Mallorca Urlauberträume
Viele deutsche Mallorca-Residenten weigern sich hartnäckig die Tatsache anzuerkennen, dass die Landessprache auf den Balearen, und damit auch auf Mallorca, das Català ist. Dabei ist die katalanische Sprache in der Verfassung der Balearischen Inseln (Illes Balears) als Amtssprache festgeschrieben. Vielen Mallorca-Auswanderern und Mallorca-Urlaubern ist in diesem Zusammenhang nicht bewusst, dass die spanische Sprache, das Kastilisch (Castellano), beim überwiegenden Teil der Malloquiner eine abgrundtief verhasste Sprache ist, weil ihnen diese in den letzten Jahrhunderten mehrmals gegen ihren Willen aufgezwungen wurde. Und dies geschah in Kenntnis der Tatsache, dass ihre alleinige Muttersprache seit weit mehr als eintausend Jahren das aus dem Altlatein hervorgegangene Català ist.
Die katalanische Sprache ist kein spanischer Dialekt
Viele Deutsche, die nach Mallorca auswandern wollen, glauben auch heute immer noch, dass das Katalanisch ein spanischer Dialekt ist, vergleichbar mit den in ihrer Heimat zu findenden Dialekten. Regelmäßig großes Staunen bei Mallorca-Interessierten ruft zudem die Tatsache hervor, dass es allein in Europa weit mehr als ein Dutzend Länder gibt, in denen die jeweilige Sprache von deutlich weniger Menschen gepflegt wird, als dies beim Katalanischen der Fall ist. Gemeint sind damit beispielsweise alle skandinavischen Länder, aber auch Portugal, Ungarn, Tschechien und viele andere mehr. Weit mehr als 11 Millionen Menschen sprechen heute Katalanisch, und die Tatsache, dass die über Jahrhunderte unterdrückte Sprache in den Verfassungen von Katalonien, Valencia und Balearen als erste Amtssprache verankert ist, sorgt mit dafür, dass die Zahl der Katalanisch Sprechenden von Jahr zu Jahr kontinuierlich steigt.
Mallorca-Residenten unbewusst Handlanger der Francodiktatur? 
Große Entrüstung macht sich bei Inseldeutschen auf Mallorca spätestens dann breit, wenn man sie mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie sich zum Handlanger des Diktators General Francisco Franco machen, wenn sie es ablehnen die Sprache der Insulaner zu lernen. Auch wenn dies sicherlich unbewusst geschieht, so ist es doch eine nicht zu verleugnete Tatsache, dass der Scherge Franco nach dem Gewinn des spanischen Bürgerkrieg den Gebrauch des Català verboten hatte. Wer dennoch im öffentlichen Leben katalanisch sprach, oder denunziert wurde, weil er im privaten Umfeld katalanisch sprach, wurde dafür schwer bestraft. Das nationalistische Regime des Faschisten Franco setzte eine beispiellose Hispanisierungswelle in Gang, die nicht einmal vor den Namen von Orten oder gar Personen halt machte.
Muttersprache und Namen wurden verboten
Katalanische Namen wurden kurzerhand per Dekret gegen spanische Bezeichnungen ausgetauscht, obwohl diese beiden Sprachen nur wenig Ähnlichkeit miteinander haben. Sogar vor Grabsteinen machte das Franco-Regime nicht halt. Die Repressalien gegen die Muttersprache der Mallorquiner wurden erst im Jahr 1978 aufgehoben, nach dem Tod von General Franco und der Einführung der ersten parlamentarischen Demokratie im Königreich Spanien. Dies ist gerade einmal gut 30 Jahre her. Der Schaden, den das Franco-Regime in allen katalanisch sprechenden Provinzen Spaniens angerichtet hatte, war enorm. Das Català erlebte, bis Franco kam, eine etwa 100 Jahre lang andauernde Belebung - die Renaixença, nachdem diese Sprache schon einmal, nämlich im 18. Jahrhundert, über mehrere Generationen hinweg vom spanischen Königshaus verboten wurde.
