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mein Weg zu dem Einen

Autor: NeDo | Erstellt am: 26.09.2008 | Gelesen: 47745
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: rateArateArateArateArateB
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(Online-Artikel.de) - es ist eine lange Suche, noch länger ist der Weg dahin.

nicht die Fragen machen uns sorgen, sondern die Antworten allein
nicht die Fragen machen uns sorgen, sondern die Antworten allein
Ich weiß nicht, wer ich bin und was ich bin. Ich weiß weder mein Sein noch mein Wesen zu verstehen. Ich weiß auch weder die Wahrheit meiner Existenz noch die Vieldeutigkeit meiner Erscheinung. Ich weiß nicht, woher ich stamme und wohin ich steuere. Meine Vergangenheit liefert mir nur noch mehr Fragen und keine Antworten, meine Zukunft liefert mir Angst und gibt mir keine Sicherheit… Enttäuschungen und keine Hoffnungen!! Ich bin mir meiner Unwissenheit bewusst, ich bin mir meiner Unklarheit klar… eine Winzigkeit… ein Sandkorn in einer ausgedehnten Wüste… ein Wassertropfen in einem strandlosen Ozean!! Ich bin meinem höchsten Feind kraftlos ausgeliefert, meinem verzweifelten nach Antworten verlangenden Ich.

Was ist meine Freiheit von meinem Schicksal? Was ist mein Wille von meiner Vorbestimmung? Was ist meine Vollkommenheit von meiner Unzulänglichkeit? Wie viele Träume platzten im Himmel meiner realen Welt wie Seifenblasen? Wie viele Enttäuschungen metzelten ihre Namen in mir? Wie deprimierend ist die Betrachtung meiner Betrachtung: ohne meinen Willen und ohne meine Ahnung wurde ich geschaffen und in diese Welt hineingetrieben und zum Leben und Durchkämpfen verurteilt. In was für Umständen fanden wir uns? In armen oder in reichen Familien sind wir geboren? Mit welcher Hautfarbe und Muttersprachen sind wir geboren und aufgewachsen? Mit welchen genetischen Informationen, Erkrankungen, mit welcher Psycho und mit welchem Verstandsvermögen sind wir in diese Welt gekommen? Wo ist mein Wille von all dem? Mit all diesen Tatsachen sind wir einer fremden trostlosen Welt überlassen, und meine einzigen Gefährten in solcher Welt sind mein Zweifel und meine Fragen.

Eine Reihe von fremden Begebenheiten beeinflussen meine Existenz ständig: ich hab mein Land so wenig gewählt, wie ich meine Zeit und meine Familie gewählt habe. Ich werde in meiner Einsamkeit immer einsamer und in meiner fremden Welt immer fremder. Ich bin hierher verpflanzt worden und sollte in einem sinnlosen Kampf meine Existenz verteidigen! Doch von wie vielen fremden und äußeren Faktoren ist diese Existenz abhängig? Von wie vielen Faktoren, die mir nicht mal bewusst sind!! Wie wenig sind die Dinge, worüber wir Kontrolle haben und wie viele die Dinge sind, die außer unserer Kontrolle passieren und uns ständig bedrohen!! Ohne Schützer! Ohne sichere Hoffnung! Ich vermag wenig zu ändern, jedoch das meiste vermag mich zu ändern. Ich bin der Kernpunkt einer Welt, die mich als bloßes Element an seinem Rand sieht, jedoch ist in meiner Welt selbst ein bloßes Element. Als Fremder versuche ich meinen Weg zu finden. Ich kenne die Gefahren und meine Feinde nicht, weshalb ich mich nicht zu verteidigen weiß. Ich kenn meine Vorteile und meine Gunsten nicht, weshalb ich mich nicht zu orientieren weiß. Ich bin meinen Schwächen, Ängsten und Zweifel schutzlos ausgeliefert… ich rufe und keiner will mich hören… ich weine und keiner will mich trösten… jeder ist in seiner Scheinwelt vertieft… ich bin einsam und deprimiert.

