Die Hetz-Kampagne gegen den Bundespräsidenten ist ein Skandal und wirft die Frage auf:
- Wieweit hat sich die deutsche Gesellschaft zum Positiven verändert?
- Und was bedeutet die „insgeheime Paktbildung mit den Tätern?“
Härte / Unerbittlichkeit / Gewalt waren in meiner Kindheit unter Hitler selbstverständlich. Rücksichtnahme und Einfühlung waren bei der grausamen Härte der frühen Erziehung zum Blinden Gehorsam nur im Verborgenen wirksam, als „Schwäche“ verkannt und verfolgt.
Ich habe in den 43 Jahren meiner Praxis für Familientherapie und Psychoanalyse unorthodox gearbeitet und begriffen, wie es dazu kommen konnte – und wie es gegenwärtig vor Augen aller Welt noch immer dazu kommen kann. Dass wir Freund und Feind nicht unterscheiden und deshalb Opfer und Täter verwechseln können.
Was da in den Medien für eine Kampagne zur Verfolgung und zum Schädigen einer von mir seit Jahren besonders fortschrittlich und sympathisch empfundenen Politikerpersönlichkeit geschieht, das darf nicht unkommentiert bleiben.
Gerade Christian Wulff – wie auch Heiner Geißler sind für mich auffallend positive Erscheinungen in einer etablierten Partei.
Es schien mir, als ob es den Verfolgern in dieser rufschädigenden Kampagne darum ging, unbedingt in der Vergangenheit unseres gegenwärtigen Bundespräsidenten gesetzeswidriges Verhalten auszugraben, um ihn – „ den Feind“ – zu entlarven / bloßzustellen / in seiner Glaubwürdigkeit herabzustufen, ihn zum Rücktritt zu bringen, als wäre er ein Diktator!
Was für eine Absurdität! Was für ein Irrtum!
Ich jedenfalls war ja gerade deshalb von Wulff begeistert, weil er, als Vertreter der 2. Nachkriegsgeneration, nicht mehr wortgewaltig auftreten musste.
Und uns, dem deutschen Volk, 66 Jahre nach Kriegsende – Nicht durch autoritäres: „unfehlbares“ Verhalten den „machtvollen Garanten“ für „erfolgreiche Feind-Suche und Vaterlands-Verteidigung“ mehr demonstrieren musste.
Froh können wir sein und dankbar – bei unserer schrecklichen Vergangenheit, die ja durch das Verhalten von Menschen verursacht war – nicht durch „Schicksalsschlag“ oder „Naturgewalt“ – dass wir eine dermaßen fortschrittliche und gesunde, geduldige und friedfertige Persönlichkeit im höchsten politischen Amt überhaupt jetzt haben.
Und es ist ja bereits „eine andere Zeit“:
Wenn ein deutscher Würdenträger fähig ist, sich für seine möglichen „Verfehlungen oder Versäumnisse“ zu entschuldigen, die mir und vielen Anderen sowieso fragwürdig und an den Haaren herbeigezogen vorkommen, und auch noch fähig ist zu sagen, dass er aus seinen Fehlern lernen will, so ist das für mich ein Zeichen psychischer Reife und Gesundheit!
Weil es die Voraussetzung ist für eine andere, eine friedliche und freundliche Gesellschaft. Jeder Einzelne trägt dazu bei – oder nicht.
Für Machtmenschen, den autoritären Charakter aller früheren Generationen, dagegen gilt: „was ich einmal gesagt oder getan habe, dabei bleibe ich“. Mit anderen Worten heißt das, ich bin stolz darauf, „lernunfähig“ zu sein.
(Also eine Form von Irrsinn, Realitätsverkennung. 10 Jahre Militärdienst in Afghanistan, das ist dabei herausgekommen. Merkt das mal Einer?)
Wer ruhig, vernünftig, besonnen, vor allem friedlich argumentiert, wer freundlich und sympathisch auftritt, was halten wir von dem? Wenn der sich wagt, sich in ein mächtiges Amt wählen zu lassen? Darf der das denn überhaupt?
