Seit 2001 erhebt das US-Beratungsunternehmen Gallup jährlich die Studie zum Engagement und zur Motivation deutscher Arbeitnehmer (Engagement-Index). Im jüngsten Bericht wurden Ende Oktober bis Ende November 2008 knapp 2000 Arbeitnehmer ab 18 Jahren telefonisch interviewt.
Basierend auf zwölf Aussagen zu Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld werden die Befragten jeweils einer von drei Bindungsgruppen zugeordnet Arbeitnehmer mit„hohe emotionale Bindung", diese sind ihrem Arbeitsplatz emotional verpflichtet. Sie sind loyal, produktiv, haben weniger Fehltage. Die Arbeitgeber profitieren von geringer Fluktuation. In die zweite Gruppe werden die Mitarbeiter mit „geringe emotionale Bindung" eingeordnet. Diese Arbeitnehmer leisten „Dienst nach Vorschrift". Sie sind zwar produktiv, aber dem Unternehmen nur eingeschränkt emotional verpflichtet, sie haben mehr Fehltage und verursachen höhere Fluktuationskosten. In der dritten Gruppe schließlich werden die Mitarbeiter zusammengefasst, die„keine emotionale Bindung" zum Unternehmen verspüren. Diese Arbeitnehmer arbeiten aktiv gegen die Interessen des Unternehmens und haben vielleicht auch schon die innere Kündigung vollzogen. Sie sind psychisch nicht präsent. Sie sind mit ihrer Arbeitssituation unglücklich und lassen Kollegen dies auch wissen.
Als Ergebnis der Umfrage bleibt auch diesmal, wie bereits in den Vorjahren ähnlich gravierend festgestellt, festzuhalten, dass lediglich 13 % der Arbeitnehmer loyal zu Ihrem Unternehmen stehen, 67% eine geringe emotionale Bindung verspüren und 20% der Mitarbeiter bereits innerlich gekündigt haben. Die Folgen sind sowohl für die Leistungsfähigkeit der Unternehmen als auch für die Volkswirtschaft messbar. Die schwache bzw. nicht vorhandene emotionale Bindung führt gem. Gallup bei den betroffenen Arbeitnehmern zu zusätzlichen zwei bis vier Fehltagen im Jahr und verursache gesamtwirtschaftliche Mehrkosten von bis zu 109 Milliarden Euro pro Jahr.
Bei rd. 27 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Bundesrepublik ergibt sich so ein jährlicher Betrag von 4.000,00€ pro Beschäftigtem der wirtschaftlich verpufft. So kann jeder Unternehmer für sein Unternehmen, oder auch jede Führungskraft für ihren jeweiligen Verantwortungsbereich schnell grob ermitteln, welches ungenutzte Potential hier brach liegt.
Die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens hängt im Wesentlichen von der Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter ab. Unternehmer und Führungskräfte, die dies erkannt haben sind so in der Lage, auch in der momentan wirtschaftlich schwierigen Zeit, Mitarbeiter durch gezielte Personalarbeit in Form von offener Kommunikation und wertschätzendem Umgang zu binden und die Quote loyaler Mitarbeiter zu heben um sich so einen strategischen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Denn loyale Mitarbeiter sind nicht nur effizienter, sondern das Unternehmen profitiert ferner von der positiven Außenwahrnehmung durch Kunden und Lieferanten.
Peter Münnich