Zwischen all den trügerischen Scheinen sind meine Leiden die einzige Wahrheit. Meine Freiheit ist eine kleine Ausnahme meiner Einschränkung. Mein freies Handeln ist ein anderes Gesicht für die deterministische Folge der äußeren Ereignisse. Ich leide an und unter Leid… der quälende Drang zu wissen… der unstillbare Durst nach bloßen Antworten. Ja, mein ganzes Leben ist ein leidvolles Leid an Leid. Wer tröstet mich in meinen Verlusten? Wer gibt mir meine geraubte Gerechtigkeit zurück? Wer akzeptiert mich in meiner absoluten Wahrheit, als einen Haufen bloßer Tatsachen und nicht voller Erwartungen? Als So-Sein und nicht als Können-Sein? Wer besitzt mein Geheimnis und bewahrt es? Wem vertraue ich meine Wunden, um sie zu pflegen?

Ich werde immer missverstanden und meine Existenz, die ich nicht erfassen kann, stößt immer auf keine passende Anerkennung. Meine besonderen Momente, meine Träume, meine Wünsche und Hoffnungen, meine Enttäuschungen und Erinnerungen sind mein eigener wahrer und wertvollster Besitz, jedoch sind sie für die Welt bedeutungs- und wertlos!! Die Welt und die Natur halten sich meinetwegen und wegen meiner Trauer nicht an, denn sie halten nichts davon, was ich von ihnen halte. Die Welt beinhält mich, obwohl ich sie eigentlich beinhalte! Vielleicht vermag ich meine Leiden subjektiv minimal verringern, jedoch bleiben die Leiden als objektive absolute Wahrheiten in der Welt immer da und unverändert, deshalb ist mein Kampf in der Welt, die mich beinhält, eine sinnlose Illusion, ein vergeblicher Unfug ohne Anfang oder Ende.

Meine freie Vernunft erkennt die Fesseln meiner materiellen Existenz. Ja, ich hab diese verzweifelten und beängstigenden Gedanken für mich geschaffen und gab ihnen Gesichter und Namen, so dass sie vertraute Wahrheiten wurden! Ich hab sie mit meiner Vernunft erkannt und hab ihnen mit meinem Verstand nachgefragt und dann ließ ich mich durch meine eigenen Geschöpfe einsperre. Ich hab meine Ängste Körper und Leben gegeben, und hab mich für ein gemeinsames Leben mit ihnen entschiedenen. Doch nur Leiden kam daraus.

Ich bin überall von Grenzsituationen bedroht und begrenzt, von Tod, Lied, Kampf, Schuld, Scheitern[1] ohne täuschende Schönerung oder falsche Harmonie. Diese Grenzsituationen werden weiterexistieren, solange ich existiere, denn durch mein Leben leben sie, und durch meine verzweifelten Fragen wachsen sie. Ich kann streiken, kann mich auflehnen, kann mich ärgern, kann schreien, doch all das wird zu nichts führen. Ich zerstöre nur mich. Ich bin ratlos, verzweifelt, beängstigt, traurig und deprimiert, doch bis ich den Einen kannte.

Der Eine muss einer sein, sonst wäre ich zwischen Möglichkeiten zerrissen, doch der Eine holt mich aus meiner Zerrissenheit und meiner Zerstreutheit heraus. Der Eine muss einer sein, sonst wären wir zwischen Mächten und verschiedenen Erwartungen gespannt, dann wäre die Wahrheit nicht absolut sondern relativ. Der Eine führt mich aus meiner Einsamkeit heraus, damit ich mit mir identisch und eins werde, doch bleibe ich dann eine relative Einheit zur absoluten Einheit und so wird meine Einsam-Sein eine Scheinphase. Der Eine ist das Gegengewicht meiner Winzigkeit. Er ist der Ursprung meines Ursprunges und der Anfang meines Schein-Endes, denn in seiner einzigen unwiederholbaren absoluten Wahrheit verliert jede andere Wahrheit, als relative Wahrheit, den Grund ihrer Wahrheit. Durch seine Unendlichkeit definiere ich meinen Anfang und mein Schein-Ende, durch seine Ewigkeit definiere ich meine Vergänglichkeit.
 
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