Wettkampf beim Kickboxen
Die geschichtliche Entwicklung von Kickboxen und Muay Thai könnte unterschiedlicher nicht sein. Während Kickboxen als reiner Wettkampfsport entwickelt wurde, schaut Muay Thai auf eine über 1000 Jahre alte Tradition zurück und wurde als Kampfkunst für kriegerische Auseinandersetzungen ersonnen. Gleichwohl gibt es bei beiden Kampfsportarten im Turniersport viele übereinstimmende Techniken.
Geschichte Kickboxen
Kickboxen ist nach dem 2. Weltkrieg in Nordamerika entstanden. In Asien stationierte US-Soldaten und asiatische Einwanderer brachten Kampfsporten wie Karate, Kung-Fu und Tae-Kwon-Do in die USA. Bald wurden erste Wettkämpfe veranstaltet, bei denen es zu vielen Verletzungen kam, da zu dieser Zeit noch ohne Schutzausrüstung gekämpft wurde.
Bruce Lee, der damals in den USA lebte, hatte in den 1970er Jahren die Idee, Wettkämpfe mit Schutzausrüstung auszurichten. Bald wurden Turniere unter der Bezeichnung All-Style-Karate veranstaltet, in denen die Kämpfer eine einheitliche Schutzbekleidung tragen mussten. Schnell setzte sich die Bezeichnung Kickboxen durch. Die erste Kickboxen-Weltmeisterschaft wurde im Jahre 1974 von Mike Anderson ausgerichtet.
Geschichte Muay Thai
Muay Thai, auch unter der Bezeichnung Thaiboxen populär, ist ein traditionsreiches Kampfsystem, dessen erste Erwähnungen über 1000 Jahre zurückreichen und mit der Gründung Thailands eng verknüpft ist. Mit der Völkerwanderung aus dem Süden Chinas ab dem 9. Jahrhundert ins heute thailändische Gebiet kam es schnell zu territorialen Auseinandersetzung mit den benachbarten Burmesen. Um auch bei Verlust der damals üblichen Waffen wie Schwerter, Lanzen und Messer weiterkämpfen zu können, entwickelten die Thailänder das waffenlose Kampfsystem Muay Thai und perfektionierten es durch die Verschmelzung verschiedener Stile.
Vergleich der erlaubten Techniken
Die Boxtechniken beider Kampsportarten unterscheiden sich nicht. Jab, Gerade, Cross, Aufwärts- und Seitwärtshaken sind aus dem modernen Boxen bekannt. Auch die Beintechniken, die mit der Vorder- oder Rückseite des Fußes auftreffen, sind identisch. Der Umfang der Techniken im Wettkampf erweitert sich beim Muay Thai nun dadurch, dass hierKnie- und Ellenbogenstöße, das Clinchen und sogennante Low-Kicks gegen den Oberschenkel des Gegners erlaubt sind. Wettkampftechnisch kann Kickboxen also als eine abgespeckte Version des Muay Thai betrachtet werden.
Disziplinen
Während beim Muay Thai das Kämpfen mit Vollkontakt die einzige Wettkampfdisziplin ist, werden beim Kickboxen Turniere mit Leichtkontakt, Semikontakt und Vollkontakt als ausgerichtet. Leichtkontakt und Semikontakt unterscheiden sich nur dadurch, dass beim Semikontakt der Kampf für die Abgabe einer Punktewertung nach erfolgter Aktion unterbrochen wird, während beim Leichtkontakt keine Wertungsunterbrechungen stattfinden. Ansonsten wird bei beiden Formen mit leichtem Kontakt gekämpft. Wird der Gegner so hart getroffen, dass er entweder K.O. geht oder durch den Treffer den Kampf verletzungsbedingt nicht fortsetzen kann, führt das zur Disqualifikation des Kämpfers, der diese Wirkung hervorgerufen hat. Beim Vollkontakt ist der K.O. hingegen ein legitimes Mittel, um den Kampf siegreich zu beenden.
Verbreitung
Obwohl Kickboxen immer mehr Zulauf findet, wurde der Kampfsport nie zu einem Volkssport wie etwa Fussball. Vereinsmitglieder finden größtenteils aus Eigeninteresse den Weg in Gyms und Trainingshallen. Selbst Weltmeisterschaftskämpfe werden nur selten vom TV übertragen. Muay Thai hingegen ist in Thailand die Volkssportart Nr. 1.
Michael Demandt
Bildquelle: Ralf Roletschek, wikipedia