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Mit Taliban-Methoden gegen Muslime

Autor: akellner | Erstellt am: 29.01.2010 | Gelesen: 719
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Das Verbot der Burka in Frankreich. Sarkozy als Frauenrechtler.

Man erinnert sich nur noch dunkel - wenn das Wortspiel hier erlaubt ist - an die Zeit vor dem Einmarsch der westlichen Armeen in Afghanistan, damals auch offiziell das Land der Taliban. Die Burka, das den ganzen Körper verdeckende Gewand, war für alle Frauen vorgeschrieben, wollten sie sich in der Öffentlichkeit bewegen. Zuwiderhandlungen konnten tödlich sein.

Nun dreht das Burka-Verbot, das diese Woche von einer überparteilichen Kommission in Frankreich vorgeschlagen und von Präsident Nicolas Sarkozy praktisch bereits verkündet wurde, den Spieß um. Künftig soll das Tragen der Burka und aller anderen zur muslimischen Tradition gerechneten Gewänder, die Frauen bis auf Sehschlitze (Nikab) oder -gitter (Burka) verhüllen, im "öffentlichen Raum" verboten sein. Im Klartext: Mit Burka kommen Musliminnen in Zukunft weder in einen Bus noch in das Foyer eines Amtes. Und wenn es nach einigen Mitgliedern der Kommission gegangen wäre, würde sich das Burka-Verbot auch auf alle anderen Plätze außerhalb des Hauses der Trägerin erstecken. Man zweifelte da aber dann doch an der Durchsetzbarkeit.

Das Problem der Burka sei kein religiöses, sondern eines der Freiheit und Würde der Frau, so war Europas berühmtester Frauenrechtler, der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, im Parlament zu vernehmen. Mitglieder der Burka-Kommission taten sich mit Bemerkungen über die Rückständigkeit der islamischen Gesellschaft gegenüber der westlichen, also einzig gültigen, zivilisierten Kultur hervor.

Was steckt dahinter? Die Sorge um die Frauenrechte kann man getrost als glatte Lüge abtun. Nicht nur die Person des Präsidenten spricht dafür. Niemand in der Burka-Kommission ist überhaupt auf die Idee gekommen, sich ein Bild von den Empfindungen und Gedanken über Würde von Burka-Trägerinnen zu machen. Das wusste man offenbar auch ohne je mit einer Muslimin gesprochen zu haben, die sich - gezwungen oder freiwillig - verhüllt.
Aber selbst wenn man - warum auch immer - dem Staat zugestehen wollte, er wisse schon, was gut für seine Bürgerinnen sei, muss uns noch jemand eines erklären: wie die Würde einer Frau dadurch gefördert wird, dass sie sich vor dem Einsteigen in einem Bus ausziehen muss.

Bei nur etwa 2000 verhüllten Frauen in ganz Frankreich ist das zukünftige Gesetz aber auch mit der in Europa wachsenden Islamismus-Paranoia nicht hinreichend erklärt. Obwohl diese mit Sicherheit mitschwingt - denn, mal unter uns, wer weiß schon, was unter der Burka steckt?

Was aber sind die tatsächlichen Absichten hinter dem Burka-Verbot? Ein absichtlicher Schlag ins Gesicht aller Muslime in Frankreich, wie im Fall des ebenso traurig-lächerlichen Minarett-Verbots in der Schweiz? Ja, mit Sicherheit. So eine Chance lässt sich eine zivilisierte Kulturnation schließlich nicht entgehen.

Vor allem aber ist das Burka-Verbot in Frankreich eines: Einer der billigsten und effektivsten Möglichkeiten für Sarkozy, sowohl linke wie auch rechte Wähler auf seine Seite zu ziehen; gemeinsames Ausgrenzen funktioniert immer. Und genau wie in der Schweiz vereint das Gesetz in Frankreich Rechte und Linke; der Kommunist Gerin, sonst ein erbitterter Gegner des Präsidenten, war eine der treibenden Kräfte in der Burka-Kommission.

Die Burka wird in Frankreichs Öffentlichkeit verboten. Die Zivilisation hat gesiegt. Weiter geht es in Afghanistan, wo die eigentlichen Taliban sind.

Andreas Kellner
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