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Meeresschutz: Blinden Passagieren geht es an den Kragen

Autor: karlowski | Erstellt am: 26.07.2009 | Gelesen: 1162
Kategorie: Energie - Klima & Umwelt | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Großer Schritt für das ökologische Gleichgewicht der Meere: Neue Ballastwasser-Desinfektionssysteme aus Deutschland sollen die weltweite Verbreitung gefährlicher Bioinvasoren eindämmen.

Nach vorsichtigen Schätzungen werden jährlich rund 10 Milliarden Kubikmeter Wasser in Schiffsbäuche gepumpt. Dieses sogenannte Ballastwasser stabilisiert die Schiffe, verhindert die Verformung des Schiffskörpers und damit mögliche Havarien in schwerer See etwa bei unvollständiger Beladung. Die Weltmeere lassen sich so zwar sicherer befahren, doch die ökologischen und wirtschaftlichen Folgekosten der weltweiten Ballastwassertransporte lassen sich nicht einmal ansatzweise schätzen.

Bioinvasoren reisen als blinde Passagiere

Als blinde Passagiere machen sich mit dem Ballastwasser auch Reisende auf den Weg, die beim Entleeren der Tanks in ihrer neuen, weit entfernten Heimat alles andere als willkommen sind. Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA) in deutschen Häfen ergaben, dass dort jährlich etwa 2,2 Millionen Tonnen Ballastwasser aus außereuropäischen Regionen abgelassen werden. Durchschnittlich fand man etwa 1 Individuum pro Liter Ballastwasser, woraus sich ein möglicher Eintrag von 6 Millionen von Fremdorganismen pro Tag in deutsche Gewässer ergibt. Bakterien, Algen, Krebse oder sogar Fische können über den Umweg einer Ballastwassertank-Reise plötzlich Lebensräume besiedeln, in die sie normalerweise nie hätten vordringen können. Mit der heimischen Fauna und Flora haben viele der Neuankömmlinge leichtes Spiel und verdrängen sie in teilweise rasender Geschwindigkeit aus ihren Lebensräumen.

Eines der größten Probleme der Meeresumwelt

Die Einschleppung fremder Arten gehört zu den größten Probleme der Meeresumwelt. So verbreiten sich in Nord- und Ostsee bereits Arten wie die Amerikanische Schwertmuschel, die von der nordamerikanischen Ostküste stammende räuberische Rippenqualle Mnemiopsis leydii, der Schiffsbohrwurm – eigentlich eine Muschel - richtet große Schäden an, da er heimische Hölzer zerfrisst. Erhebliche wirtschaftliche Verluste können in der Fischerei entstehen, wenn fremdartige Quallen die Nahrung heimischer Fische oder gleich die Fischlarven weg fressen. Und spätestens als bekannt wurde, dass Ballastwassertransporte auch ein um die ganze Welt reichender Verbreitungsmechanismus für Krankheitserreger wie Cholera sind, wurde das Ausmaß des Problems überdeutlich.

Deutsche Firmen an vorderster Front bei der Bekämpfung der Meeres-Bioinvasoren

Im Juli 2009 hat die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) zwei in Deutschland entwickelte neue Systeme zur Desinfektion von Ballastwasser auf Schiffen anerkannt. Damit stehen jetzt weltweit 30 Ballastwasserdesinfektionssysteme zur Verfügung. „Moderne Verfahren zur Desinfektion von Ballastwasser sind wichtig – sie geben der weltweiten Verbreitung fremder Tier-, Pflanzen- und Bakterienarten endlich Einhalt. Dies ist ein großer Schritt für das ökologische Gleichgewicht der Meere", begrüßt UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann die Entscheidung.

Die neu entwickelten Systeme, das CleanBallast®-BWM-System der Firma RWO und das von Hamann entwickelte SEDNA®-System, setzten Desinfektionsmittel ein, deren Risiken für die Umwelt vom UBA geprüft werden. Denn natürlich müssen die Meere auch vor einer Gefährdung durch das mit Desinfektionsmitteln behandelte Ballastwasser geschützt werden. Eine dritte deutsche Anlage, das AquaTriComp®-System der Firma Aquaworx, befindet sich kurz vor der Zulassung. Im Gegensatz zu den anderen zwei Anlagen wird das Ballastwasser bei diesem System nach einer Filtrierung mit UV-Licht desinfiziert.

Nach einer Studie des Germanischen Lloyds könnten alleine mit der in Deutschland vorhandenen Produktionskapazität im Jahr 2010 etwa 800 Anlagen auf den Markt gebracht werden. Deutschland ist neben Japan und Südkorea Marktführer.

Für die IMO zählt der Kampf gegen die weltweite Verbreitung fremder Arten zu den Hauptanliegen beim Meeresschutz

Um eine weitere Belastung der Meere durch im Ballastwasser reisende Bioinvasoren zu verhindern, verabschiedete die IMO im Jahr 2004 die Ballastwasserkonvention. Damit diese in Kraft treten kann, müssen ihr 30 Staaten, die 35 Prozent der weltweiten Handelstonnage in der Schifffahrt repräsentieren, beitreten. Allerdings hatten bis April 2009 erst 18 Staaten – die etwa 15 Prozent der weltweiten Handelstonnage abdecken – die Konvention ratifiziert. Ausgerechnet Deutschland, maßgeblicher Akteur bei der Erarbeitung dieses internationalen Regelwerkes, hat die Ballastwasserkonvention bis heute noch nicht ratifiziert. UBA-Vizepräsident Holzmann: „Deutschland sollte die Ballastwasserkonvention rasch ratifizieren, damit das Übereinkommen bald in Kraft tritt und damit weltweit endlich verbindlich wird."

Weltweit arbeiten Fachleute an der Entwicklung neuer BallastwasserManagementsysteme (BWMS)

Ein Ballastwasserbehandlungssystem muss strengen Kriterien entsprechen, um zugelassen zu werden: Neben ökonomischen Fragen und der Schiffsicherheit, spielt der Umweltschutz eine wichtige Rolle. Die Zulassung der Anlagen liegt in der nationalen Zuständigkeit der einzelnen Staaten. Systeme, die Biozide zur Desinfektion des Wassers verwenden, bedürfen darüber hinaus der internationalen Anerkennung durch die IMO. Das UBA und andere beteiligte Behörden, darunter das federführende Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), beteiligten sich innerhalb der IMO richtungweisend an der Erarbeitung strenger international geltender Richtlinien für die Ballastwasserbehandlung. „Ich freue mich, dass unsere Vorschläge für strenge Vorschriften bei der Umweltrisikobewertung von Ballastwasser-Managementsystemen maßgeblich in die internationalen Vorschriften eingeflossen sind", so Thomas Holzmann.

Ulrich Karlowski
 
 
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