Man kann sich gar nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die sich überhaupt nicht für die Welt der Mobiltelefone interessieren. Früher war alles besser!, den Spruch kann man sicher auf das Wetter oder vielleicht auch auf die Politik der aktuellen Regierung anwenden, aber im Hinblick auf die Welt ohne Handy passt dies sicher nicht. Was war das früher für ein Ärger mit den Telefonzellen – das wollen heute doch viele nicht mehr wahrhaben. Da war man unterwegs und musste einen Anruf tätigen.
Zunächst suchte man eine Telefonzelle. Hatte man die gefunden, stellte sich heraus, dass hier Vandalen am Werke waren. Sie war unbrauchbar zerstört. Die nächste Telefonzelle war besetzt und es sah nicht so aus, als ob der Telefonierer Lust hatte, sich kurz zu fassen, nur weil draußen einer auf das Telefon wartete. Selbst wenn man eine freie Zelle gefunden hatte, gab es oft das Problem mit den Münzen. Man musste immer das passende Kleingeld dabei haben oder später dann eine Geldkarte. Was könnte daran gut sein? Heute holt man sein Mobiltelefon aus der Tasche und ruft den gewünschten Partner an. Zu jeder Zeit und an jedem Ort, es sei denn man befindet sich in einem Funkloch, irgendwo in einem tiefen Tal. Selbst im Ausland ist man nicht mehr ohne Telefon.
Musste man früher irgendwelche Telefonzellen-Batterien in Postämtern oder an Bahnhöfen ansteuern um nach Hause telefonieren zu können, da nimmt man heute einfach sein Mobiltelefon hervor und telefoniert, wohin man will. Italien-Urlauber benötigten nicht selten gettone telefonico, sogenannte Telefonmarken, die man nur in Tabak- und Schreibwarenläden bekam, um die öffentlichen Fernsprecher zu benutzen. Das war zwar etwas umständlich, aber die Italiener sind ein Telefon-verrücktes Volk und daher waren dort selbst an den entlegendsten Orten kleine rote Telefone aus robustem Metall, mit denen man mit gettoni oder Münzen in die ganze Welt telefonieren konnte.
Die Italiener waren auch das Land, das die Mobiltelefone schon Anfang der Neunziger im großen Stil adaptiert hatte. Selbst Teenager besaßen in Italien zu der Zeit schon ihr persönliches „telefono". Da hat man in Deutschland die Leute noch belächelt, die im Bus oder auf der Straße scheinbar mit sich selbst sprachen. Und heute gibt es in Deutschland mehr angemeldete Handys als Bewohner. Das liegt an den mittlerweile etwas moderateren Mobilfunk-Tarifen aber auch daran, dass es auch richtig
günstige Handys mit Vertrag gibt. Was sollte also früher besser gewesen sein?
Andreas Mettler