Wird bei einem Mann ein Hoden entfernt, dann bedeutet das nicht gleichzeitig Impotenz (erektile Dysfunktion) oder Unfruchtbarkeit. Wenn man nur einen intakten Hoden hat, bedeutet das nicht, dass man automatisch Erektionsprobleme bekommt und diese dann mit Potenzmitteln wie
Viagra behandeln muss. Ein intakter Hoden genügt für eine ausreichende Sexualfunktion und steuert weiterhin Samenbildung und Ejakulationsfähigkeit. Sexualhormone sind nicht nur für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane verantwortlich, sondern auch Voraussetzung für die männliche Identität, Sexualität und Fruchtbarkeit. Sie beeinflussen fast alle Funktionen des Körpers und sind für die Körperabwehr ebenso unersetzlich wie für Prozesse des Alterns verantwortlich. Darüber hinaus haben sie entscheidenden Einfluss auf die Beschwerden infolge des männlichen Wechsels.
Der Hoden stellt neben dem Gehirn und den Nebennieren ein weiteres Zentrum der Hormonproduktion dar. In den Leydig- Zellen des Hodens erfolgt die Biosynthese des Testosterons. Hohe Konzentrationen dieses Hormons sind im Hoden erforderlich um eine Spermienbildung zu ermöglichen. Dabei steht die Hormonproduktion der Hoden mit den Zentren des Gehirns über einen Rückmeldemechanismus in einem engen Kontakt. Der Hypophysenvorderlappen produziert die beiden auf die Keimzellen wirkenden Hormone FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon), deren Produktion wiederum durch ein übergeordnetes Zentrum im Gehirn, dem Hypothalamus, über das Hormon GnRH (Gonadotropin-Releasing Hormon) gesteuert wird. Die Rückmeldungsschleife dieses Kreisels schließt sich durch die Steroidhormone Testosteron bzw. Dihydrotestosteron und Östradiol E2. Aber auch andere Hormone, wie Prolaktin und Östrogene, haben einen Einfluss auf die Bildung von Spermien in den Hoden.
Wie alle androgenabhängigen Systeme besitzen auch die Leydig- Zellen Hormonrezeptoren. Über LH- Rezeptoren und FSH- Rezeptoren wird in den Keimzellen die Spermienentwicklung gesteuert. Bei Verlust oder Mangel dieser Rezeptoren können die hormonvermittelten Signale nicht auf die Zellen des Keimgewebes übertragen werden, und es kommt zu einem Ausfall der Spermienproduktion oder einer hormonellen Fehlregulation. Testosteron wird in den Hoden aus Cholesterin gebildet, das durch LH aus dem Hypophysenvorderlappen für die Synthese bereitgestellt wird. Da neu gebildetes Testosteron nicht aufbewahrt oder gespeichert wird, muss es immer wieder neu produziert werden. Testosteron und seine Vorläuferstufe Androstendion werden durch ein Enzym (Aromatase) zu Östradiol und Östron umgewandelt. Damit ergibt sich ein enger Zusammenhang zwischen Androgenen und Östrogenen. Testosteron erreicht seine Zielorgane entweder durch einen Andockmechanismus an das „Androgenbindende Protein" direkt (z.B. in Samengängen oder Nebenhoden) oder aber über den Blutstrom. Auf diesem Weg wird es von einem Molekül quasi Huckepack aufgeladen und erreicht so die Androgenrezeptoren im Skelett, an Muskeln, Haut, Haaren, Kehlkopf, Genitalapparat und Knochenmark, aber auch in den Keimdrüsen, wo es für die Spermienproduktion verantwortlich ist.