Müsste er denn nicht dazu kernig auftreten? Am besten seine Selbstüberzeugtheit ein bisschen bedrohlich rüberbringen?
Ist das nicht ein Armutszeugnis? Dass wir in der vierten Nachkriegsgeneration noch immer vom „autoritären Vater“ fasziniert sind? Die Hälfte unseres Volkes? den Umfragen nach.
Das hieße ja, wenn Einer an der Spitze durch sein bestimmendes Auftreten imponiert: Der wird als Retter der Nation bejubelt? In welcher Zeit leben wir denn?
Das kann ja nur bedeuten, dass wir früh zum Gehorsam erzogenen ein drahtiges wortgewaltiges Auftreten ( am besten noch drohend) „als dankenswerte Überlebens-Garantie“ eingeprägt bekommen haben.
Und nicht umgelernt und nichts dazugelernt haben.
Brauchen wir so Einen noch immer? Als „Überlebens-Hilfe“?
So einen wie Bush mit seinem Irakkrieg für Amerika es war?
Aus unserer Vergangenheit lernen, heißt es so oft und so leicht.
Dass wir einen Bundespräsidenten haben, der fähig ist, eigene Fehler zuzugeben und auch noch aus ihnen lernen zu wollen, das kann uns Hoffnung machen. Dass wir vielleicht doch auf dem Wege zu einer sich verändernden friedlichen Gesellschaft sind.
Eine friedliche Gesellschaft?
Die gar kein Interesse mehr hat, „den internalisierten Feind“ draußen zu finden, ihn abzuwerten, zu verfolgen, zu quälen und zu terrorisieren – und letzten Endes umzubringen
Wie es in den Ausländermorden geschehen ist. Weil der Hitler verherrlichende Rechtsradikalismus/Neofaschismus noch zu viele Anhänger hat in unserem Land. Mit einer ähnlich grausamen Früherfahrung, der Konditionierung zur sofortigen Selbstaufgabe im Gehorsamszwang.
Der erfolgreich Gefühle abgetötet hat. „Ausländerhass“ ist ein Anpassungsphänomen an den tödlich bedrohenden Gewalttäter in der Kindheit. In der totalen Abhängigkeit und eigenen Machtlosigkeit des Kindes, dessen Weiterleben nur durch absolute Kongruenz mit dem Mächtigen / dem Täter, im Denken und Tun garantiert war. Einfühlung/Mitgefühl mit einem „Schwachen“ existiert dann aber nicht mehr, würde ja geradezu „verboten“ sein.
Auf der Seite der „Schwachen“ zu sein, hieße, todesmutig ein „Anders-Sein“ zu wagen. Würde bedeuten, „Schwäche“ zu riskieren: vom gnadenlosen / unerbittlichen früh erlebten Mächtigen (nach alter Erfahrung) – Mit dem Tode bestraft zu werden.
Das ist psychodynamisch der Grund, wenn diese mordenden Täter keine Reue, keine Schuldgefühle kennen. Sie empfinden sich als „Machtkonform“ – also gehorsam / brav! Deshalb sind sie tatsächlich „Willige Vollstrecker“ einer tödlichen Gewalt. Das ist fraglos Wahnsinn. Aber viele Generationen lang war das „Das Normale“ !
„Der innere Kriegszustand“ / das archaische Feindintrojekt als Folge der früher üblichen, unerbittlichen-strengen Gehorsamserziehung am Säugling / Kleinkind, die „Schwarze Pädagogik“, ist noch destruktiv wirksam. Verantwortlich für die „insgeheime Paktbildung“ mit den „Tätern“ die sich in letzter Zeit immer spektakulärer inszeniert.