Santa Maria de Montserrat widerstand Francos Schergen
Schon damals wurde das Kastilisch unter Einsatz von Gewalt als Amtssprache durchgesetzt. Und nun, unter Franco, war die Muttersprache aller katalanisch Sprechenden erneut über viele Jahrzehnte verboten worden. Nur an einem einzigen Ort in ganz Spanien trauten sich die Menschen katalanisch zu sprechen. Im Benediktinerkloster Santa Maria de Montserrat, nahe Barcelona, auf dem spanischen Festland. Santa Maria de Montserrat genoss zu seiner Zeit kirchliche Sonderrechte, und konnte sich deshalb dem Zugriff der Francodiktatur erfolgreich entziehen.

Die leidvolle Geschichte der Katalanen und ihre Bedeutung für Mallorca
Welche Bedeutung die leidvolle Geschichte der Katalanen für die Einwohner der Insel Mallorca hat, liegt vor dem Hintergrund des Geschilderten auf der Hand. Zum Einen will die Politik in Palma verhindern, dass sich die Geschichte ein drittes Mal wiederholt. Zum Anderen will man den Schaden, den die Franco-Diktatur mit der Hispanisierung des Katalanischen verursacht hatte möglichst schnell wieder beheben. Eine ganze Generation der Katalanen hatte in der Schule, mit dem Spanischen, eine fremde Sprache erlernen müssen. Dazu kam, dass Erwachsene katalanisch Sprechende zwangsweise spanisch lernen mussten, sonst hätten sie ihren Job, und damit ihre Lebensgrundlage, verloren.
Der Mallorca-Tourismus in den 60er Jahren und seine dramatischen Folgen
Hinzu kam, die Tatsache, dass in den 60er Jahren der Boom des Mallorca-Tourismus begann, in dessen Folge
Mallorca nach außen hin als spanische, und vor allem spnanisch sprechende, Insel dargestellt wurde. Kaum ein deutscher Mallorca-Auswanderer hatte damals Anlass gesehen katalanisch zu lernen. Die Folgen der Hispanisierung sind bis heute dramatisch. So sprechen immer noch fast die Hälfte aller auf Mallorca Lebenden kein Katalanisch, bzw. den katalanischen Dialekt der Insel, das Mallorquí. Schuld daran ist vor allem der hohe Ausländeranteil, der bei etwa 25 Prozent liegt. hinzu kommt der Zuzug vieler Festlandsspanier während der Francodiktatur. Auf der anderen Seite sprechen viele Mallorquiner kein spanisch. Vor allem im Inselinnern ist dies der Fall. In Inca, zum Beispiel. Nicht umsonst wird Inca als heimliche Hauptstadt Mallorcas bezeichnet. Aber auch in anderen Inselorten kann es durchaus geschehen, dass dem Mallorca-Feriengast Unverständnis entgegengebracht wird, wenn dieser in einem Laden seine Einkaufswünsche spanisch sprechend vorbringt.
Sich auf Mallorca zu integrieren bedeutet katalanisch zu lernen
Die richtigen Lehren aus der Geschichte ziehen, ist deshalb genau das, was wir Deutschen auf Mallorca aktiv praktizieren sollten. Denn Integration hat auf Mallorca eine noch größere Bedeutung als anderswo in Europa. Die Sprache als wichtigstes Kulturgut einer Gemeinschaft gilt es ohne Wenn und Aber anzunehmen, wenn man es mit der eigenen Integration ernst meint. Und, das ist vielleicht noch wichtiger, weil es hehren ethischen Motiven entspringt, dabei mitzuhelfen, dass die Verbrechen der Francodiktatur nicht heute noch, quasi posthum, erfolgreich in die Tat umgesetzt werden.
(Autor: Valentin Moser)