Mit pochendem Swarovski Herzen durch Montmartre
Das Pariser Atelier von Nakatomi Fashion liegt in der Rue Francoeur und befindet sich somit inmitten des 18. Arrondissements von Paris. Dem kundigen Paris Touristen ist dieser Stadtteil besser unter dem Namen Montmartre bekannt. Wer Paris besucht hat, und Montmartre von seiner Agenda ausgeschlossen hat, muss diesen Fehler bei einem erneuten Besuch definitiv nachholen. Und das nicht nur, weil in Montmartre der höchste Punkt der Stadt ist und man von dort einen wunderbaren Blick über ganz Paris werfen kann. Montmartre hat viel mehr zu bieten. Zum Beispiel die berühmte Basilika Sacré Coeur und den von Künstlern bevölkerte Place du Tertre, auf dem Karikaturisten und Maler auf Kundschaft warten.
Da dieser Parisbesuch nicht mein erster ist, kenne ich mich hier recht gut aus. Es wäre schade, wenn ich heute zum ersten Mal hier wäre, denn für all diese Sehenswürdigkeiten und den wunderbaren Flair dieser Gegend, habe ich in diesem Moment kein Auge. Es ist, als würde ich durch dichten Nebel gehen, der die Sicht auf alles Schöne und Sehenswerte nicht zulässt. Und doch bin ich froh, dass meine Grobmotorik noch funktioniert. Meine Beine tragen mich vorwärts. Vorwärts in Richtung Rue Francoeur, zum Atelier von Nakatomi Fashion.
Es geht um nichts weniger, als um meinen Einstieg ins Modelbusiness. Und obwohl ich gestern wie die Jungfrau zum Kinde auf den Catwalk der Prêt-à-porter Show kam und allem Anschein nach eine sehr gute Figur gemacht habe, bin ich gar kein Model. Ich bin noch nicht mal bei einer Agentur unter Vertrag. Ich bin Modedesignerin. Meine Aufgabe ist es eigentlich Kleidung zu entwerfen und nicht, sie vor Publikum und Presse vorzustellen. Und jetzt gehe ich zu einem Fotoshooting, nach dessen Ende entschieden wird, ob ich das Gesicht für die neue Nakatomi Herbstkollektion werde.
Die letzten vierundzwanzig Stunden waren so unglaublich, so geprägt von Zufällen, dass ich mittlerweile fast an Vorherbestimmung glaube. Es gab einen zufälligen Besuch im Backstagebereich der Nakatomi Fashion Show, obwohl ich als Einkäuferin für das Modegeschäft meiner Mutter eigentlich im Zuschauerbereich sitzen sollte. Dazu kam ein Model, das auf dem Weg zur Modenschau einen Unfall hatte, sich das Bein brach und ins Krankenhaus musste. Zum krönenden Abschluss entdeckte Hiroito Nakatomi höchstselbst eine frappierende Ähnlichkeit zwischen mir und dem unpässlichen Model und schickte mich an ihrer Stelle auf den Catwalk. Wenn das keine Vorherbestimmung ist, dann weiß ich auch nicht weiter.
Und trotzdem erlaube ich mir nicht den geringsten Fehler. Meine Vorbereitung ist tadellos. Ich bin konzentriert, pünktlich und habe meinen Talisman dabei. Ein Glück bringendes Silberarmband aus dem Internetshop www.gogoritas.com, das mit roten und diamantfarbenden Strasssteinen von Swarovski geschmückt ist. Das Armband ist für mich so besonders, weil es ein Geschenk von meiner Mutter ist. Deswegen sind die Strasssteine auch keine einfachen runden Steine, sondern haben eine Herzform.
Und jetzt drücke ich mit klopfendem Herzen auf die Klingel zum Atelier. Meine Aufregung steigt ins unermessliche, als ich merke, wer mir die Tür aufmacht. Es ist Daniele Rossario, der unverschämt gut aussehende Assistent von Hiroito Nakatomi, vor dem ich auf der Modenschau kaum ein vernünftigen Satz rausbekommen habe. Reiß dich jetzt bloß zusammen Julia.