Endlich aller Welt sichtbar, entlarvt sie sich selbst immer eindeutiger: Inzwischen, so denke ich, sind die Menschen mit einem gesunden „Friedenspotential“ – das gar keinen „inneren Todfeind“ mehr kennt, eine andere, mildere Sozialisation erfahren hat – zunehmend in der Mehrzahl. Sie sind fähig, sich einzufühlen/mitzufühlen mit dem Angegriffenen.
Und es sind diese Menschen mit emotionaler und sozialer Kompetenz, die unter Schock gestanden haben, in diesen Wochen verrückter, gnadenloser Hetz-Kampagne gerade gegen einen besonders freundlichen, ruhigen, friedlichen und sympathische Politiker im höchsten Amt.
Und das gerade gegenüber Einem, der gar keine Feindsuche will. Der keine verächtlichen abwertenden Bemerkungen gegen „gefundene“ Feinde überhaupt äußert. Wie das im Parlament unter den Parteien als „Parteiengezänk“ auch heute noch üblich zu sein scheint.
Bis auf wenige liebenswerte Ausnahmen.
Das habe ich bei den Parlamentsdebatten immer ausgesprochen unsympathisch gefunden. Auch wenn mir mit der Zeit bewusst geworden ist, dass die verächtlichen Feindsucher garnicht wahrnehmen und wissen, wie sie wirken. Weil sie ja auch „Opfer des Anpassungszwangs“ sind: an den unfreundlichen und abfälligen Ton in Familie/Schule/am Arbeitsplatz. Der hat früher als „typisch deutsch“ gegolten, ist Fremden/Ausländern aufgefallen.
Natürlich wird ein unfreundlicher konkurrenter oder gefühlsarmer bis emotionsloser Umgangston nur denen auffallen, die durch eine andere, freundlichere Sozialisation „Herzlichkeit im Umgang miteinander“ überhaupt erleben konnten.
Was wir brauchen, ist ein Anwachsen lebenserhaltenden Potentials.
Dass sich der zwischenmenschliche Umgang zum positiven verändert, ist unser aller Aufgabe, ist die Aufgabe jedes einzelnen von uns!
Es ist nicht mehr zu übersehen, dass die jüngeren Generationen dazu viel eher in der Lage sind.
Und viele versuchen es schon länger, im Konsens mit Anderen mehr Lebensfreude zu finden, mehr Sympathie füreinander - und in gegenseitiger Anerkennung/Unterstützung eine das Leben lohnende Gemeinschaft zu schaffen.
Die Aufgabe der Politiker ist dringend, für Gerechtigkeit zu sorgen! Die Bevölkerung ist geschockt, Angst bedrückt die Menschen. Viele müssen mit zu wenig Geld durchkommen. Und dagegen „Die Milliarden zur Rettung der Bankiers“ – und das auf Kosten der Steuerzahlenden! ohne Rückführung der Steuersatz-ermäßigung um 11 % vor 10 Jahren. Von dem nur die Wohlhabenden Gewinn hatten und keine neuen Arbeitsplätze damit geschaffen wurden. Das muss „Das Volk“ ja alles aushalten, Verkraften. Und noch „irgendeinen Lebenssinn“ darin finden, Lebensmut behalten. Und das bei den Angst schürenden Medienberichten: Über Katastrophen, wie viele Tote es wieder gegeben hat, Morde, Amoklauf, Kriegseinsätze. Was wird da dem ohnehin schon gestressten oft vergeblich bemühten Bürger zugemutet?
Dennoch: Diese verrückte Verfolgungsjagd der Presse gegen unseren nun wirklich friedlichen, freundlichen und sympathischen Bundespräsidenten ist dermaßen spektakulär zwanghaft bösartig, so dass jeder sich fragen kann: Wozu ist das gut? Das höchste Amt im Staate so zu schädigen? In dem alles daran gesetzt wird, mit den niedrigsten Mitteln der Indiskretion, seinen Ruf zu schädigen, in „zu kriminalisieren“? Wem dient das?
Es ist Zeit, dass „wir aus dem Volke“ – unsere Meinung sagen.
Dr. Christiane Behrendsen