Potenziale und Perspektiven
Auch wenn zumindest in einem turnusmässig anzusetzenden Mitarbeitergespräch arbeitsrechtliche Punkte eine wohl eher geringe Rolle spielen dürften oder sollten, so ist ein solches Gespräch trotzdem ein wichtiger Meilenstein in der persönlichen und beruflichen Entwicklung. Ein offenes Gespräch sollte daher nicht so sehr als Kontrollpunkt, sondern eher als Weichensteller für die Ausschöpfung von Potenzialen beleuchtet werden. Es sollen Sensoren dafür entwickelt werden, mit denen auch individuelle Mitarbeitersituationen erfasst werden können, um kontinuierlich für Verbesserungen sorgen zu können. Deshalb sollten Mitarbeitergespräche regelmäßig und gezielt als Führungsinstrument eingesetzt werden. Das Mitarbeitergespräche funktioniert gewissermaßen als 360-Grad-Radarschirm, mit dem insbesondere auch „weiche" Personalfaktoren umfassend identifiziert, differenziert abgebildet sowie systematisch bewertet werden können.
Vgl. Becker, Jörg: Potentialorientierte Mitarbeitergespräche, ISBN 9783837051803.Aus den Ergebnissen (beispielsweise einem Potenzial-Portfolio) können Vorgesetzter und Mitarbeiter gemeinsam fundierte, abstimmungsfähige Maßnahmen- und Handlungsempfehlungen ableiten. Die Potentialorientierung unterstützt die Früherkennung künftiger Chancen und Risiken. Da eine reine Status-quo-Beurteilung auf Dauer nicht ausreicht, kann diese hinsichtlich künftiger Perspektiven des Mitarbeiters erweitert werden. Ein gut aufgebautes und vorbereitetes Mitarbeitergespräch ist ein Gradmesser, der zeigt, wie der Mitarbeiter auf seiner weiteren Wegstrecke vorangekommen ist. Es kann nicht nur das „Was-ist", sondern auch das „Was-sein-könnte" (Potenziale, Perspektiven des Mitarbeiters) verdeutlicht. Mit den Möglichkeiten, Miarbeitergespräche nicht nur potential-orientiert zu planen sondern auch in größerer Zahl systematisch und strukturiert analysieren und auswerten zu können, könnte der Informationszuwachs für die Unternehmensseite besonders hoch und wertvoll sein. Insofern ist dieses Instrument für Zwecke der Wissensbilanzierung und Identifizierung von Intellektuellem Kapital nicht nur eines unter mehreren oder gar vielen. Es ist vielmehr ein lebenswichtiger Seismograph direkt am Lebensnerv des Unternehmens und mißt einem Blutdruck oder Pulsschlag vergleichbar wichtige Werte.
Vgl. Becker, Jörg: Potentialorientierte Mitarbeitergespräche, ISBN 9783837051803.Durch eine dadurch mögliche Erweiterung des Blickwinkels von Einzelpersonen auf Personengruppen, Abteilungen bis hin zum ganzen Unternehmen können vielleicht auch bisher noch unerkannte oder unbeachtet gebliebene Synergiepotentiale gehoben werden. Ähnlich überlagernden Wellen können solche in Einzelgesprächen aufgedeckten Wirkungsbeziehungen und Potentiale bei einer Einbeziehung von Personengruppen möglicherweise noch größere Hebel- und Rückkoppelungseffekte auslösen oder aber auch sich gegenseitig neutralisieren und aufheben. Die angesprochene Potentialorientierung könnte somit auf der Dringlichkeitsstufe noch höher steigen.
Jörg Becker
www.beckinfo.de