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Mein Tanger - Mein Marokko

Autor: Martinson | Erstellt am: 28.01.2008 | Gelesen: 5841
Kategorie: Literatur - Bücher & Zeitschriften | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Auswanderer: Spannende Jugend in Marokko

Mein Tanger – Mein MarokkoNeuenkirchen; Wie ist das, wenn die Mutter beim Mittagessen sagt: „Wir wandern aus. Nach Marokko."? Für Harold Martinson war es ein Schock. „Das war 1958. Ich war neun. Ich sollte alle meine Freunde nicht mehr wiedersehen und nach Afrika gehen. Nach Afrika!" Elf Jahre blieb Harold Martinson in Tanger, der Hafenstadt an der Straße von Gibraltar. Elf Jahre, die den heute 59-Jährigen prägten. „Es war eine tolle Zeit, eine Zeit voller Abenteuer, fremder Menschen und Kulturen", erinnert sich der Mann, der heute in Neuenkirchen am Heideweg wohnt. Die Erinnerungen an seine Zeit in Marokko hat er in einem Buch zusammengefasst. Es heißt „Mein Tanger – Mein Marokko".

„Tanger war nach dem Zweiten Weltkrieg Tummelplatz für (Ex-)Spione, Geldmagnaten, Künstler und Verbrecher", schreibt Harold Martinson, Vater von zwei erwachsenen Kindern, in seinem kleinen Buch. Tanger in Marokko, ein Schmelztiegel verschiedener Nationalitäten, eine Kolonialstadt mit reichen Europäern und bettelarmen einheimischen Bediensteten, ein Land im wirren Übergang zur Unabhängigkeit. (Das Buch vom BoD-Verlag, ISBN-13: 9783833488726).

„Ich wurde plötzlich mit einer vollkommen neuen Welt konfrontiert", erinnert sich Martinso in seinem Buch.

Sein Vater war gelernter Jurist, hatte sich aber dem lukrativeren Großhandel zugewandt. Nach wenigen Jahren in Marokko holte er 1958 seine Familie aus Lübeck nach. Nur vier Jahre später musste Martinsons zwei Jahre ältere Schwester das Land schon wieder verlassen – die Flucht vor einem einflussreichen Araber, der bestimmt hatte, sie mit seinem Sohn zu vermählen.

„Nach Afrika – was hatte ich davon für Vorstellungen", sagt Harold Martinson. „Ich habe an Elefanten, Löwen und Giraffen gedacht." Doch die Wirklichkeit in Tanger war ganz anders. Die Familie lebte in einem isolierten und reichen Villenviertel für Nicht-Marokkaner, eine Art „High Society", die von der Armut des Landes wenig mitbekam. „Kontakt zu Einheimischen gab es kaum, höchstens zu den Angestellten", erinnert sich Martinson in seinem Buch, wo er auch die engere Beziehung zur Raumpflegerin und Köchin Aischa schildert.

Doch der Schmelztiegel der „Internationalen Zone Tanger" bot für einen Heranwachsenden jede Menge Abenteuer. Allein die Überschriften der Kapitel seines Buches wecken Neugier: „Der Mord an Jacqueline und ich unter Tatverdacht", „Poker und Rauschgift" oder „Meine Liebe Yasmina und die Zwangsheirat". In kurzen Episoden schildert Martinson Erlebnisse aus dieser aufregenden Zeit, von Schlägereien und der ersten Liebe, von krummen Touren, zwielichtigen Gestalten und politischen Eskapaden. „Es ist alles wahr und aufrichtig", sagt er über sein Buch. „Und Dinge, die vielen Lesern allzu unglaubwürdig vorkommen würden, habe ich weggelassen. Aber auch sie sind tatsächlich passiert."

Die Zeit in Marokko hat Harold Martinson nicht geschadet. Die französische Sprache, die er zum Eintritt in die französische Schule in Tanger erst noch erlernen musste, hat seinen beruflichen Weg geprägt. Nach dem Abitur in Tanger studierte er in Hamburg Jura, wurde Rechtsberater, dann Dolmetscher am Landgericht, bevor er Ministerialbeamter im Verteidigungs- und Innenministerium wurde. „Meine Kenntnisse verschiedener Kulturen haben mir auf diesem Weg sehr geholfen", sagt Harold Martinson heute.

„Mein Tanger – Mein Marokko" – gilt das heute immer noch? „Nein, ganz und gar nicht", wehrt Martinson ab. „Das Tanger von heute ist nicht mehr meines, es ist eine kolossale Enttäuschung." 1989 war er zum letzten Mal in Tanger, um seiner Frau die Stätten seiner Jugend zu zeigen. „Die Atmosphäre von früher ist verloren, die Slums riesig geworden, Glanz und Gloria der Nachkriegszeit sind erloschen."
 
 
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comment Kommentare von Besucher !

Gepostet von Peter von Zech am 22.11.2011
Der Kommentator MV hat offenbar das Profil des Autors nicht richtig durchgelesen. Dort hat Martinson doch auf den Zeitungsartikel nebst Verfasser Homering hingewiesen!

Gepostet von MV am 23.11.2010
Es wäre schön gewesen, wenn Herr Martinson die Quelle dieses Artikels richtig angegeben hätte. Er hat ihn nicht selbst geschrieben, sondern der Artikel ist in der Münsterländischen Volkszeitung erschienen, geschrieben von Jörg Homering.

Gepostet von Rafael am 16.03.2008
Für jeden, der Marokko kennt ein Muss. Für alle die Marokko nicht kennen erst recht! Knackig, sachlich, Humor!

Gepostet von Hamza am 30.01.2008
Ein wirklich toller Artikel, zumal ich selbst auch aus Tanger komme :-)







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