Rubikon-Institut hält Fortbildung für Grundschullehrer in Stockstadt a. M.„Wir konnten eine Vielzahl an Anregungen für die tägliche Arbeit mitnehmen", mit diesen Worten bedankte sich die Schulleiterin der Volksschule in Stockstadt am Main, Elke Ring-Eisert, bei Siegfried Eberle. Der Chef des Rubikon-Instituts in Schöllkrippen hatte an ihrer Schule eine Fortbildung zum Thema „Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern" gehalten, die auf großes Interesse gestoßen war.
Den richtigen Ansatz finden
Denn Eberle weiß: Manchen Lehrern fällt es immer noch schwer, verhaltensauffällige Kinder in die täglichen Abläufe einzubinden und richtig mit ihnen umzugehen.
„Das Korsett, dem die Lehrer unterworfen sind – also der Lehrplan – lässt nur sehr wenige Möglichkeiten für Individualität. Die Lehrer sehen natürlich, dass das ein oder andere Kind Schwierigkeiten in bestimmten Bereichen hat, aber sie wissen dann eben oft nicht, wie man so etwas kanalisiert. Wie man dem Kind weiterhilft, ohne dabei die anderen Schüler zu vernachlässigen. Darauf ist unser Schulsystem nicht ausgerichtet."
Es liegt viel im Argen
Dass Eberle die richtigen Ansätze kennt, kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren ist das Rubikon-Institut in Schöllkrippen bekannt für seine Arbeit mit Kindern, die besondere Herausforderungen haben:
„Wir coachen Kinder, die eine Lese-Rechtschreibschwäche oder Dyskalkulie haben – also bei Rechnen Schwierigkeiten haben. Darüber hinaus haben wir uns auf das Training mit Kindern spezialisiert, bei denen AD(H)S diagnostiziert wurde."
Hier liege – laut Eberle – viel im Argen.
„All diese Kinder kommen in den Schulen oft unter die Räder, weil sie eben nicht mit den anderen Schritt halten können. Das liegt nicht an den Lehrern, sondern am System. Wir trainieren mit diesen Kindern mit wissenschaftlichen Methoden, die speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. Damit erreichen wir nicht nur bessere Leistungen, sondern steigern auch ihr Selbstwertgefühl."
Tolle „Nebeneffekte"
Denn laut Eberle ist die Verbesserung in der Schule nur die eine Seite der Medaille.
„Schulprobleme – vor allem, wenn sie massiv und lang anhaltend sind – haben immer auch eine Auswirkung auf das gesamte Umfeld der Kinder. Auf die Eltern, auf die Freunde. In der Familie dreht sich plötzlich alles nur noch darum, dass die Leistungen nicht stimmen. Nicht selten löst so etwas wirklich Krisen aus. Und das Kind hat dann das Gefühl, dass es daran schuld ist. In dem Moment, in dem der Grund für den Leistungsabfall gefunden ist und etwas dagegen getan wird, entspannt sich die Lage sofort. Das ist ein Nebeneffekt unserer Arbeit, den wir besonders schätzen."
Nichts tun wäre dumm
Manchmal aber sieht Siegfried Eberle seine Schüler noch mit einem anderen Druck konfrontiert. Eine Sache, die dem Profi mit jahrelanger Erfahrung immer noch an die Nieren geht: „Die Schüler erzählen, dass sie gemobbt werden, weil sie bei uns Kurse belegen. Nach dem Motto: Du bist ja doof, weil Du dahin musst. Das sind die Momente, in denen ich wirklich wütend werde. Vor allem dann, wenn solche Sprüche nicht nur von Mitschülern, sondern auch von Erwachsenen kommen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Kinder und ihre Eltern haben erkannt, dass ein Problem besteht und gehen mit uns dagegen vor. Sie tun etwas für die Zukunft. Wirklich dumm wäre man dann, wenn man diesen Schritt nicht gehen würde und seinem Kind damit einen möglichst positiven Start in die Zukunft verbaut."
(Siegfried Eberle, Rubikon-Institut, 06024631338)