Gib Gas, Gustav!
Scharfe Kurven, Volldampf und viel Gummi, das war Realität in Wittgenborn beim historischen Dorfrennen und ein echtes Monaco Gefühl kam sogar auf. Zum 50. Geburtstag des MSC Wittgenborn fand hier ein Kartrennen der besonderen Art auf der ehemaligen Strecke statt. Ein enger Rundkurs von 485 Metern mitten durch das Herz des Dorfes, abgesichert von Prellböcken, die einiges auszuhalten hatten. Da wurden die Anwohner mit Balkonen schwer beneidet, hatten sie doch echte Logenplätze. Start und Zielgerade war in der Waldensbergerstraße, über die Töpferstraße ging es dann in die Dorfplatzstraße und wieder zurück in die Waldensberstraße. Pro Runde brauchten die rasenden Karts etwa 33 Sekunden und kamen damit auf Geschwindigkeiten von etwa 51 Stundenkilometern. Gut, das sind nicht ganz die Zeiten der Formel 1, aber dafür haben die kleinen Flitzer auch nicht die Pferdestärken und die vielen Zuschauer konnten die Rennstrecke entlang ohne Eintrittsgelder zuschauen.
Die Rennboliden mit ihren vor Kraft strotzenden 11 Pferdchen verbrauchen für ihre 390 Kubikzentimerter Hubraum 3,5 Liter Benzin pro Stunde. 20 Teams traten gegeneinander an, manche davon hatten nicht nur heiße Namen, sondern traten auch so auf. An den Start gingen 1. das DMV Team, 2. Walters Super Team, 3. Baudekoration Walz II, 4. die Angelfreunde Erdekaute, 5. Sau gut, Sau schnell mit den Alten Herren der KGW, 6. Baudeko Walz II, 7. Cut and Race vom Salon Petra Jäger, 9. Getränke Blos, 10. Heute raucht's vom AvD, 11. KGW Vollgas, 12. die Moneymaker der Kreisparkasse Gelnhausen, 13. die rasenden Bäcker, das Racing Team Schmidt, 14. die Fire Fighters von der Feuerwehr, 15. die KGW Speed Boys, 16. die KDK's Fun Racer von Klaus Dieter Kolb, 17. die PZW der Kfz Reparaturwerkstatt Paterok, 18. Mandel I und 19. mit Mandel II und 20. MSC Wittgenborn All Stars. Dem einen Team schaute das Maskottchen während der rasanten Fahrt über die Schulter, das andere Team trat mit Bäckermütze auf, ein anderes wieder hatte den Helm gespickt mit grüner Punkfrisur.
Wie Louis Hamilton auf dem Hockenheimring, so kämpften auch hier die Teams verbissen um jeden Meter. In einem 40–minütigen Zeittraining wurde nicht nur die Pole-Position erfahren, man prüfte und schätzte sich auch gegenseitig ein. Dann starteten in je zwei Ausscheidungsrennen die Teams gegeneinander, die mit ihren je vier Fahrern im Wechsel auf die Piste gingen. Ganz wie bei den Großen zahlte sich auch hier die richtige Taktik beim Boxenstopp aus, verlor das Team doch dabei immerhin ungefähr etwa 2 Runden. Die jeweils schnellsten und die letztplatzierten 5 Teams aus diesen Rennen über 40 Minuten traten dann in einem neuerlichen Rennen über je 60 Minuten im A-Finale und im B-Finale gegeneinander an. Da dürfte im Anschluss mancher Fahrer auch den einen oder anderen blauen Flecken haben und auch der Allerwerteste wird sich nachhaltig in Erinnerung bringen.
Aber nicht nur sie oder die Begrenzungen hatten viel zu leiden, auch manches Kart bekam die eine oder andere Beule, einige mussten sogar auf Ersatzfahrzeugen weiterfahren. Selbst ein kompletter Achsbruch war zu beklagen, aber die Ecke Waldensbergerstraße – Töpferstraße hatte es auch richtig in sich, da rettete sich mancher Zuschauer vor Schreck mit einem Sprung nach hinten. Allerdings waren die Sicherheitsvorschriften sehr hoch, sodass niemand gefährdet war. Kein Wunder, dass sich zwischenzeitlich allerhand Flaggen zeigten, die Gelbe Flagge für ein generelles Überholverbot, die Blaue für Überholen lassen, Grün für freie Fahrt und die Schwarz– Weiß karierte Flagge für die Zieleinfahrt. Nicht benutzt wurden die Diagonale Schwarz-Weiße Flagge, die wie die Gelbe Karte als Verwarnung gilt und die Schwarze, die der roten Karte beim Fußball entspricht und Ausscheiden bedeutet. Moderator Botho G. Wagner konnte mit so kernigen Sätzen wie "Immer noch Feuerwehr vor Haarschneider" die packende Rennsituation auf den Punkt bringen.
Damit die Zuschauer auch nebenbei noch einiges zu bestaunen hatten, fanden dazwischen immer noch einige Attraktionen statt. So heizten etwa historische Karts aus den 70er Jahren über die Piste oder Supermotos gaben richtig Gummi. Toll auch die "Promirunde", hierbei konnten die vielen Zuschauer ebenso rasende Badewannen erleben wie ein rollendes Jack Daniels Fass, in dem der Kreisbeigeordnete André Kavai und Bürgermeister Reiner Krätschmer mit Gattin saßen und huldvoll dem Publikum zuwinkten.
Bei diesem Rennen gab es keine Verlierer, so erreichten im A-Finale "Walter`s Superteam" mit Fahrern Walter Prax, Johannes Reis, Lena Heun und Christopher Henning Platz 1. Auf dem 2. Platz landete

"Cut and Race" mit Fahrern Uwe Jäger, Timo Weisgerber, Thomas Jäger, Peter Jäger, Björn Möser und Günter Jürhs. Platz 3 erreichten "Heut raucht`s" mit Fahrern Klaus Hergenröder, Andreas Guth, Christian Drescher, Heinrich Herschenröder, Ulrike Kremer, Hans-Jürgen Kremer, Sylvester Ysenburg, Andreas Gunkel und Dominik Mayer. Im B-Finale waren "KDK`S Fun Racer" mit Fahrern Michael Mayer, Mario Nagel, Maik Nagel, Mario Hunger und Maximilian Modi die Sieger. "MSC All Stars" mit den Fahrern Uwe Jäger, Norbert Eckert, Jürgen Weisgerber, Andreas Weiher waren Zweite und "Mandel II" mit den Fahrern Alfred Eusemann, Thomas Eusemann, Jennifer Elflein und Martin Mandel landeten auf dem dritten Podest. Neben den obligatorischen Pokalen bekamen die jeweiligen Sieger Magnum-Flaschen und die Anderen noch "normale" Sektflaschen, aber das war eigentlich nicht so entscheidend, denn das war, da waren sich alle einig, ein tolles Ereignis und dabei zu sein, war das Größte.
Barbara Hoppe