehmlich um das Leben von Prominenten drehen. Mit Angeboten wie tape.tv können die klassischen Medien in keiner Hinsicht konkurrieren, da die Inhalte dort nach eigenem Belieben abgerufen werden können. Es ist nicht mehr nötig, auf ein spezielles Video zu warten. Musikfernsehen gehört zwar ohne Zweifel fest zur Popkultur, ist im Jahr 2011 aber zweifellos überholt.
Thomas Reinsch (thomasreinsch@live.de)