Mazda5 1,8i: Braver Freund der Familie
Es ist wie so oft im Leben. Die guten Dinge werden erst so richtig evident, wenn man Sie nicht mehr hat. Sie fließen beiläufig in den Strom des Daseins ein. Man gewöhnt sich schnell an sie und nimmt sie in ebensolcher Geschwindigkeit als gegeben hin. Genauso erging es uns beim Intensivtest mit dem neuen Kompaktvan Mazda5. Was wir an ihm hatten, fiel uns erst so richtig auf, als wir ihn am Ende der zweiwöchigen Testphase wieder dem Eigner Mazda Austria überantworteten. Der Japaner spielt seine hochentwickelten Tugenden mit einer ausgewiesenen Nonchalance aus. Die Nettigkeiten und Annehmlichkeiten mehrspurigen motorisierten Vorankommens kredenzt der 5er seinen Passagieren ganz beiläufig und unaufgeregt. Man konsumiert sie quasi im Vorbeifahren und weiß eigentlich gar nicht so recht, warum der Autofahreralltag plötzlich so leicht von der Hand geht. Ein dienstbarer Geist, dieser Mazda5!
Einstieg leicht gemacht
Da sind zum einen die Schiebtüren links und rechts des Vans. Der praktikable Nutzen dieser Art des Zugangs in den Fond eines Fahrzeugs ist geläufig und kann neuerdings auch beim VW Sharan und seinem Hispano-Brother Alhambra und beim Ford Grand C-Max erfahren werden. Damit hat der Japanese zwar kein Alleinstellungsmerkmal mehr - allerdings muss den Slidingdoors beim Mazda5 eine konkurrenzlose Leichtgängigkeit attestiert werden. Es bedarf nicht viel mehr als eines zarten Fingertipps, und die Türen rollen nach hinten in die Arretierung. Und auch hier: Wie klein der Kraftaufwand beim Öffnen und Schließen der Schiebetüren ist, fiel uns erst im direkten Vergleich mit den neuen VW Sharan auf. Auch dort ist die Bedienung freilich kein überbordender Kraftakt, allerdings von einem doch spürbar höheren Widerstand begleitet, wie wir muskulär unterrepräsentierten Schreibtischhengste festgestellt haben.
4,6 Meter lange, ausgesprochene Familienfreundlichkeit. So präsentiert
sich uns der neue Mazda5
in seiner neuesten Ausformung. Die Farbe
unseres Testwagens nennt sich clear water blau und passt
in Anbetracht
des hervorstechendsten Designmermales des Kompakt-Van, wie die Faust
aufs Aug´.
Die Breitseite des Mazda5 ziert ein sanfter Wellenschliff. Das ist mal
etwas anders und enthebt den 5er
etwas von der leicht einschläfernden
Optik des Vorgängers.Variantenreich
Auch beim Besetzen und Beladen des Fünfers: Da gibt es nichts, was eines eingehenderen Studiums der Gebrauchsanleitung bedürfen würde. Das Um-, Weg-, Auf- und sonstige Klappen der variantenreichen Bestuhlung ist intuitiv behirnbar. Mit wenigen Handgriffen und ebensolchem Kraftaufwand kann die dritte Sitzreihe in den Ladeboden versenkt werden, was das Ladevolumen von 112 auf 538 Liter erhöht. Die zweite Reihe ist längs verschieb-, die Rückenlehnen in der Neigung verstellbar. Der mittlere Platz lässt sich wegklappen und in der Sitzfläche des linken Sessels verstauen. Wird alles umgelegt, was umzulegen ist, entsteht ein brettlebener Laderaum, der maximal 1485 Liter aufzunehmen bereit ist. Da bleibt kein Wunsch offen. Das Wort Flexibilität ist hier wahrlich keine hohle Phrase.
Der Mazda5 trägt seine Herkunft aus dem Land des Lächelns im Gesicht.
Ein großflächiges Fensterband plus großzügig dimensioniertem Heckausguck sorgt für eine gute Rundumsicht.Gut abgestimmt
Der Praktikabilität in der Pflicht auch eindeutig das Cockpitdesign: funktionelle Strenge und monochrome Ausgestaltung prägen die Architektur an vorderster Front. Da lenkt nichts ab von der seriösen Bedienung des Automobils. Wem hier ein wenig Extravaganz abgeht, kann ja einen Schritt nach draußen tun, und sich den kühnen Wellenschliff an der Breitseite der Karosserie zu Gemüte führen. Wieder hinterm Steuer, vermag der Mazda5 durch neu erworbene fahrerische Qualitäten zu überzeugen. Da wäre zum einen ein auf Sanftmut getrimmtes Fahrwerk, das sich selbst auf den von Frostaufbrüchen gesäumten Wiener Straßen unerschütterlich seinen Weg bahnt. Geht es dann einmal etwas forcierter durch kurvenreiches Geläuf besticht der Fünfer mit wankfreier Attitüde und präzise ausgelegter Lenkung.
Der von uns getestete Einstiegsbenziner 1,8i mit 116 PS ist ein braver
Alltagsbegleiter -
vielleicht ein etwas zu braver. Sprintwerte von
12,8 s auf 100 halten den Fahrspaß etwas hintan.
Auch
verbrauchstechnisch weiß der Vierzylinder-Otto nicht so recht zu
überzeugen.
Einstiegsbenziner nicht die erste Wahl
Dazu muss allerdings gesagt werden, dass der von uns getestete 1,8-l-Benziner mit 116 PS nicht gerade zum forschen Vortrieb animiert. Das maximale Drehmoment von 165 Newtonmetern setzt ab 4000 Touren ein und der Weg dorthin gestaltet sich etwas zäh. Anders ausgedrückt: 12,8 Sekunden dauert der Sprint auf 100. Ist dann doch einmal Eile geboten, heißt´s kräftig rühren im 6-Gang-Getriebe. Dass das knackig und exakt vonstatten geht, stimmt versöhnlich. Ebenso wie der Umstand, dass der Japan-Van, so er einmal auf Reisegeschwindigkeit ist, angenehm niedertourig und der ob leise zu bewegen ist. Das leichte Leistungsmanko des Einstiegsbenziners spielt innerstädtisch keine Rolle. Dort geriert sich der 1,8er als braver Alltagsbegleiter, auch wenn der Verbrauch mit knapp über 9 Litern etwas zu hoch ausfällt.
Neben der Optik haben sich die Damen und Herren aus Hiroshima der
Verbesserung
der fahrerischen Qualitäten beim neuen Mazda5 gewidment.
Das Fahrwerk arbeitet konzilianter
als jenes des Vorgänger. Die
Innenraumgeräusche wurden maßgeblich minimiert.Fazit
Die Anforderungen an einen siebensitzigen Kompakt-Van erfüllt der neue Mazda5 mit Bravour. Die Variabilität des Innenraums ist vorbildlich und sucht in diesem Segment seinesgleichen. Dazu kommen eine tadellose Verarbeitung, das optisch aufgewertete Exterieur und ein für ein Fahrzeug dieser Qualitäten direkt wohlfeiler Einstiegspreis von 22.990 Euro. Gibt das Haushaltsbudget allerdings den einen oder anderen Euro mehr her, empfiehlt es sich, diesen in ein Motorenupgrade zu investieren. Schon der 116 PS starke Einstiegsdiesel sorgt für runde 2000er mehr mit seinen ab 1750 Umdrehungen einsetzenden 270 Newtonmetern für angemessenere Fahrleistungen bei deutlich reduziertem Verbrauch.
von Christian Zacharnik, autonet.at